Dürfen Mountainbiker bald nur noch auf breiten Wegen fahren?
Im Streit um das geplante neue Waldgesetz sind zehn Verbände Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) zur Seite gesprungen. Sie fordern mehr Rücksichtnahme in Wäldern. Die Mountainbiker fürchten um die Freiheit ihres Sports.
Der Naturschutzreferent der Umweltorganisation BUND, Thomas Norgall, formulierte es deutlich: "Wir wollen nicht überall freie Fahrt für Mountainbiker", sagte er. Der BUND ist einer der Unterzeichner einer am Freitag veröffentlichten Resolution, die mehr Rücksicht in Waldgebieten fordert. In dem Schreiben an das hessische Umweltministerium, das unter anderem von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, dem Wanderverband, dem Waldbesitzer- und Jagdverband, dem Fischereiverband und der IG Bauen, Agrar und Umwelt unterstützt wird, heißt es: "Auch künftig muss der Wald ein überwiegend ruhiger, störungsarmer Ort bleiben."
Wo darf man Radfahren?
Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) dürfte es gefreut haben, nachdem ihr Gesetzentwurf nicht nur bei Mountainbikern und Opposition, sondern selbst beim Koalitionspartner FDP Verstörung ausgelöst hatte. Dabei geht es vornehmlich um die Frage, wo Radfahren im Wald künftig erlaubt sein soll.
Dem Text des Gesetzentwurfs zufolge soll dies nämlich nur noch auf festen Wegen, die auch von zweispurigen Fahrzeugen befahren werden können, möglich sein. Damit aber wären alle schmalen Waldwege für Radfahrer in Zukunft tabu. Ein Umstand, der im Internet unter Mountainbikern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst und unter Politikern für heftige Diskussionen gesorgt hat.
Streit um Sinn der neuen Regelung
SPD und Grüne kritisierten den Gesetzentwurf, Puttrichs Koalitionspartner FDP zeigte sich gespalten. Und selbst der Naturschutzverband NABU war verständnislos: "Mit dem Schutz der Natur haben solche Pläne wenig zu tun, sie fördern eher die Naturentfremdung der Menschen", kritisierte der Landesvorsitzende Gerhard Eppler.
Puttrich dagegen sieht in ihrem Entwurf sogar eine Verbesserung für die Mountainbiker, da nun genau festgelegt werde, was ein befestigter Weg sei und für die Biker spezielle Strecken ausgewiesen werden könnten. Die Deutsche Initiative Mountainbike (DIBM) will sich neuen Lösungen nicht verschließen, weist aber auf schlechte Erfahrungen hin. So seien bei der Ausweisung einer Strecke im Odenwald die Vorschläge der Mountainbiker nicht berücksichtigt worden.
Interessensausgleich angestrebt
Am Text des neuen Gesetzes muss wohl noch gefeilt werden. Letztlich wollen alle erklärtermaßen den Wald als Ort für Naturschutz, Sport und Erholungssuchende erhalten. Ein Ministeriumssprecher verwies auf die Anhörung aller Interessensgruppen, die noch bis zum 22. August Gelegenheit zur Stellungnahme hätten. Ihre Positionen würden bei der Endfassung des Gesetzestextes berücksichtigt.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Peter Stephan sprach gar von einer nicht gerechtfertigten Hysterie. Derzeit befinde man sich ja noch in einem Stadium der Vorabstimmung. "Die Verständlichkeit der Regelungen im Detail werden wir uns nach Eintritt in das Gesetzgebungsverfahren im Landtag sicherlich noch einmal genau anschauen."