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31.03.2008

Acker besetzt

"Feldbefreier" contra Gen-Getreide

In Gießen soll in diesem Frühjahr gentechnisch veränderte Gerste angebaut werden. Das Forschungsprojekt der Universität stößt auf Widerstand. Am Montag besetzten etwa 20 Umweltaktivisten den Testacker.

Auf diesem "Beobachtungsturm" ketteten sich mehrere Aktivisten an. (Bild:  picture-alliance/dpa)
Auf diesem "Beobachtungsturm" ketteten sich mehrere Aktivisten an.
Aktivisten besetzen Gen-Acker 22 Sek
(© hessen aktuell, 31.03.2008)
Protest gegen Gen-Gerste (© hr, 31.03.2008)
Die Besetzer forderten die Universitätsleitung auf, das Forschungsprojekt zu stoppen. Sie errichteten auf der Parzelle einen dreibeinigen Holzturm, auf dem sich mehrere Aktivisten anketteten. "Wenn die Universität auf ihre Risikospielchen mit den profitorientierten Technologien verzichtet, könnte Hessen erneut gentechnikfrei werden – und zwar richtig", erklärten die Besetzer. Wie lange die Aktion andauern solle, sei derzeit ungewiss. Die Polizei schritt nach eigenen Angaben zunächst nicht ein, weil keine Strafanzeige der Universität vorlag.

Eine Sprecherin der Hochschule bezeichnete die Besetzung aber als "völlig unverständlich". Das Gen-Projekt sei von der früheren grünen Verbraucherschutzministerin Künast initiiert worden. "Es geht um die Biosicherheit neuer Gerstensorten", sagte sie. Mit den Tests solle eine neue Gerstensorte gefunden werden, die mit wenig Dünger und Pflanzenschutzmitteln auskäme. Es gehe bei dem Forschungsprojekt also um nachhaltige und "grüne" Landwirtschaft, so die Sprecherin. Diese Hintergründe seien den Besetzern aber wohl nicht bekannt.


Versuchsacker mehrfach verwüstet

Die Universität ist die Konfrontation mit Gentechnik-Gegnern bereits gewöhnt. Nachdem sie im Februar angekündigt hatte, in Gießen, Rauischholzhausen bei Marburg und Groß-Gerau gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen zu wollen, hatten im vergangenen Mai Unbekannte große Teile der Versuchsfelder zerstört. Auch 2006 hatten selbsternannte "Feldbefreier" Versuchsäcker der Universität verwüstet. Vier von ihnen müssen sich vor dem Amtsgericht Gießen dafür verantworten.
 

Widerstand auch in Niedermöllrich

Am Montag regte sich noch gegen ein weiteres nordhessisches Gentechnik-Projekt Widerstand. Mehrere Dutzend Menschen demonstrierten mit Plakaten und Transparenten vor der Düsseldorfer Zentrale der Firma Monsanto. Das Unternehmen hatte vor, auf einem Acker am Rande des Dorfes Niedermöllrich im Schwalm-Eder-Kreis einen Freilandversuch mit Genmais zu starten. Ob Monsanto trotz des Widerstandes an dem Plan festhält, ist noch unklar. Eine Entscheidung soll im April fallen.

Der Versuch ist bereits seit längerem genehmigt. Im vergangenen Jahr hatte Monsanto nach massiven Protesten auf einen Freilandversuch in Niedermöllrich verzichtet. Für dieses Jahr hatte sich das Unternehmen die Möglichkeit aber offen gehalten. Wie der Stand der Dinge ist, wollte auch der Landrat des Schwalm-Eder-Kreises wissen. Eine Anfrage von ihm blieb aber unbeantwortet.
 

Noch keine Vorbereitungen

Sollte Monsanto tatsächlich noch in diesem Jahr aussäen wollen, müsste das nach Meinung von Experten in den kommenden vier bis sechs Wochen passieren. Bislang sind nach Beobachtungen der Initiative "Kein Genmais im Schwalm-Eder-Kreis" aber keine Vorbereitungen erkennbar.
 
Redaktion: anbu / stre
 
 

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