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15.02.2009

DGB-Mitglied mit Schädelbruch

Neonazis überfallen Reisebus

Der Schock bei DGB und Linkspartei in Hessen sitzt noch immer tief: Neonazis haben am Samstagabend einige ihrer Mitglieder auf einer Raststätte bei Jena angegriffen. Eines der Opfer liegt mit einem Schädelbruch im Krankenhaus.

Neonazis überfallen DGB-Reisebus 1:35 Min
(© hr, 15.02.2009)
Augenzeuge: "Auf Opfer eingetreten" 2:35 Min
(© hr, Vera John, 15.02.2009)
Insgesamt wurden fünf Personen der Reisegruppe nach Polizeiangaben vom Sonntag verletzt. Ein Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis erlitt einen Schädelbruch, wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Sonntag in Kassel mitteilte. Der Mann soll am Montag in Jena operiert werden.

80 Friedensaktivisten, Mitglieder des DGB Nordhessen und der Linkspartei waren mit zwei Bussen auf dem Rückweg von einer Anti-Neonazi-Demonstration in Dresden, als sie am Samstagabend gegen 19 Uhr auf dem Rastplatz Teufelstal an der A4 zwischen Gera und Jena Halt machten. Während dieser Pause kam ein dritter Reisebus mit 41 Rechtsextremisten auf dem Parkplatz an. Diese stammten aus Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und aus Schweden.
 

Die Rechten pöbelten und beschimpften die Nordhessen. 15 bis 20 Nazis liefen auf den parkenden Bus zu und bewarfen ihn mit Flaschen und einem Eisblock, berichtete ein Augenzeuge. Der Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis habe sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen können. Die Rechtsextremen zogen ihn aus der Bustür heraus und traten und schlugen minutenlang auf ihn ein, so der Zeuge.

Die Polizei sei gegen 19.25 Uhr alarmiert worden. "Beim Eintreffen der Beamten an der Raststätte hatte der Bus diese bereits verlassen. Er konnte etwa 15 Kilometer weiter in Höhe von Jena gestoppt werden", sagte ein Polizeisprecher. Anschließend seien die Personalien aufgenommen worden. Der Staatsschutz übernahm Ermittlungen und Strafverfolgung.

Linkspartei fordert Konsequenzen

Die hessische Linkspartei verurteilte den Angriff scharf. "Die immer häufiger und brutaler werdenden Gewalttaten von Neonazis erschrecken mich. Alle Verantwortlichen fordere ich auf, endlich wirksam gegen die Neonazi-Szene vorzugehen", erklärte Parteichef Ulrich Wilken in einer Mitteilung. "Wer der zunehmenden rechten Gewalt tatenlos zusieht, macht sich indirekt mitverantwortlich."
 

Demonstration in Dresden mit viel Prominenz

In Dresden hatten am Samstag nach Angaben der Veranstalter rund 12.500 Menschen mit Sternmärschen und Kundgebungen gegen Rechtsextremismus demonstriert - unter ihnen Prominente wie SPD-Chef Franz Müntefering, Grünen-Chefin Claudia Roth und der Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi.

Sie erinnerten auch an die Zerstörung der Stadt bei Angriffen britischer und amerikanischer Bomben am 13. und 14. Februar 1945. Der Protest wandte sich gegen einen Aufmarsch von etwa 6.000 Neonazis aus dem ganzen Bundesgebiet und dem Ausland. Die Rechtsextremisten instrumentalisieren seit langem den Jahrestag der Bombardierung Dresdens Ende des Zweiten Weltkrieges.
 
Redaktion: kim / cawo
 
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