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20.06.2008

Marburg verabschiedet Satzung

Solaranlagen werden Pflicht

Die Marburger bekommen was aufs Dach: Als bundesweit erste Stadt hat die Stadt am Freitagabend eine Pflicht für Solaranlagen auf Dächern beschlossen. Auf Bauherren kommen einige Tausend Euro Zusatzkosten zu.

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Marburg vor der Solarpflicht 2:32 Min
(© hessenschau, 20.06.2008)

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Monatelang wurde heftig gestritten, am späten Freitagabend war es nach zweieinhalb Stunden hitziger Debatte schließlich soweit: Die Mehrheit der Abgeordneten in der Marburger Stadtverordnetenversammlung stimmte für die Bausatzung der Stadt. SPD (20 Sitze), Grüne (10) und Linke (5) votierten für die Solarpflicht, CDU, FDP und die Marburger Bürgerliste (insgesamt 24) lehnten den Entwurf wie erwartet ab.

Für den Marburger CDU-Vorsitzenden Roger Pfalz ist mit der Verabschiedung der Solarpflicht noch nicht das letzte Wort gesprochen. "Unserer Ansicht nach ist die heute von Rot-Grün verabschiedete solare Baupflicht juristisch nicht haltbar. Es ist der falsche Weg und das wird der Regierungspräsident sowohl als auch ein Gericht sicherlich feststellen", sagte Pfalz dem hr. Und tatsächlich hatte das Regierungspräsidium (RP) Gießen, die Aufsichtsbehörde, schon im Vorfeld der Entscheidung Bedenken gegen den Satzungsentwurf geäußert. Es gebe mehrere Punkte, die "nicht mit dem geltenden Recht vereinbar und daher rechtswidrig" seien und überarbeitet werden müssten, sagte RP-Sprecher Manfred Kersten.
 

Widerstand von Bürgerlichen

Marburg wird Solarstadt - Hintergründe und Stimmen von Bürgern 2:08 Min
(© Hessischer Rundfunk 2008, 21.06.2008)

Information

Die Solarpflicht in Marburg gilt für private und gewerbliche Neubauten sowie ältere Gebäude, die in größerem Umfang renoviert werden. Sie soll zum 1. Oktober dieses Jahres für das gesamte Gebiet der 78.000-Einwohner-Stadt in Kraft treten.
Marburgs Bürgermeister Franz Kahle (Grüne) will die Universitätsstadt zum deutschlandweiten Vorreiter bei alternativen Energien machen. Angesichts steigender Energiepreise "müssen wir dringend neue, preisstabile Energiequellen erschließen", erklärte er vor der Abstimmung im Stadtparlament im Gespräch mit hr-online. Die Sonnenenergie sollte nicht ungenutzt auf den Dächern verschwendet werden, so der Grünen-Politiker.

Widerstand gegen die Pläne der Stadt gibt es vor allem aus dem bürgerlichen Lager. "Diese Satzung greift massiv in die Eigentumsfreiheit ein", sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Philipp Stompfe, dessen Partei geschlossen gegen die Solarsatzung stimmte. Auch die Marburger Bürgerliste blieb bei ihrer negativen Haltung. Mit Überzeugungsarbeit und Förderungen könne mehr erreicht werden als mit einem Zwang, hatte der Vorsitzende der Bürgerliste, Hermann Uchtmann, vor der Abstimmung gegenüber hr-online erklärt.

Bedenken vor einer negativen Entscheidung durch das Regierungspräsidium Gießen hat Bürgermeister Kahle nicht. Wenn das RP die Satzung "einkassiere", sollten die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen eine Änderung der Hessischen Bauordnung herbeiführen, auf deren Grundlage die Solarsatzung formuliert ist.
 

6.000 Euro pro Haus

Voting

Sollten Hausbesitzer gezwungen werden, Solaranlagen auf ihren Dächern zu montieren?

Die Abstimmung ist beendet! Ergebnis ansehen.
Auf Bauherren kommen durch die Satzung künftig beträchtliche Euro Zusatzkosten zu. Der Besitzer eines Einfamilienhauses müsste mit 6.000 Euro für den Bau der Solaranlage rechnen. Wer sich sträubt, wird wohl bis 1.000 Euro Buße zahlen müssen. Die Regelung soll für alte Gebäude und für Neubauten gelten. Greifen soll die Satzung, wenn an Gebäuden die Dächer auf einer Fläche von mehr als 20 Prozent erneuert werden, Heizungsanlagen ausgetauscht werden oder angebaut wird. Ausnahmen gelten nur für Häuser mit Dächern, die sich ständig im Schatten befinden.
 

Streitgespräch

[image key="Img_34528384" ]Franz Kahle[/image]

Bürgermeister Franz Kahle

Bürgermeister Franz Kahle
"Jede Bauvorschrift setzt Grenzen"

Im hr-online-Gespräch verteidigt Bürgermeister Franz Kahle die Solarsatzung in Marburg. "Wir brauchen einen starken Schub für solare Anlagen, damit wir schneller von Öl und Gas unabhängiger werden", sagt der Grünen-Politiker. [mehr]
 

[image key="Img_34528430" ]Franz Kahle[/image]

Hermann Uchtmann

Hermann Uchtmann
"Das ist nicht akzeptabel"

Seit Monaten kämpft er gegen die Solarsatzung. Gegenüber über hr-online erklärt Hermann Uchtmann von der Marburger Bürgerliste, warum er die Satzung für sinnlos hält. [mehr]
 

 
Redaktion: jaschn

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Was halten Sie von der Marburger Solarsatzung?

D.Tesch am 20.06.2008 19:30
Das ganze erinnert an den Ablasshandel im Mittelalter. Anstelle der Kirche treten heute Politiker und Wissenschaftler, die ebenfalls Dinge behaupt... [+]
T.P. am 20.06.2008 16:40
Absoluter Unsinn im "Sonnenland" Deutschland so was zu beschließen. Außerdem kann man mit der Solarthermie lediglich im Somm... [+]
Michael am 20.06.2008 15:46
Nette Idee, aber was ist, wenn es sich nicht rechnet.
Ich hatte vor eine Solaranlage zu installieren, rechnet sich überhaupt nicht. M&u... [+]
Marcus Leinweber am 20.06.2008 15:42
Das etwas in diese Richtung passiert, ist längst überfällig. Gerade Deutschland als eines der reichsten Länder investiert noch ... [+]
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