Ab 2013 sollen auch Gymnasien wieder G9 anbieten können.
Der alte Streit über die verkürzte Gymnasialzeit ist neu entflammt. Im Landtag war die Rede von Hick-Hack, Murks und steinzeitlichen Forderungen. Neue Details gab es von der Kultusministerin.
Erstmals konkretisierte Kultusministerin Nicola Beer (FDP) am Donnerstag ihre Pläne. Zu G9 wolle man nicht zurück, vielmehr sei die verlängerte Schulzeit eine Frage des jeweiligen Schulkonzepts. Beer sagte den Gymnasien Wahlfreiheit zu, wenn diese im Zusammenhang mit dem Profil der Schule stehe. So wie Schulen einen naturwissenschaftlichen oder sprachlichen Schwerpunkt haben könnten, so sei für andere ein G9-Angebot vorstellbar. Für die Sommerferien kündigte Beer Gespräche mit allen Beteiligten an. Ende September will sie ein Ergebnis vorlegen.
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Eröffnet wurde die Landtagsdebatte von der SPD-Abgeordneten Heike Habermann. Sie warf der Regierung vor, sie verstricke sich in schulpolitischem Hick-Hack. Die Bildungsexpertin meldete Zweifel an der von der schwarz-gelben Landesregierung angekündigten Wahlfreiheit der Gymnasien zwischen G8 und G9 an. "Wer soll eine Kultusministerin ernst nehmen, die einen knappen Monat nach ihrer Ernennung auf Druck der CDU ihre bildungspolitischen Positionen sang- und klanglos räumt?", fragte Habermann in Richtung Nicola Beer (FDP). G8 mit der verkürzten Mittelstufe bleibe Murks, so Habermann.
Ins gleiche Horn stieß Grünen-Bildungsexperte Mathias Wagner. Den Schulen sei von der Landesregierung Ruhe und Verlässlichkeit versprochen worden. Stattdessen aber hätten sie "die vierte Kultusministerin in vier Jahren bekommen und ein heilloses Chaos in der Frage der gymnasialen Schulzeitverkürzung". Das sei ein Stück aus dem Tollhaus, wetterte Wagner.
CDU: Hessen in Sachen Elternfreiheit führend
CDU-Bildungsexperte Hans-Jürgen Irmer sprach dagegen von einer "couragierten Entscheidung". In Sachen Elternrechte und schulischer Wahlfreiheit nehme die Landesregierung "einmal mehr eine bundesweite Führungsrolle" ein. Das von der SPD geforderte Modell einer sechsjährigen Mittelstufe und einer flexibleren Oberstufe lehnte Irmer dagegen kategorisch ab: Dies seien "steinzeitliche Forderungen nach Auflösung der Gymnasien und der Errichtung sozialistischer Einheitsschulen".
Mario Döweling, der schulpolitische Sprecher der FDP, warf der Opposition "Verwirrungsversuche beim Thema G8" vor. Es sei gut, wenn Gymnasien künftig selbst über G8 oder G9 entscheiden könnten. "Damit stärkt die FDP die Wahlfreiheit der Eltern in Hessen."
Die Position der Linkspartei lautete knapp: "G8 gehört abgeschafft." Die verkürzte Gymnasialzeit lasse den Kindern keine Freizeit. "Profiteur ist vor allem der kommerzielle Nachhilfesektor", kritisierte Linken-Abgeordnete Barbara Cárdenas. "Doch Nachhilfe ist teuer und wer sie sich nicht leisten kann, bleibt außen vor."