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Verfassungsschutz-Bericht

Islamisten im Fokus

Innenminister Volker Bouffier (l.) und der Direktor des Landesamtes für Verfassungsschutz, Alexander Eisvogel bei der Vorstellung des Berichts (Bild:  picture-alliance/dpa)
Innenminister Volker Bouffier (l.) und der Direktor des Landesamtes für Verfassungsschutz, Alexander Eisvogel bei der Vorstellung des Berichts
Vor allem Islamisten bedrohen nach Einschätzung des Verfassungsschutzes die demokratische Grundordnung. Innenminister Volker Bouffier fordert in diesem Zusammenhang Online-Zugriff auf die Computer potenzieller Täter.
 

Bei der Vorlage des Berichts der Verfassungsschützer für 2006 bezeichnete Bouffier am Donnerstag den militanten Islamismus als die nach wie vor größte Herausforderung. Die Zahl der Islamisten in Hessen schätzen die Behörden auf etwa 5.100, Bouffier will darauf reagieren: Im Landesamt für Verfassungsschutz sollen in Zukunft mehr Islam-Experten arbeiten. "Wir installieren eine neue Auswertungsabteilung", kündigte Bouffier an. Künftig werde jeder Fünfte der 200 hauptamtlichen Verfassungsschützer auf den Islamismus angesetzt. Als besonders gefährlich wird die Organisation Milli Görüs eingestuft.

Seit den gescheiterten Kofferbomben-Attentaten auf Regionalzüge 2006 sei klar, wie hoch die Anschlagsgefahr in Deutschland sei. Hessen sei mit Flughafen und Hochhaus-Skyline in Frankfurt ein besonders gefährdetes Gebiet.

NPD im Wandel

Leicht abnehmend ist nach Angaben von Verfassungsschutz-Chef Alexander Eisvogel die Zahl der Rechtsextremisten. Andererseits bereite der Mitgliederzuwachs der NPD durch Neonazis Sorge. Die NPD wandele ihr Image und verbreite nicht mehr alte Parolen, sondern trete als angeblicher Unterstützer von Bürgeranliegen auf. Gerade vor der Landtagswahl 2008 baue sie ihre Kommunalorganisationen aus. „Glücklicherweise rangieren wir bei rechtsextremistischen Straftaten am unteren Ende der Tabelle“, erläuterte Bouffier.

G8-Gipfel mobilisiert Linke

Das linksradikale Spektrum werde derzeit durch den bevorstehenden G8-Gipfel in Heiligendamm mobilisiert. Der Verfassungsschutz beobachtete zunehmende Gewaltbereitschaft. Wegen der Sicherheitsmaßnahmen rund um den Tagungsort an der Ostsee seien Verdrängungseffekte mit Straftaten von Linksradikalen auch in Hessen nicht auszuschließen.

Weiterhin aktiv sind den Erkenntnissen zufolge in Hessen auch ausländische Geheimdienste. Russen und Chinesen konzentrierten sich auf klassische Spionage in Politik und Wirtschaft, während Dienste aus Iran oder Syrien im Exil lebende Oppositionelle ausspähten.

Bouffier fordert Online-Überwachung

Innenminister Bouffier verwies vor diesem Hintergrund erneut darauf, dass Extremisten aller Schattierungen zunehmend das Internet nutzten. Er bekräftigte seine Forderung, Online-Zugriffe auf Rechner auf eine gesetzliche Grundlage zu stellen.
 

In Hessen sind nach Schätzungen des Landesamts für Verfassungsschutz etwa 14.200 Extremisten aktiv, davon (Auswahl):

Türkische Islamisten 3950
Arabische Islamisten 550
Sonstige Islamisten 600
Kurdische linksextremistische Ausländer 1200
Türkische linksextremistische Ausländer 350

Rechtsextremistisches Personenpotenzial 2950
NPD 400
DVU 800
Gewaltbereite/Skinheads 750
Neonazis 250
Sonstige 750

Linksextremistisches Personenpotenzial 2970
Marxisten, Leninisten, Trotzkisten u.a. 2430
Autonome 350
Anarchisten 40
 

Rechtsextremisten aggressiver

Die rechtsextremistische Szene in Nordhessen tritt nach den Erfahrungen des Mobilen Beratungsteams gegen Rassismus und Rechtsextremismus (MBT) in Kassel zunehmend aggressiv und offensiv auf. Vor allem auf dem Land prägten sich so genannte kameradschaftliche Strukturen immer weiter aus. Freizeitangebote der Rechten würden in ländlichen Gegenden eher angenommen, weil es immer weniger öffentlich geförderte Jugendeinrichtungen gebe. Das MBT wurde 2003 in Kassel gegründet und orientiert sich an den Mobilen Beratungsteams in den neuen Bundesländern. Die vier ehrenamtlichen Mitarbeiter informieren beispielsweise an Schulen darüber, wie sich junge Menschen gegen die rechte Szene zur Wehr setzen können.

 
Redaktion: end / TS
Bild: © picture-alliance/dpa
Stand: 24.05.2007
 
 

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