Wenige Stunden vor dem Fußball-Europameisterschaftsspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden im ostukrainischen Charkow sind die Justizminister von Bund und Ländern am Mittwoch in Wiesbaden zum Auftakt ihrer Frühjahrstagung mit der Tochter der ukrainischen Oppositionsführerin und Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko zusammengetroffen.
Faire Gerichtsverfahren gefordert
Die Freude am Fußball und das Eintreten für Menschenrechte seien keine Gegenpole, sagte Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP). Hahn, der in diesem Jahr Vorsitzender der Justizministerkonferenz ist, hatte die Timoschenko-Tochter Jewgenija nach Wiesbaden eingeladen.
Hahn sagte, die Haft von Julia Timoschenko stehe symbolisch für eine Vielzahl ähnlicher Fälle. Er versicherte, die Justizminister wollten sich für faire Gerichtsverfahren und menschenwürdige Haftbedingungen europaweit einsetzen. Julia Timoschenko wurde im Oktober in einem international umstrittenen Gerichtsverfahren wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Aufruf zu Solidarität: "Stoppt das Regime"
Vor Journalisten zeichnete sie im Anschluss an die nicht-öffentliche Unterredung ein düsteres Bild von der Lage ihrer seit August in Charkow inhaftierten Mutter, die schwer erkrankt sei. Ausdrücklich dankte sie für die Unterstützung von deutscher Seite und sagte: "Wir appellieren an die demokratische Welt, alles zu unternehmen, das Regime zu stoppen." Nicht nur ihre Mutter, sondern viele politische Gefangene seien in der Ukraine "jeden Tag in Gefahr, und wir wissen nicht, wie lange sie noch überleben". Jedes Zeichen der Solidarität helfe.
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