hr-online Informationen aus Hessen
ARD.de Hilfe Feedback Chats und Foren
 
1.11.2007

EU bedroht Nationalgetränk

Apfelwein in Gefahr

Ein Wirt gießt Apfelwein aus einem "Bembel" ins "Gerippte" (Bild:  Rhode/Storch)
Hessisches Nationalgetränk: Apfelwein - nur echt im Gerippten
Eine neue EU-Verordnung geht dem hessischen Traditionsgetränk an den Kragen. Wo Wein drauf steht, muss ein Getränk aus Trauben drin sein. Demnach dürfte der gute alte Äppler künftig nicht mehr Apfelwein heißen.
 

Der Entwurf der neuen EU-Weinmarktordnung sorgt in Hessen ordentlich für Wirbel. Der Entwurf sieht vor, dass der Begriff "Wein" ausschließlich im Zusammenhang mit Traubenwein verwendet werden darf. Werden die Pläne der EU-Kommission umgesetzt, darf der Ausdruck "Apfelwein" nicht mehr verwendet werden. Auch Kirschwein wäre dann verboten.
 

Die Mitglieder des Verbandes der Hessischen Apfel- und Fruchtsaft-Keltereien e.V. wollen mit allen Mitteln gegen die geplante Verordnung angehen. Apfelwein sei viel mehr als nur ein Getränk - es ist ein großes Stück hessische Identität. "Apfelwein ist Hessen. Würde dieser Begriff verboten, hätte das Land Hessen eines seiner bedeutendsten Identifikationsmerkmale verloren", erklärte der Verband am Donnerstag.
 

"Ebbelwei muss Ebbelwei bleiben" - Hessen kämpfen für den Apfelwein 

 
Klicken Sie auf ein Bild, um in die Galerie zu gelangen (12 Bilder)
 

Empörung über Parteigrenzen hinweg

Hessisches Nationalgetränk in Gefahr 2:21 Min
(© hessen aktuell, 01.11.2007)
Ministerpräsident Roland Koch reagierte empört auf die EU-Pläne. Das hessische Traditionsgetränk dürfe nicht der Regelungswut in Brüssel geopfert werden. Nicht nur der südhessische Apfelwein sei betroffen, sondern auch der Kirschwein in Nordhessen. Koch erklärte, er habe sich bereits an EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel und an Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer gewandt. Für den seit Jahrhunderten existierenden Begriff Apfelwein gebe es keine sprachliche Alternative. Koch kündigte an, mit "allen Mitteln" für seinen Apfelwein kämpfen zu wollen.

Auch SPD-Chefin Andrea Ypsilanti zeigt wenig Verständnis für die EU-Pläne. "Ebbelwei muss Ebbelwei bleiben", forderte sie am Donnerstag. Der Begriff 'Apfelwein' sei eingeführt und allseits bekannt. "Niemand vermutet dahinter Wein." Die Hessische Landesregierung müsse sich dieser Reform in den Weg stellen, denn "beim Ebbelwei sind sich alle Hessen einig."

Der hessische SPD-Europaabgeordnete Udo Bullmann ist davon überzeugt, dass das EU-Parlament die Passage in dem Bericht noch korrigieren werde. Verantwortlich für die Irritation auf Brüsseler Bühne sei ein konservativer Abgeordneter aus Italien, dem offenbar die Sachkenntnis fehle.

Andere Apfelweinnationen, wie Frankreich oder Spanien haben es einfacher. Dort heißt das Getränk "Cidre" oder "Sidra" und darf auch weiter so heißen, denn der Begriff Wein taucht ja nicht auf.
 

Politiker leisten Widerstand

Roland Koch (© hessen aktuell)
Der hessische Ministerpräsident fordert eindeutig: "Sie sollen gefälligst unseren Apfelwein in Ruhe lassen."
 

Jörg-Uwe Hahn (© hessen aktuell)
Der Fraktionsvorsitzende der FDP ist etwas polemischer: "Nach dem zehnten Apfelwein sollten wir fordern: Hessen raus aus der EU."
 

Gernot Grumbach (© hessen aktuell)
Der stellvertretende Landesvorsitzende der SPD ist sich sicher: "Dann werden wir dem schon gemeinsam widerstehen können."
 

Martin Häusling (© hessen aktuell)
Auch der landwirtschaftspolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen sagt: "Das können wir überhaupt nicht nachvollziehen."
 

Apfelwein wird in der Regel aus einer Mischung verschiedener Apfelsorten gekeltert. Meist hat das Getränk, das im Hessischen „Ebbelwei“ oder auch „Stöffche“ genannt wird, einen Alkoholgehalt von fünf bis sieben Prozent und schmeckt sauer. Schon Griechen und Römer kannten Apfelwein. Frankfurt wurde im 16. Jahrhundert zum Zentrum des Apfelweins in Deutschland, weil Schädlingsbefall und schlechte klimatische Verhältnisse den bis dahin traditionellen Weinanbau in der Region schwierig machten. Apfelwein ist auch aus anderen europäischen Ländern bekannt. In Frankreich heißt er Cidre, in Großbritannien Cider und in Nordspanien Sidra, an Saar und Mosel wird er auch Viez genannt.


Wenn unser "Apfelwein" nicht mehr "Apfelwein" heißen darf, wie nennen wir ihn dann? Äppler, Stöffche? Ihre Meinung war gefragt, zum Nachlesen:
 
Redaktion: cawo / jaar
Bild: © Rhode/Storch

Ihr Beitrag

max am 05.11.2007 19:57
Ich habe da etwas sehr Interessantes entdeckt: www.rettet-unseren-apfelwein.de - schein so, als ob ein paar Hessen das nicht mit sich machen lassen... [+]
Mike Weil am 05.11.2007 16:55
Als waschechter Frankfurter, den die Wirren des Lebens nach Hamburg verschlagen haben, habe ich gerade erst diesen Sommer damit begonnen, echten Eb... [+]
Unthan, Natascha am 05.11.2007 15:52
Was für Schwachmaten. Der Äppelwoi ist eine feste Sache die bleiben muß und auch wird. Man sollte vielleicht langsam anfangen nicht... [+]
Matthias am 05.11.2007 12:15
Genau und ab sofort nennen wir bitte Hundekuchen nicht mehr Hundekuchen, weil keine Hunde drinnen sind. Und bezüglich Babybrei müssen wir... [+]
[Alle 295 Beiträge lesen]
 
 
 

Service

 

RSS-Newsfeed

Alle Schlagzeilen
auf Ihrem Desktop

Mit dem RSS-Feed sind Sie immer über das Neueste aus Hessen informiert. Fügen Sie einfach den folgenden Link in Ihren RSS-Reader ein: [RSS-Link]

[Was ist ein RSS-Feed?]
 

Momentaufnahme

Schattenmann [mehr]
 

Landtag

Aktuelle Debatten aus Wiesbaden
[mehr]
 

Gewinnzahlen

LOTTO
10152234414936
Superzahl 2
Spiel 77 5273573
Super 6 290431
Ziehung 06.02.2010
ohne Gewähr
[mehr]

KENO
Infos zu KENO und täglich aktuelle Gewinnzahlen. [mehr]
 
 
hr-online enthält Links zu anderen Internetangeboten. Wir übernehmen keine Verantwortung für Inhalte fremder Webseiten.