Bundespolizisten patrouillieren im Frankfurter Hauptbahnhof.
Wegen neuer islamistischer Terrordrohungen sind auch am Frankfurter Hauptbahnhof und Flughafen die Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden. Polizisten mit Maschinenpistolen halten nach verdächtigen Personen Ausschau.
Seit Freitag müssen sich Reisende in der Main-Metropole an ein neues Bild gewöhnen: Bundespolizisten mit schweren Schutzwesten und Maschinenpoistolen schreiten in den Hallen des Frankfurter Flughafens und an den Gleisen des Frankfurter Hauptbahnhofs umher. "Es geht um die Präsenz, wir wollen den Reisenden Sicherheit geben", rechtfertigt eine Sprecherin des Bundespolizeipräsidiums die verschärften Sicherheitsmaßnahmen.
Drohvideo im Anzug
Nach Angaben der Bundespolizei hätten die Drohungen von El-Kaida und anderen islamistischen Organisationen gegen Deutschland "eine neue Qualität" erreicht. Für Beunruhigung sorgt ein am Freitag im Internet aufgetauchtes Drohvideo des mutmaßlichen El-Kaida-Terroristen Bekkay Harrach. Nicht vermummt, sondern ungewöhnlich gekleidet in schwarzem Anzug und hellblauer Krawatte fordert der Deutsche marokkanischer Herkunft den sofortigen Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan. Andernfalls werde Deutschland nach der Bundestagswahl ein "böses Erwachen" erleben, formulierte er.
Der Islamist nannte gar einen möglichen Zeitraum für Anschläge in Deutschland. Er riet den in Deutschland lebenden Muslimen, sich zwei Wochen nach der Wahl aus der Öffentlichkeit fernzuhalten.
Angst vor "Schläfern"
An den Gleisen überwacht ein Bundespolizist mit Maschinenpistole die Ankommenden.
Sicherheitsexperten und Politiker erklärten, man müsse die Drohungen auf jeden Fall ernst nehmen. Die Sicherheitsbehörden befürchten vor allem Anschläge von "Terror-Schläfern" - unauffällig im Bundesgebiet lebenden islamistischen Kämpfern, die jederzeit "aktiviert" werden können. Bayerns Inenminister Joachim Herrmann sieht freilich keinen Grund, in Panik zu verfallen. Es gebe bislang keine konkreten Drohungen gegen bestimmte Ziele.
Die deutschen Sicherheitsbehörden wollen mit den verstärkten Kontrollen der Bundespolizei und anderen Sicherheitsvorkehrungen eine ähnliche Entwicklung wie seinerzeit in Spanien verhindern. In Madrid hatten Islamisten vor fünf Jahren kurz vor der Parlamentswahl verheerende Anschläge auf vier Pendlerzüge verübt und 191 Menschen getötet. Sie wollten damit den Abzug der spanischen Truppen aus dem Irak erzwingen. "Wir haben alle Madrid im Hinterkopf", gestand vor kurzem der Berliner Innenstaatssekretär August Hanning.