Mit der Äußerung über die asiatische Herkunft des Vize-Kanzlers hat FDP-Landeschef Jörg-Uwe Hahn ohne Not etwas zum Problem erklärt, was für die Gesellschaft keines ist. Ein Kommentar von Christoph Scheffer.
Ein Kommentar von Christoph Scheffer, hr-Landtagskorrespondent
Eines vorweg: Jörg-Uwe Hahn ist kein Rassist. Als Integrationsminister hat Hahn in Hessen gegen den Widerstand der CDU vieles durchgesetzt: ein klares Bekenntnis zur Einwanderung, den Schulbesuch für Kinder von illegalen Zuwanderern, den islamischen Religionsunterricht. Wenn Hahn nun sagt, er habe vor einem unterschwelligen Rassismus in der Gesellschaft warnen wollen, unter dem auch FDP-Chef Rösler zu leiden habe, dann glaube ich ihm das.
Dies aber hätte Hahn klipp und klar und unmissverständlich formulieren müssen. Ein Zeitungsinterview, das noch einmal gegengelesen und frei gegeben wird, bietet dazu nun wirklich die Gelegenheit. So aber erscheint Hessens FDP-Chef wieder einmal als unberechenbarer Polterer, der mit kruden Argumenten und unbedachten Sprüchen gegen die eigene Parteispitze schießt. Die hat jetzt ohne Not eine neue Rösler-Debatte an der Backe und wird sich bei Hahn entsprechend bedanken.
Was hat Hahn geritten?
Aus meiner Sicht noch schlimmer ist jedoch, dass Hahn selbst die asiatische Herkunft Röslers überhaupt erst zum Thema gemacht hat. Die nämlich war der breiten Öffentlichkeit bisher völlig gleichgültig so wie die Homosexualität von Außenminister Westerwelle oder die Tatsache, dass Bundespräsident Gauck in wilder Ehe lebt. Hahn hat in vermeintlich aufklärerischer Absicht - zum Problem erklärt, was für die Gesellschaft schon längst keines mehr ist.
Nur einer scheint wirklich ein Problem mit den asiatischen Wurzeln Röslers zu haben: Rainer Brüderle. Der nämlich hatte Rösler mit einem schwankenden Bambusrohr und sich selbst mit einer standfesten deutschen Eiche verglichen. Ein öffentlicher Widerspruch Hahns gegen Brüderles Gleichnis ist nicht bekannt. Hier aber wäre die Mahnung am Platz gewesen.