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7.04.2009

Zehnjähriges Amtsjubiläum

"Den wahren Koch kennt keiner"

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Koch auf Wahlplakat 1999 (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Koch auf Wahlplakat 1999
Roland Koch feiert zehntes Amtsjubiläum. Christoph Schmidt-Lunau, hr-Korrespondent in Wiesbaden, war bei vielen seiner Schritte dabei und erinnert sich an Polemik, Netzwerke und ordentliche Gänsebrühe.
 

Vom Underdog zum Parteipromi

hr-online.de: Herr Schmidt-Lunau, können Sie sich noch an Ihre erste ausführlichere Begegnung mit Roland Koch erinnern?

Christoph Schmidt-Lunau: Sehr genau: Das war ein später Abend, wir sind durch den Odenwald gefahren. Roland Koch war damals Oppositionsführer und zog an der Basis von Ort zu Ort. Da bin ich mit ihm viel im Gespräch gewesen und habe auch zum ersten Mal seine Selbstironie erlebt, die man von außen nicht so sieht. Koch musste dann nämlich zum Wahlkampf nach Sachsen. Solche Wahlkampfhilfe für andere Landesverbände wird vom Bundesvorstand eingeteilt. Und er meinte, "da steh ich an irgendeinem Tisch der CDU, bin wer weiß wo, und die Hälfte der Zeit damit beschäftigt, mich vorzustellen, weil keiner mich kennt - das ist halt so." Er wusste also sehr genau, wo er steht und fand sich nicht so wichtig, dass nun alle Leute ihn kennen mussten.

hr-online.de: Diese Unbekanntheit war auch im Wahlkampf 1999 ein Problem. Hans Eichel war eine bekannte Figur, aber Roland Koch lange Zeit der Underdog, vor allem in den Umfragen, oder?

Schmidt-Lunau: So war es. Er war ja ein sehr junger Ministerpräsidenten-Kandidat, der nicht ohne Murren aus dem konservativen Flügel seiner Partei an die Spitze gewählt wurde. Das war sicher nicht ganz einfach für ihn. Hans Eichel war ein beliebter Ministerpräsident, hatte hervorragende Werte. Der Wahlkampf schien aussichtslos.

Dann kam der Doppelpass, die Vorlage des Bundesinnenministers Otto Schily, dass Migranten zwei Pässe bekommen können. Das Ganze war stümperhaft eingefädelt und ist als Gesetzentwurf auch nie so durchgegangen. Insofern konnte man dieses Vorhaben sehr gut auf die Hörner nehmen, was dann mit einer aggressiven Unterschriftenaktion von Roland Koch zum zentralen Wahlkampfthema geworden ist. Ich habe auch Bürger erlebt, die an den Ständen gefragt haben, wo sie gegen "die Ausländer" unterschreiben können. Kirchen und der Wunschpartner FDP waren empört.

Roland Koch aber wurde binnen weniger Wochen sehr bekannt. Außerdem war die neue rot-grüne Bundesregierung stolpernd gestartet – und so konnte Koch diese Wahl gewinnen, weil er zugespitzt und sich mit diesem Thema bekannt gemacht hat.
 
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Redaktion: je / aba
Bild: © picture-alliance/dpa
 
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