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Hitlers Untergang

Die letzten Tage des Dritten Reichs im Kino

Filmszene aus "Der Untergang" (Constantin-Film).
Bruno Ganz als Adolf Hitler in einer Szene des Kinofilms "Der Untergang".
Selten hat ein Film im Vorfeld so viel Aufsehen erregt. Bernd Eichinger verfilmte die letzten Tage des Dritten Reichs. Im Mittelpunkt steht die Figur Hitlers, gespielt von Bruno Ganz. Das hr-fernsehen hat mit dem Autor der Buchvorlage, dem hessischen Historiker Joachim C. Fest gesprochen.
 

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"Die neuere Geschichte kennt nichts, was den Ereignissen des Frühjahrs 1945 vergleichbar wäre. Was damals erlebt und erlitten wurde, waren nicht nur die unvermeindlichen Schrecken einer Niederlage. Der Untergang Berlins ist historisch nur mit dem Ende Karthagos zu vergleichen."
Joachim Fest
Nach der Weltpremiere des Kinofilms "Der Untergang" reagierte das Publikum mit Applaus aber auch großer Betroffenheit. Der 150 Minuten lange Film zeigt das Endes des zweiten Weltkriegs aus der Perspektive von Adolf Hitler und seiner engsten Vertrauten.

Kontrovers diskutierter Film

Der deutsche Regisseur und Produzent Bernd Eichinger ("Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo") schrieb das Drehbuch zu "Der Untergang". Bereits vor seinem Kinostart am 16. September löste der Film Kontroversen darüber aus, ob man Hitler und seine Gefolgschaft in einem Spielfilm darstellen kann und soll. "Der Untergang" basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch des Historikers Joachim C. Fest und den Erinnerungen von Hitlers Sekretärin Traudl Junge.
 

Das Interview mit Historiker und Autor Joachim C. Fest

Joachim C. Fest
Joachim C. Fest

Portrait: Joachim C. Fest

Der am 8. Dezember 1926 geborene Historiker hat sich in vielen Büchern mit der Gestalt Adolf Hitlers und mit den Ursachen und Folgen der Naziherrschaft auseinander gesetzt. Das Buch "Der Untergang. Hitler und das Ende des Dritten Reiches", auf das sich der Kinofilm bezieht, erschien im Jahr 2002. Fest hat eine Reihe von Auszeichnungen erhalten. Unter anderem den Theodor-Wolff-Preis, die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt und den Ludwig-Börne-Preis.
Maintower: Selten wurde über einen Film im Vorfeld so viel berichtet. Was fasziniert eigentlich so an Hitler und am Dritten Reich ?

Joachim C. Fest: Von dem Rummel, den es vorher gegeben hat, kann man ja nicht auf einen Publikumserfolg schließen. Wir müssen erst sehen, was das Publikum denkt. Ich hoffe es fühlt sich davon beeindruckt. Es weiß nämlich zum großen Teil nichts über diesen hochdramatischen Augenblick der eigenen Geschichte. Man weiß etwas über den Untergang von Kathargo und Syrakus als Anführer von Babylon – seit Däniken auch noch von allen möglichen anderen Untergängen, aber von dem eigenen, sechzig Jahre zurückliegenden Untergang, wissen die Deutschen so gut wie nichts.

Maintower: In dem Film wird Hitler auch als Mensch dargestellt. Darf man das ?

Joachim C. Fest: Natürlich muss man Hitler so zeigen, wie er gewesen ist. Bruno Ganz schafft etwas ganz Ungewöhnliches. Und das ist wie ich finde die Voraussetzung: Er zeigt Hitler menschlich, denn Hitler ist ein Mensch gewesen - kein Monster und kein Dämon aus einer anderen Welt, der vom Mars hier auf die Erde gesprungen ist. Das ist die eine Seite. Und dennoch ist der Schrecken und das Verbrechen, das er angerichtet hat jederzeit präsent. Das ist eine große schauspielerische Leistung und ich kann nicht genug Hochachtung davor haben.

Maintower: Sie haben ja beim Film hinter den Kulissen mitgewirkt. Was war das für eine Erfahrung ?

Joachim C. Fest: Es gibt Historiker – ich habe mehrfach so etwas erlebt - die die Übersetzung von dem einen Medium, dem geschriebenen Buch, in das Medium Film nicht ertragen können. Da bin ich großzügiger. Der Spielfilm hat seine eigenen Prinzipien, seine eigenen Auffassungen und seine eigenen Gesetze. Und man muss - wenn man vom einen Medium ins Andere geht – sich gewisse Freiheiten erlauben. Diese Freiheiten müssen aber in einem engen Rahmen bleiben.

Maintower: Sie haben sich intensiv mit dem Phänomen Hitler beschäftigt. Kann sich die Geschichte wiederholen ?

Joachim C. Fest: Einen Hitler wird es nicht mehr geben. Der Teufel oder das Böse liebt es in verschiedenen Masken aufzutreten. Und wenn es wieder einen Bösewicht dieser Art geben sollte, dann wird er in einem ganz anderen Kostüm auftreten, und die Leute werden ihn nicht erkennen und sagen "Endlich mal jemand, der nicht ist wie Hitler." So werden Sie zunächst reagieren und ihm damit in die Falle laufen.
 

Bruno Ganz als Hitler

Die Besetzungsliste des Film "Der Untergang" liest sich wie das Who is Who der deutschen Schauspielszene. Hitler wird von dem 63-jährigen Schweizer Bruno Ganz gespielt. Er war neben Regisseur Hirschbiegel und Produzent Eichinger auch zur Premiere gekommen, genauso wie Corinna Harfouch und Ulrich Matthes (im Film das Ehepaar Goebbels), Juliane Köhler (Eva Braun) und Alexandra Maria Lara (Hitlers Sekretärin Traudl Junge).
 
Redaktion: fabd
Stand: 10.09.2004
 
 

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