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27.04.2008

ICE entgleist

"Ich bin froh, dass ich noch lebe"

Einen Tag nach dem schweren ICE-Unglück bei Fulda dauern die Aufräumarbeiten an. Mit 200 km/h war der Zug am Samstagabend in eine Schafherde gerast und entgleist. Die 135 Reisenden hatten unglaubliches Glück und überlebten, 19 wurden verletzt.

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ICE rast in Schafherde 8:02 Min
(© hessenschau, 27.04.2008)
Der ICE 885 war auf dem Weg von Hamburg nach München. Kurz nach 21 Uhr passierte das Unglück im Landrückentunnel. Am Eingang des Tunnels raste der Zug in eine Herde Schafe. Der ICE fuhr trotz einer Notbremsung noch rund einen Kilometer in den Tunnel hinein, die meisten Wagen sprangen aus den Gleisen.

Tunnel verhinderte Schlimmeres

Vier Reisende wurden schwer verletzt. Sie wurden mit Knochenbrüchen und Prellungen ins Krankenhaus gebracht. 15 der 135 Passagiere erlitten nach Angaben der Bundespolizei leichte Verletzungen. Die meisten kamen erstaunlicherweise mit dem Schrecken davon, obwohl fast alle Waggons und der Triebwagen entgleisten.
 

Entgleiste Waggons - tote Schafe 

 
Klicken Sie auf ein Bild, um in die Galerie zu gelangen (21 Bilder)
 

"Das war schon dramatisch" 2:36 Min
(© hr 2008, 27.04.2008)

Information

Hotlines der Bahn

Die Deutsche Bahn hat eine kostenlose Hotline für besorgte Angehörige eingerichtet:
0800/ 31 11 111

Informationen zu Änderungen im Zugverkehr gibt es unter:
11861
"Die Fahrgäste hatten Glück, dass es in einem Tunnel geschehen ist", sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Sonntag. "Die Wände haben Schlimmeres verhindert. Auf freier Strecke hätte es zu einer Katastrophe führen können."

Die Zugreisenden konnten den ICE nach der Kollision durch die Türen verlassen. "Ich habe einen lauten Knall gehört. Dann wurde der Zug durchgeschüttelt", berichtete eine Augenzeugin. "Ich bin froh, dass ich noch lebe." Beim Ausstieg aus dem Tunnel über einen Notsteig kamen die Reisenden an zahlreichen übel zugerichteten Schafen vorbei. Die Polizei geht von 20 toten Tieren aus. Augenzeugen berichteten von dichtem Staub im Tunnel. Eine Frau sagte: "Ich bin noch immer grau von Kopf bis Fuß."

Am Tunnelausgang warteten Sanitäter, Rettungskräfte und Feuerwehr. Nach einer Erstversorgung wurden die Fahrgäste zum Bahnhof in Fulda oder in das Gemeindezentrum eines nahe gelegenen Ortes gebracht.

 

Schwere Tunnelschäden - Behinderungen im Zugverkehr

Längster Bahntunnel

Mit einer Länge von 10.779 Metern ist der zweigleisige Landrückentunnel der längste Eisenbahntunnel Deutschlands. Die Unterführung bei Mittelkalbach im Kreis Fulda wurde 1991 mit Beginn des ICE-Verkehrs eröffnet. Damals war das
300 Millionen Mark teure Bauwerk das teuerste Einzelobjekt der 327 Kilometer langen Neubaustrecke Hannover - Würzburg.
Einsatzkräfte versuchten, die entgleisten Waggons wieder auf die Schienen zu bringen. Die Tunnelröhre wurde bei dem Unfall schwer beschädigt. Sie ist vorläufig in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Solange die Arbeiten noch andauern, muss der Fernverkehr auf der ICE-Strecke von Hamburg über Kassel und Würzburg nach München umgeleitet werden. Die Fahrtzeiten verlängern sich dadurch um etwa 30 Minuten.

Die Aufräumarbeiten können nach Einschätzung der zuständigen Polizeidirektion in Koblenz noch Tage dauern. Der Halter der Schafe wurde bereits ermittelt, konnte aber noch nicht vernommen werden. Er stehe noch unter Schock, so ein Polizeisprecher. Der Schaden liegt nach ersten vorsichtigen Schätzungen im zweistelligen Millionenbereich.
 
Redaktion: uge / beboe
 
 

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