Rund 100.000 Kraniche überfliegen Hessen in den nächsten Wochen auf ihrem Weg nach Süden. Die ersten typischen V-Formationen wurden bereits gesehen.
Hintergrund
Orientierung
Kraniche orientieren sich bei ihrem Zug nach den Sternen, der Landschaft mit Gebirgen und Flüssen und nach dem Magnetfeld der Erde. Vogelexperten vermuten, dass Mobilfunk-Sendeanlagen die Orientierung der Tiere stören können. Auch Windenergie-Anlagen irritierten die Vögel vor allem bei Nebel.
Die Vögel seien in diesem Jahr besonders früh unterwegs, sagte der Leiter der Frankfurter Vogelschutzwarte, Klaus Richarz, am Freitag. Grund sei vermutlich das gute Wetter. Der Hauptzug wird Ende Oktober/Anfang November erwartet.
Rastplätze in Mittelhessen
Kraniche fliegen in großen Verbänden jedes Jahr im Herbst von ihren Brutgebieten im Norden Europas zum Überwintern nach Südspanien und Südwestfrankreich. Bei günstigem Hochdruckwetter mit Rückenwind und guter Sicht können sie ohne Zwischenlandung in etwa zwei Tagen von Sammelplätzen an der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommerns bis nach Spanien fliegen. Dort verbringen sie den Winter. Oft legen die Kraniche unterwegs eine Pause ein. Rastplätze steuern sie unter anderem in Mittelhessen an.
Trompeten und Pfeifen
Die V-Formation spart Energie beim Fliegen. Im Windschatten des ersten Vogels könnten die nachfolgenden längere Gleitphasen einlegen, sagte Richarz. "Hinter dem Anführer schlagen die Herzen langsamer." An der Spitze wechseln sich erfahrene Vögel ab, danach folgen Familien mit durchschnittlich jeweils zwei Jungtieren. Während die erwachsenen Kraniche an ihrem typischen trompetenartigen Ruf zu erkennen sind, stoßen die Jungtiere hohe Pfeiftöne aus. Mit den Rufen verständigen sich die Tiere während des Fluges untereinander.
Störung durch Sky-Beamer
Bei Gegenwind oder Nebel kommt es gelegentlich zu Notlandungen, weil die Tiere die Orientierung verlieren. Die Formationen lösen sich dann auf, die Tiere fliegen niedrig und ziehen Kreise, um sich neu zu ordnen. Zusätzliche Probleme machen Disco-Strahler am nächtlichen Himmel. Seit Jahren gibt es eine Vereinbarung zwischen dem Gaststättenverband und dem Umweltministerium, wonach während des Vogelzuges die so genannten Sky-Beamer abgeschaltet werden. "Das klappt ganz gut", sagte Richarz.