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31.10.2011

Oktober 2011: Ruhe am Himmel

Erste stille Nacht am Flughafen

Ab 23 Uhr herrschte Start- und Landeverbot. (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Ab 23 Uhr herrschte Start- und Landeverbot.
Das Rhein-Main-Gebiet hat die erste Nacht ohne Flugverkehr erlebt. Für die Grünen ist die stille Nacht der Beweis, dass ein Dauer-Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen möglich wäre.
 
Die letzte Maschine am Flughafen Frankfurt flog am Sonntagabend, den 30.11.2011 von Osten her ein und setzte um 23.02 Uhr auf der Landebahn auf. Danach herrschte genau sechs Stunden Ruhe in der Luft - ein Novum für das Rhein-Main-Gebiet. Nach Auskunft des Flughafens gab es auch keine Verspätungen oder Notfälle, die Flugbewegungen am Frankfurter Flughafen notwendig gemacht hätten.
 
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Auch die Lufthansa Cargo, die bislang die meisten Nachtflüge in Frankfurt durchgeführt hatte, meldete am keine Probleme. "Wir haben die Umstellung operativ gut hinbekommen", erklärte ein Unternehmens-Sprecher. Bei den Mitarbeitern sei aber die Sorge um die Arbeitsplätze groß, obwohl es sich ja zunächst um eine vorläufige Regelung handele.

Das vom Verwaltungsgerichtshof (VGH) angeordnete vorläufige Nachtflugverbot gilt, bis das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über die Zulässigkeit des Planfeststellungsbeschlusses zum Flughafenausbau entschieden hat, der 17 planmäßige Flüge in der Nacht vorsieht. Das Leipziger Gericht will nach derzeitigen Informationen im März 2012 über die Frage verhandeln.

Grüne: Sechs Stunden Nachtruhe zu wenig

Maschinen, die bis 23 Uhr nicht raus sind, müssen jetzt warten – mindestens bis fünf Uhr am nächsten Morgen. Das ist die Zeitspanne, für die der VGH Starts und Landungen an Deutschlands größtem Airport vorläufig verboten hat.

Die Grünen-Fraktion im Landtag teilte mit, die erste Nacht mit gültigem Nachtflugverbot sei der endgültige Beweis dafür, dass ein Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen möglich sei. Die Luftverkehrswirtschaft werde daran nicht untergehen, hieß es in einer Mitteilung. Die knapp sechs Stunden Ruhe in der Nacht seien jedoch zu wenig.

SPD: Angemessener Ausgleich für Bewohner

Der Frankfurter SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Grumbach bezeichnete das in Kraft getretene Nachtflugverbot als "Teil eines angemessenen Ausgleichs" dafür, dass die neue Landebahn mehr Fluglärm bringe. Nun könnten auch Menschen, die in der Nähe von Einflugschneisen leben, nachts wieder die Fenster öffnen.

Der SPD-Politiker verwies darauf, dass neben dem Nachtflugverbot aber noch weitere Bedingungen für den Ausbau des Flughafens zu erfüllen seien. Dazu gehöre unter anderem ein neuer Anti-Lärm-Pakt für das ganze Rhein-Main-Gebiet.

"Personaldecke optimiert"

Der Flughafenbetreiber Fraport hatte nach seinen Angaben Maßnahmen ergriffen, um einen reibungslosen Ablauf bei der Abfertigung zu ermöglichen. So sollten etwa die Kontrollstellen hinreichend besetzt sein, um keine Verzögerungen aufkommen zu lassen, erklärte ein Flughafensprecher gegenüber hr-online.
 
Bereits im Vorfeld habe man versucht, potenzielle Quellen für etwaige Störungen zu identifizieren, um gegenzusteuern. Die Personaldecke sei zwar nicht verstärkt, aber "optimiert" worden, sagte der Sprecher. Der erste Abend sei besonders spannend. Man gehe davon aus, dass sich die Prozeduren im Laufe der Zeit aber einspielten.

"Wir sind bisher in Time", sagte der Fraport-Sprecher. Sorge bereitet den Verantwortlichen des Flugverkehrs schon eher der kommende Winter. "Da sind Probleme vorprogrammiert."
 

Lufthansa bleibt vorerst gelassen

Die Lufthansa (LH) hat nach Worten ihres Sprechers Michael Lamberty in der internen Kommunikation noch einmal auf die spezielle neue Situation hingewiesen. Darüber hinaus gehende Maßnahmen seien nicht notwendig gewesen. "Pünktlichkeit ist für uns immer ein hohes Gut", so Lamberty. Die relevanten Flüge – etwa nach Buenos Aires oder Johannesburg – genössen als Langstreckenflüge ohnehin oberste Priorität.

Auch Lamberty treibt der bevorstehende Winter die eine oder andere Sorgenfalte auf die Stirn. "Dann könnte uns der Richterspruch richtig beuteln". Das Wirtschaftsministerium hat bereits Ausnahmemöglichkeiten vom Nachtflugverbot - etwa bei "extremen Wetterlagen" - angekündigt. Wie genau das in der Praxis aussehen wird, bleibt abzuwarten.
 

Ministerium: Ausnahmen möglich

Über die Einhaltung des Verbots wacht nach Worten von Wirtschaftsstaatssekretär Steffen Saebisch (FDP) die Luftaufsicht seines Ministeriums. Saebisch wies allerdings auch daraufhin, dass es in Einzelfällen Ausnahmen vom Nachtflugverbot geben könne. So dürfe etwa sehr lärmarmen Flugzeugen die Landung gestattet werden, wenn sie außerplanmäßig verspätet in Frankfurt ankämen.

Auch Starts seien bei Verspätungen, die nicht die Airline zu vertreten habe, zulässig, so Saebisch. Als Beispiele für mögliche Szenarien nannte der Staatssekretär Stromausfälle, Bombendrohungen oder extreme Wetterlagen. Es ist also nicht völlig auszuschließen, dass auch ab der kommenden Woche der eine oder andere Flugzeugmotor in der Nacht aufheult.

Verhandlungsbeginn im März 2012

Bislang gab es am Frankfurter Flughafen rund 40 Flugbewegungen pro Nacht. Ob daraus künftig 17 werden, darüber will das Bundesverwaltungsgericht voraussichtlich erstmals am 13. März 2012 mündlich verhandeln. Bis zur endgültigen Entscheidung der Leipziger Richter gilt laut VGH-Beschluss – zumindest im Regelfall – ein absolutes Nachtflugverbot.

Der Landtag wird sich erneut mit dem Thema beschäftigen. Auf Antrag der SPD kommen die Parlamentarier zu einer Sondersitzung zusammen. Die Sozialdemokraten hatten den Ausbau des Flughafens ebenso wie CDU und FDP befürwortet, diesen jedoch eng an ein totales Nachtflugverbot geknüpft. Grüne und Linkspartei waren gegen den Ausbau.
 
Redaktion: paab
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 10.01.2012, 23:20 Uhr
 
 

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