Der häufigste Grund für Ausnahmen vom Nachtflugverbot war bislang schlechtes Wetter in Frankfurt. Am Sonntagabend gab es ein anderes Motiv für das Überschreiten des 23-Uhr-Limits: Staus vor der Startbahn West.
Von Frank van Bebber, hr-online
Gewitter, Sturm oder in der Nacht zu Freitag der Ausfall von Radarsystemen: Begründete das hessische Verkehrsministerium zuletzt seine Ausnahmen vom Frankfurter Nachtflugverbot, berief es sich auf höhere Gewalt und unerwartete Pannen. In der Nacht zum Montag aber erklärte die Behörde Starts nach 23 Uhr mit einem Vorgang, der für Laien eher nach Betriebsalltag auf Deutschlands größtem Flughafen klingt. "Kapazitätsengpass aufgrund langer Rollzeiten", hieß es in der vom Umwelthaus obligatorisch verbreiteten Meldung.
Es habe eine Häufung von Abflügen in südlicher Richtung gegeben, "darum wurde alles über die Startbahn West abgewickelt", sagte ein Sprecher des Ministeriums hr-online. Die Folge sei ein Stau an der Startbahn gewesen. Nicht alle Maschinen schafften es vor 23 Uhr in die Luft. Es habe sich um eine Ausnahme gemäß den Vorschriften gehandelt, sagte der Sprecher. "Der Punkt ist: Es war nicht von der Airline zu verantworten."
Gewitter in Österreich - Verzögerungen in Frankfurt
Ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport bestätigte den Stau von in Richtung Süden abfliegenden Maschinen. Wegen eines Gewitters über Österreich hätten die Flüge zuvor nicht starten dürfen, sagte er. Später hätten sich dann die wegen des schlechten Wetters verspäteten und die planmäßigen Flüge geballt, so dass es zum Stau an der Startbahn gekommen sei.
Zwar handelte es sich nur um zwei Maschinen, die am Sonntag um 23.02 Uhr und 23.03 Uhr abhoben. Doch seit es im Mai über 200 Ausnahmen vom Nachtflugverbot gab, ist die 23-Uhr-Grenze in den Mittelpunkt des Fluglärmstreits gerückt. Die Fluglärmgegner werfen den Airlines vor, keine Verspätungspuffer einzuplanen. Lufthansa hat allerdings schon Flüge zeitlich vorgezogen.
Dabei ist festgelegt, dass Starts im Einzelfall bewilligt werden können, wenn der Grund für die Verspätung außerhalb des Einflussbereichs der Airline liegt. Schlechtes Wetter wurde dabei stets als Grund genannt. Allerdings hatte auch ein Ministeriumsvertreter bei einer Veranstaltung im Dezember 2011 vom Wetter in Frankfurt gesprochen, nicht anderswo.
Ministerium will bei seiner Linie bleiben
Fraport-Chef Stefan Schulte hatte Ende Juni mehr Toleranz im Minutenbereich nach 23 Uhr gefordert. Die bestehenden Regelungen ließen der Luftaufsicht genügend Ermessensspielraum, sagte er. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums betonte am Montag aber, die Behörde bleibe bei ihrer Linie. Sollte eine Verspätung von der Fluglinie zu verantworten sein, etwa wegen technischer Probleme oder dem Warten auf Fluggäste, werde man auch künftig nicht zögern, den Start einer abflugbereiten Maschine zu verweigern.