Die Hausaufgaben zu Hause vergessen? Diese Ausrede zieht an der Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda ab heute nicht mehr. Achtklässler nutzen dort künftig iPads im Unterricht.
Ob im Unterricht oder zu Hause ohne Tablet-PC läuft bei den Schülern der Klasse 8c an der Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda bald nichts mehr. 27 Schüler gehören der ersten iPad-Klasse an der Schule an, die am Donnerstag im Rahmen des Modellkonzepts "Mobiles Lernen" eingerichtet wird. Sie alle sind mit iPads der ersten Generation ausgestattet und können die Tablet-Computer dank WLAN-Hotspots fast in allen Klassenzimmern einsetzen.
"Der Einsatz von iPads entspricht der Erfahrungswelt der Schüler", sagte der Projektleiter der iPad-Klasse, Dieter Umlauf, hr-online. Sie würden aus dem Klassenzimmer heraus befähigt, mit Medien umzugehen - etwa für Recherchen, Präsentationen, dem Abspeichern der Hausaufgaben oder zum schnellen Datenaustausch. Der Tablet-PC soll aber nur eine Ergänzung im Unterricht sein, betonte Umlauf: "Es ist kein Allheilmittel."
Sozialfonds zur Finanzierung
Die Tablets gehören den Schülern, ihre Eltern haben sie bezahlt. "In der iPad-Klasse sind aber nicht nur Reichen-Kinder", so Umlauf. Eltern, denen das Tablet zu teuer war, mussten nur ein Drittel der Kosten übernehmen. Das restliche Geld stamme aus einem Sozialfonds, der extra dafür eingerichtet worden sei, so Umlauf. Dieser bestücke sich aus Elternspenden, dazu kämen Gelder eines Fördervereins.
Im freien Handel kostet ein iPad ab zirka 480 Euro, für ein Tablet mit besserer Ausstattung muss man bis zu 800 Euro investieren. Der Andrang auf einen Platz in der iPad-Klasse war entsprechend groß. Rund 100 Schüler wollten teilnehmen, aber nur weniger als ein Drittel konnte aufgenommen werden. Die Auswahlkriterien: Engagement, soziale Kompetenz und Leistung. "Es dürfen Schüler mitmachen, die sich zum Beispiel an der Nachmittagsbetreuung beteiligen", sagte der Oberstudienrat.
Projektleiter: "Vertrauen statt Kontrolle"
Damit die Teenager nicht mit dem Tablet allein gelassen werden, begleitet ein Medienpädagoge das Projekt. In Workshops soll er den Schülern zeigen, wie die Programme funktionieren und welche Apps sinnvoll sind. Zudem soll er auf Gefahren und Fallstricke hinweisen.
Von den Thesen des Psychiaters Manfred Spitzer, der vor einer "Verblödung durch Computer" warnt, hält Umlauf wenig. "Herr Spitzer ist ein Computerphobiker", so Umlauf über den Autor des Buches "Digitale Demenz". Seine Thesen seien überspitzt, Spitzer selbst mit der modernen Technik offenbar überfordert. Zudem seien die Behauptungen empirisch nicht haltbar.
Projekt soll ausgeweitet werden
Anstatt auf Computer zu verzichten, sollen die Schüler nach Ansicht von Umlauf lernen, Medien dosiert einzusetzen - das iPad diene als Mittel zum Zweck. Gewisse Anwendungen, wie Chats, seien zwar abgeschaltet. Die Devise der Schule laute aber dennoch: "Vertrauen statt Kontrolle."
Um herauszufinden, wo Tablet-PCs am sinnvollsten eingesetzt werden können, will die Schule das Projekt ein Jahr lang dokumentieren. Danach soll es ausgeweitet werden. Schüler, die jünger als 13 oder 14 sind, dürfen allerdings nicht daran teilnehmen. "Für Fünftklässler ist das noch zu früh, ihnen müssen erst einmal die klassischen Fähigkeiten vermittelt werden." Denn auch wenn iPads die Freiherr-vom-Stein-Schule erobern, Schulhefte und Bücher werden deshalb noch lange nicht abgeschafft.