hr-Gerichtsreporterin Heike Borufka beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Hells Angels.
Wer bei den Hells Angels Mitglied werden will, muss sich richtig hocharbeiten, sagt hr-Gerichtsreporterin Heike Borufka. Mit hr-online spricht sie über die Eigenheiten der Rockerbande.
Heike Borufka: Die einzelnen Ortsgruppen der Rocker, genannt Charter, sind streng hierarchisch aufgebaut wie eine Pyramide. Oben sitzt der Präsident, dann kommt der Vize-Präsident, dann der Schatzmeister und so weiter. Die Hells Angels sind vergleichbar mit kleinen Wirtschaftsunternehmen.
Wie wird man denn dort Mitglied?
Wer Mitglied werden will, muss sich richtig hocharbeiten. Das geht nicht so einfach. Zunächst muss man sich erstmal viel in der Nähe der Hells Angels aufhalten. Möglicherweise bekommt der Interessent dann eines Tages das Angebot, Handlanger von ihnen zu werden ein so genannter Hangaround. Der muss dann zirka ein Jahr lang alles Mögliche machen, auch die Theke putzen.
Wenn das gut geklappt hat, kann der Handlanger Anwärter werden, in der Rockersprache Prospect. Laut des Aussteigers Ulrich Detrois muss der Prospect in dieser Phase schon kleine Straftaten begehen. Es werde getestet, ob er dazu in der Lage ist. Als Anwärter bekommt man seine eigene Kutte. Bewährt man sich auch in dieser Zeit, wird man Vollmitglied. Dazu gehört auch der so genannte Deadhead, der Totenkopf mit Flügeln, auf der Kutte. Unter den Rockern beginnt damit eine lebenslange Verbindung. 'Angels forever, forever Angels' ist so ein Leitspruch.
Innenminister Boris Rhein (CDU) hat die beiden Charter "Frankfurt" und "Westend" wegen Organisierter Kriminalität verboten. Den Hells Angels konkret etwas nachzuweisen, gestaltet sich allerdings oft als schwierig.
Die Mitglieder halten zusammen und sie schweigen. Sie reden nicht mit Ermittlern. Zudem machen sie sich kaum angreifbar. In den Bordellen der Hells Angels in Frankfurt arbeiten zum Beispiel nie Minderjährige. Bei Durchsuchungen werden auch keine illegalen Prostituierten gefunden, weil sie keine beschäftigen. Manche sehen dies als Beweis, dass die Hells Angels nicht so gefährlich sind. Die Behörden sehen das anders.
Der Verwaltungsgerichtshof verhandelt am Donnerstag über die Hells-Angels-Verbote in Frankfurt. Was würde eine Niederlage für die Hells Angels bedeuten?
Bleibt es bei dem Verbot, hätte das für den Verein weitreichende Konsequenzen. Zum einen müssten die Kutten im Schrank bleiben, die Mitglieder dürften weiterhin nicht offiziell als Hells Angels auftreten. Viel schwerwiegender ist jedoch, dass sie bei einem Verbot im Namen des Vereins keine Grundstücke mehr kaufen oder Firmen gründen dürfen. Den Hells Angels gehören ja diverse Immobilien.
Könnte die Entscheidung des VGH wegweisend sein?
Ja, sie hat deutschlandweit große Relevanz. Alle schauen auf Kassel, weil die Hells Angels schon seit Jahren ein großes Thema der Innenminister in der ganzen Bundesrepublik sind. Es gab auch schon eine ganze BKA-Tagung, die sich nur mit dem Thema Rocker beschäftigt hat. In den Bundesländern werden Vereinsverbote derzeit entweder angestrebt oder es bestehen schon welche - wie im Norden. Dort wird hart durchgegriffen.
Das Oberverwaltungsgericht in Schleswig hat zum Beispiel das Hells-Angels-Verbot in Flensburg für rechtmäßig erklärt. Eine Begründung: Es sei prägend für diesen Verein, dass er Straftaten beginge. Zuvor hatte es eine Schlägerei zwischen den Hells Angels und den konkurrierenden Bandidos auf der Autobahn gegeben.