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10.08.2013

Bundestagskandidatur zurückgezogen

Pädophilie-Aufsatz holt FDP-Politikerin ein

Kandidatur zurückgezogen: die FDP-Politikerin Dagmar Döring (Bild:  picture-alliance/dpa)
Kandidatur zurückgezogen: die FDP-Politikerin Dagmar Döring
Irrungen, Wirrungen: Ein mehr als 30 Jahre alter Artikel, in dem sie Sex zwischen Erwachsenen und Kindern befürwortet hatte, wird der Wiesbadener FDP-Politikern Dagmar Döring zum Verhängnis. Sie zog ihre Bundestagskandidatur am Samstag zurück.
 
"Als verheiratete Frau und Mutter von drei Kindern sind mir meine damaligen unreifen Gedanken heute unvorstellbar peinlich - vor allem vor meiner Familie und vor meinen heutigen Weggefährten." Mit diesen Worten beschrieb die FDP-Politikerin Dagmar Döring am Samstag in einer von ihrer Partei veröffentlichten Erklärung, was sie über ihren im Jahr 1980 für das Buch "Pädophilie heute" verfassten Artikel inzwischen denkt. "Um Schaden von meiner Familie und der FDP abzuwenden", habe sie dem Wiesbadener Kreisvorsitzenden ihrer Partei, Hessens Wirtschaftsminister Florian Rentsch, mitgeteilt: Sie ziehe ihre Bundestagskandidatur für den Wahlkreis 179 zurück.

Der Göttinger Politologe und Parteienforscher Prof. Franz Walter und sein "Institut für Demokratieforschung" waren im Zuge der Aufarbeitung von Pädophilie-Vorwürfen gegen die Partei Bündnis 90/Die Grünen auf den Artikel gestoßen. Darin hatte die heutige Landesvorsitzende der Liberalen Frauen Hessens nach eigenen Angaben "die damalige Forderung einiger Gruppen der sogenannten Pädophilie-Bewegung nach Legalisierung vermeintlich einvernehmlicher sexueller Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern" unterstützt.
 

"Irrungen und Wirrungen"

Der zweiseitige Aufsatz sei in Form eines Erfahrungsberichts geschrieben. "Meine Sichtweisen und politischen Aktivitäten in entsprechenden Organisationen sind aus heutiger Sicht völlig inakzeptabel und ein großer Fehler gewesen", erklärte Döring am Samstag.

Nach eigenen Angaben kann die 53-Jährige ihre Einstellungen von einst heute selbst nicht mehr fassen. "Die damalige Entwicklung, die zu diesen Irrungen und Wirrungen führte, ist mir heute, mehr als 30 Jahre später, gar nicht mehr im Einzelnen nachvollziehbar.“ Sie habe dies auch vollständig verdrängt. Döring betonte aber, dass sie sich nichts habe zuschulden kommen lassen.

Döring war nach eigenen Angaben parteipolitisch damals noch nicht aktiv. Sie war zuletzt unter anderem Mitglied im Verband kinderreicher Familien in Deutschland. Zur FDP-Direktkandidatin für den Bundestags-Wahlkreis 179 war Döring von 84 Prozent der Delegierten gekürt worden.
 

FDP: Auch andere in der Verantwortung

Der FDP-Landesvorsitzende Jörg-Uwe Hahn und FDP-Kreisvorsitzender Rentsch bekundeten ihrer Parteikollegin Respekt für die Entscheidung. Mit ihrem Rückzug übernehme sie Verantwortung. "Solche Sachverhalte zeigen, dass junge Menschen leicht zu manipulieren sind. Deshalb sind Strafgesetze zum Schutz von Kindern und Jugendlichen gegenüber Erwachsenen unverzichtbar“, sagte Hahn. Rentsch forderte, auch andere müssten nun Verantwortung übernehmen, "auch wenn Geschehnisse lange zurück liegen mögen".

Auslöser der Untersuchung des Politologen Walter waren Medienberichte über die "Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule, Päderasten und Transsexuelle", die es in der Anfangsphase bei den Grünen gab. Die Gruppe, deren Mitglieder sich "Stadtindianer" nannten, soll in der Gründungsphase der Grünen in den 80er Jahren sehr viel mehr Einfluss in der Partei gehabt haben, als lange Zeit bekannt war.

Pädophilie als Wahlkampfthema

Wegen der Beschreibung intimer Kontakte mit Kindern in einem teils fiktionalen Buch geriet vor allem der prominente Frankfurter Grüne Daniel Cohn-Bendit in die Kritik. Der Gescholtene bedauerte die Passagen als "unerträgliche Provokation", bestritt aber jeglichen sexuellen Missbrauch. Als "Analyse der pädophilen Vergangenheit der Grünen" veröffentlichte die hessische CDU-Landtagsfraktion Mitte Juli im Wahlkampf eine 44-seitige Broschüre.
 
Redaktion: wotu
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 11.08.2013, 10:32 Uhr
 
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