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Strafvollzug

Britischer Konzern betreibt teilprivatisiertes Gefängnis

In der neuen JVA Hünfeld sollen auch private Angestellte arbeiten, nicht nur öffentlich Bedienstete (Archivbild).
In der neuen JVA Hünfeld sollen auch private Angestellte arbeiten, nicht nur öffentlich Bedienstete (Archivbild).
Justizminister Wagner hat entschieden: Der britische Konzern Serco wird Deutschlands erstes teilprivatisiertes Gefängnis in Hünfeld betreiben. 15 Prozent billiger als der Staat soll das Unternehmen wirtschaften.
 

In Wiesbaden wurde am Montag der Vertrag mit dem künftigen Betreiber Serco unterschrieben. Wie Wagner mitteilte, werden in dem neuen osthessischen Gefängnis 132 staatliche Bedienstete und 99 Mitarbeiter des privaten Betreibers tätig sein, 15 davon in Teilzeit. Anfang 2006 werde die Vollzugsanstalt mit 502 Haftplätzen in Betrieb gehen.
 

Wagner: Qualität gesichert

Noch ist es eine Baustelle - bald Deutschlands erstes teilprivatisiertes Gefängnis.
Noch ist es eine Baustelle - bald Deutschlands erstes teilprivatisiertes Gefängnis.
Nach Wagners Worten spart das Land durch die Teilprivatisierung monatlich rund 55.000 Euro Betriebskosten. Hessen setze aber keineswegs auf eine Billiglösung. Qualitative Abstriche werde es nach Aussage des Justizministers nicht geben. Durch eine detaillierte Beschreibung der zu erbringenden Leistungen sei gesichert, dass der private Anbieter mindestens den gegenwärtigen Standard im Strafvollzug erfülle.
 

Höhere Beschäftigungsquote

In einigen Bereichen erwartet der Minister Verbesserungen gegenüber dem Status quo: So soll die Beschäftigungsquote der Gefangenen weit über dem Durchschnitt anderer Haftanstalten liegen. Um dies besonders wirtschaftlich zu erreichen, wird erstmals ein Zwei-Schichten-Betrieb eingeführt.
 

Weitere Länder interessiert

Die Erschliessung ist bereits fertiggestellt.
Die Erschliessung ist bereits fertiggestellt.
Wagner zeigte sich überzeugt, dass mit der Entscheidung für Serco Zuverlässigkeit und ein hoher Qualitätsstandard gesichert würden und bezeichnete die Teilprivatisierung erneut als Meilenstein. Mit dem Innovationsprojekt nehme Hessen eine bundesweite Vortreiterrolle ein. Das rege Interesse anderer Bundesländer belege den Vorbildcharakter, sagte er. Der Betreibervertrag mit Serco ist zunächst auf fünf Jahre befristet.
 

Skepsis bei SPD und Grünen

Wer ist Serco ?

Die Firma Serco ist Spezialist für
Partnerschaften mit staatlichen Auftraggebern. So betreibt das
Unternehmen zusammen mit einem weiteren Partner die Schulen und Sporthallen der nordrhein-westfälischen Stadt Monheim. Nördlich von Magdeburg in der Letzlinger Heide betreut Serco ein Gefechtsübungszentrum der Bundeswehr. Jahrelange Erfahrung mit Gefängnissen hat der britische Mutterkonzern: Er managt dort fünf Haftanstalten; nach britischen Recht übernehmen die Privatangestellten dabei auch Aufgaben, die in Deutschland als "hoheitlich" gelten und Beamten vorbehalten sind. Der Serco-Konzern beschäftigt weltweit 35.000 Mitarbeiter, ist an der Londoner Börse notiert und erzielte 2003 einen Jahresumsatz von 2,3 Milliarden Euro. Bei der deutschen Tochter arbeiten knapp 1000 Menschen.
Die rechtspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Heike Hofmann, hat sich skeptisch zur heutigen Präsentation des privaten Betreibers geäußert. Zwar habe der Justizminister inzwischen anscheinend erkannt, dass die Aufgaben des allgemeinen Vollzugsdienstes nicht auf private Unternehmen übertragen werden könnten. Jedoch sei in Bezug auf die praktischen Abläufe in einer Justizvollzugsanstalt nach wie vor unklar, wie die Tätigkeiten des vom privaten Betreiber zu stellenden Hilfsdienstes von den hoheitlichen Aufgaben getrennt würden. In den zehn Stationen der vier Vollzugsabteilungen sollen die privaten Hilfkräfte die Vollzugsbeamten bei der Überwachung, Begleitung und Vorführung von Strafgefangenen unterstützen. Dies soll jedoch so geschehen, dass es nicht zu Überschneidungen mit den hoheitlichen Tätigkeiten komme.

Gefährdet Teilprivatisierung Sicherheit?

Auch Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag warnen den Justizminister vor dem Einsatz privater Vollzugshelfer im sicherheitsrelevanten Bereich der JVA Hünfeld. "Wagner will Kosten sparen bei höherem Personaleinsatz", sagte der rechtspolitische Sprecher der Fraktion, Andreas Jürgens. "Das geht nur mit Billigkräften. Wer wenig verdient und keinen sicheren Arbeitsplatz hat, ist aber wesentlich anfälliger für Einflussnahme von innerhalb und außerhalb der Anstalt, als dies bei Vollzugsbeamten der Fall ist", so der grüne Landtagsabgeordnete.
 

Diese Leistungen erbringt der private Betreiber:

- Wartung und Instandhaltung technischer Anlagen, Bauunterhaltung
- Reinigung innerhalb der Gebäude (ausgenommen Haftbereiche)
- Pflege der Außenanlagen
- Reinigung und Instandhaltung der Dienstfahrzeuge
- Betrieb der Anstaltsküche, Versorgung der Gefangenen mit Verpflegung
- Organisation des Gefangeneneinkaufs
- Organisation und Betrieb der Werkstätten
- Organisation und Durchführung der arbeitstherapeutischen Beschäftigung und Maßnahmen der schulischen und beruflichen Bildung
- Medizinische Versorgung der Gefangenen
- Sozialarbeiterische, psychologische und pädagogische Betreuung
- Beratungsleistungen für die Gefangenen (Drogen-, Ausländer-, Schuldnerberatung)
- Organisation und Durchführung von Freizeitveranstaltungen, Gefangenensport
- Verwaltungstätigkeiten
- Hilfsdienste für die Stationen und den Besuchsbereich
- Überwachung der Monitore der Video-Überwachungsanlage
 
Redaktion: end / cka
Stand: 08.11.2004
 
 

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