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3.04.2008

Genmais

"Haben Monsanto in die Knie gezwungen"

Genmais (Bild:  picture-alliance/dpa)
Genmais
Nach starkem öffentlichem Protest verzichtet der Saatguthersteller Monsanto auf den Anbau von Genmais in Niedermöllrich. "Ein Sieg der Menschen in der Region", freut sich der Landrat des Schwalm-Eder-Kreises.
 

Information

In Hessen existieren derzeit zwei Versuchsfelder, auf dem gentechnisch veränderte Organismen freigesetzt wurden. In Groß-Gerau gibt es ein 1.500 Quadratmeter großes Feld und in Ebsdorfergrund/ Rauischholzhausen bei Gießen einen Doppelversuch auf einem ähnlich großen Feld. Gegen einen geplanten Versuch bei Gießen protestieren seit Montag Gentechnikgegner mit einer Besetzung des
Feldes.
"Wir haben zum ersten Mal in Deutschland Monsanto in die Knie gezwungen", jubelte Frank-Martin Neupärtl, der Landrat des Schwalm-Eder-Kreises. Ein Monsanto-Sprecher sagte, der Konzern brauche den Anbau in Niedermöllrich nicht mehr. "Wir haben an anderen Standorten ausreichende Informationen für dieses Projekt gesammelt. Damit hat sich diese Frage erledigt", so der Sprecher.

Monsanto hatte schon 2007 die Genehmigung für Genversuche auf einer 13 Hektar großen Fläche in Wabern-Niedermöllrich bei Kassel beantragt. Der Versuchsmais sollte auf einer Fläche von 2.000 bis 3.000 Quadratmetern angepflanzt werden. Auf dem Versuchsfeld sollte die Abwehr des Schmetterlings "Maiszünsler" (siehe Infokasten) erprobt werden. Das Berliner Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hatte diesen Versuch wie 15 ähnliche von Monsanto in ganz Deutschland genehmigt. Nach zahlreichen Protesten mit Hunderten von Teilnehmern hatte Monsanto jedoch bereits 2007 in Niedermöllrich verzichtet und zieht sich nun – vorerst - vollständig zurück.
 

Neue Anbau-Versuche bis 2010 möglich

Ob die Monsanto-Versuche in Niedermöllrich tatsächlich vollständig abgewendet sind, muss sich allerdings noch zeigen. Der Konzern behält sich eine Neuauflage vor: "Wir haben den politischen Amtsträgern in der Region mitgeteilt, dass unsere Genehmigung bis 2010 gilt", so Andreas Thierfelder vom US-Konzern.

Diese Sicht teilt Neupärtl nicht. "Monsanto durfte nur für dieses eine Projekt forschen. Es gibt keine Freikarte, die jetzt für ein anderes Experiment ausgespielt werden kann", sagte der Landrat. Wenn Monsanto seine Versuche wieder aufnehmen wolle, müssten neue Anträge beim Bundesamt gestellt werden. In diesem Falle werde die breite Koalition aus Kirchen, Bauern, Umweltschützern und Parteien, die gegen Monsanto protestiert hat, wiederum aktiv werden.

"Wir werden wieder kämpfen, wenn Monsanto zurückkommt", so Neupärtl. Auch der Waberner Bürgermeister Günter Jung (SPD) ist sich sicher: "Monsanto hat Angst vor uns." Er sieht die Genehmigung allerdings nicht als erloschen an: "Die könnten morgen hier ihren Genmais aussähen."
 

Das Monsanto-Projekt gegen den Maiszünsler

Auf dem Feld im nordhessischen Niedermöllrich bei Wabern wollte Monsanto eine genmanipulierte Maissorte erproben, die gegen Schädlinge resistent sein soll. Dabei geht es vor allem um den Maiszünsler, einen kleinen Schmetterling. Seine Raupen überwintern in Kartoffel-, Hopfen- und Maisfeldern. Sie fressen Blüten, Stängel und Früchte der Pflanzen und verursachen so Schäden von bis zu einem Drittel der Ernte. Monsanto will die DNA der Pflanzen manipulieren. Durch die Veränderung soll der Mais ein Eiweiß produzieren, dass im Insektenmagen giftig ist. Im Magen von Warmblütern, also auch des Menschen, reagiere dieser Stoff nicht.

Monsanto verweist darauf, dass dieser Stoff auch im ökologischen Landbau eingesetzt werde. Mit den genmanipulierten Pflanzen müsse das Sekret nicht gespritzt werden. Stattdessen verfüge der Mais über einen eigenen und unbedenklichen Abwehrmechanismus. Gegner warnen hingegen, das Experiment mit der heimischen Natur könne außer Kontrolle geraten. Im Gegensatz zu chemischer Kontamination könne eine genetische nicht beseitigt werden. Zudem gefährde das Projekt Zehntausende Arbeitsplätze in der deutschen Biobranche.
 
Redaktion: mabr / aba
Bild: © picture-alliance/dpa
 
 

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