Die Sozialfahnder Helena Fürst und Helge Hofmeister bei der Arbeit.
Einen dreisten Fall von Sozialbetrug haben Fahnder in Offenbach aufgedeckt. Eine Familie soll jahrelang Sozialleistungen kassiert haben, obwohl sie drei Reinigungen betreibt und im Luxus lebt. Wie der Fall ans Licht kam, sorgt jedoch für Kritik.
Der mutmaßliche Betrug wird im Rahmen einer neuen Reality-Show in Sat1 aufgerollt. Ein Kamerateam des Privatsenders hat die Sozialfahnder Helena Fürst und Helge Hofmeister, die für den Kreis Offenbach ermitteln, bei ihrer Arbeit begleitet. In dem vorliegenden Fall sollen sämtliche Familienmitglieder offiziell arbeitslos gemeldet sein und Hartz-IV-Leistungen beziehen. Dabei gehe es der Familie wirtschaftlich wunderbar, da ein Sohn drei florierende Reinigungen betreibe und dort auch alle Familienmitglieder kräftig mit anpacken. Die "Bild"-Zeitung berichtet von einem Luxus-Auto und einer Villa in der Türkei, die sich die Familie leisten kann. Strafanzeige wegen des Verdachts des Betrugs und der Leistungserschleichung sei nach Angaben der Kreisverwaltung Offenbach gestellt.
Die 34-jährige Ermittlerin Helena Fürst ist seit drei Jahren Sozialbetrügern auf der Spur. Sie deckte bereits den Fall auf, der unter dem Spitznamen "Mallorca-Karin" für Schlagzeilen sorgte.
Kritik an Reality-Serie
Auch wenn die öffentlichen Kassen nach Angaben von Helena Fürst allein im Kreis Offenbach im vergangenen Jahr rund 750.000 Euro eingespart haben, hagelt es am neuen TV-Format massive Kritik. Für die Vorsitzende des Arbeitslosenverbandes Deutschland, Marion Drögsler, zeigt die Sendung ein schiefes Bild der Wirklichkeit. Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen sei ehrlich, betonte sie. Nun würden Einzelfälle in die Öffentlichkeit gezerrt und das Negative bleibe hängen.
Der Förderverein gewerkschaftlicher Arbeitslosenarbeit kritisiert die Serie ebenfalls. "Da soll Stimmung gegen Arbeitslose gemacht werden", sagte die Referentin Angelika Klahr. Die Zahl der Betrugsfälle kann nach ihrer Einschätzung nur sehr gering sein. Denn schon bei der Antragsstellung würden die Angaben überprüft.
Eine Sprecherin des Senders wies die Kritik zurück. "Die Sendung pauschalisiert nicht, sondern berichtet in ausgewogener Form über die gesellschaftliche Realität."