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8.04.2008

Genmais

Protest zwingt Uni Gießen in die Knie

Die Universität Gießen hat einen Genmaistest abgesagt. Demonstranten, die seit mehr als einer Woche einen für Genversuche vorgesehenen Acker besetzt halten, wollen dennoch nicht aufgeben.
 

Bündnis gegen Gentechnik in Niedermöllrich 1:34 Min
(© hessen aktuell, 08.04.2008)

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Die Gentechnikgegner halten seit mehr als einer Woche ein Versuchsfeld der Universität Gießen besetzt, auf dem das dritte Jahr in Folge gentechnisch veränderte Gerste ausgesät werden soll. "Wir werden solange bleiben, bis die Universität uns glaubhaft versichert, dass dieses Feld nicht mehr für Gentechnik verwendet wird", sagte einer der Besetzer am Dienstag. Aktuell sind, dem schlechten Wetter zum Trotz, noch fünf der ursprünglich rund 20 Besetzer auf dem Feld.

Für 2008 sei dort ohnehin keine Aussaat von gentechnisch veränderter Gerste geplant, sagte der Präsident der Universität Gießen, Stefan Hormuth. Mit dem Projekt solle getestet werden, ob die neuen Sorten schädliche Nebenwirkungen auf nützliche Bodenpilze haben, so die Uni. Die Gentechnikgegner halten dagegen: "Was im Labor passiert, ist eine Sache, im Freilandversuch sind die Pflanzen unkontrollierbar und reagieren mit der Umwelt", so ein Besetzer.
 

Genmaistests auch in Gießen abgesagt

Nachdem bereits in der vergangenen Woche der Agrarkonzern Monsanto auf die Aussaat von gentechnisch verändertem Mais in Niedermöllrich bei Kassel verzichtet hat, folgt nun auch die Uni Gießen. Anders als geplant wird sie 2008 auch keine Tests mit gentechnisch verändertem Mais in Ebsdorfergrund-Rauischholzhausen vornehmen. Der Universität, die in Rauischholzhausen einen Lehr- und Versuchsbetrieb führt, sei an einer guten Nachbarschaft zur Gemeinde gelegen, heißt es in der Mitteilung der Hochschule von heute.

Auch in Rauischholzhausen hatte es immer wieder Proteste gegen die Aussaat von gentechnisch verändertem Mais gegeben. Die Kritiker befürchten, dass sich die Samen der Pflanzen unkontrolliert ausbreiten.

Eine örtliche Bürgerinitiative hatte mehr als 3.000 Unterschriften gegen die Versuche gesammelt, sagte Bürgermeister Andreas Schulz (SPD). Auch die politische Vertretung der 9.000-Einwohner-Gemeinde hatte sich einstimmig gegen die Versuche ausgesprochen. In Rauischholzhausen sollten etwa 65 Maissorten - darunter maximal sechs gentechnisch veränderte - ausgesät werden. Auch in Groß-Gerau sollten etwa 120 Sorten, darunter etwa zwölf gentechnisch veränderte, getestet werden. Ob es dabei bleibt, ließ die Universität am Dienstag offen.
 

"Niedermöllricher Erklärung" für gentechnikfreies Nordhessen

In Niedermöllrich unterzeichneten am Dienstag Gentechnikgegner eine Entschließung für ein gentechnikfreies Nordhessen. Der "Niedermöllricher Erklärung" hätten sich Landwirte, Verarbeiter, Umweltschützer und Politiker angeschlossen, so Initiator Dietmar Groß. Darunter seien auch der Landrat des Schwalm-Eder-Kreises, Frank-Martin Neupärtl (SPD), der BUND-Bundesvorsitzende Hubert Weiger, die Vereinigung direktvermarktender Landwirtschaftsbetriebe und der "Förderverein Ahle Wurscht". Nun sollen weitere Unterstützer gewonnen werden.

"Qualitätsorientierte Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft wehren sich ebenfalls gegen die schleichende Verunreinigung der landwirtschaftlichen Rohwaren und die damit einhergehende Globalisierung und Uniformierung unserer Nahrungsmittel", heißt es in der Erklärung. Die Unterzeichner plädieren für eine klare Kennzeichnung unveränderter Lebensmittel mit der Aufschrift "ohne Gentechnik". Denn: "Die entscheidende Rolle in diesem Konzept hat der mündige Bürger. Die Verbraucher entscheiden, was auf ihre Teller kommt."
 
Redaktion: mabr / alb
 
 

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