Eine hochschwangere Asylbewerberin ist bis kurz vor der Entbindung in der Flüchtlingsunterkunft am Frankfurter Flughafen festgehalten worden. Beamte sollen eine angemessene Betreuung der 17-Jährigen abgelehnt haben.
Noch für den Tag des errechneten Geburtstermins sei ein weiteres Verhör in dem gefängnisähnlichen Bau am Flughafen angesetzt gewesen, berichtete die "Frankfurter Rundschau". Schon zuvor sei die 17-Jährige auch im Beisein von Männern detailliert zu ihrer Vergewaltigung befragt worden, schreibt das Blatt und beruft sich dabei auf die Verhörprotokolle.
Das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wies die Vorwürfe zurück. Es seien zwei Verfahren in dem "FR"-Bericht vermengt worden, erklärte Bundesamtssprecherin Claudia Möbus auf Anfrage gegenüber hr-online. Die Frau habe bereits im März 2008 einen Asylantrag gestellt, der im Mai 2008 vom Verwaltungsgericht Frankfurt abgelehnt worden sei. Das zweite Verfahren habe nach dem erneuten Asylantrag im März dieses Jahres begonnen.
Bundesamt: Ärztliche Betreuung war sichergestellt
In dem neuen Verfahren sei noch keine Befragung zu den Fluchtgründen vorgenommen worden, erklärte Möbus. Auch seien diese nicht bewertet worden. Zu Vorwürfen hinsichtlich der ärztlichen Betreung erklärte das Bundesamt, eine "permanente ärztliche Betreuung" der 17-jährigen sei sichergestellt gewesen. Zusätzlich habe sie in der Frankfurter Uni-Klinik eine fachärztliche Betreuung erhalten.
Während eines halbstündigen Termins am Dienstag mit der Asylbewerberin waren nach Angaben des Bundesamts lediglich deren Personaldaten erfasst worden. Im Einvernehmen mit der Rechtsanwältin der 17-Jährigen sei auf eine Anhörung verzichtet worden, sagte Möbus. Die Anhörung werde zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.
Anwältin: An Menschenverachtung nicht zu überbieten
Die Rechtsanwältin der 17-Jährigen, Ursula Schlung-Muntau, hatte gegenüber der "FR" erklärt, "dies ist ein Fall, der an Ignoranz und Menschenverachtung nicht zu überbieten ist". Keine Minderjährige erzähle im Beisein von Männern von ihrer Vergewaltigung. "Es ist völlig unmenschlich, eine Minderjährige einer solchen Situation auszusetzen".
Der Frankfurter Caritasdirektor Hartmut Fritz sagte: "Es ist absolut inakzeptabel, dass ein hochschwangeres junges Mädchen in der Flüchtlingsunterkunft am Flughafen festgehalten wird, die mit hoher Wahrscheinlichkeit schwanger ist durch Vergewaltigung." Es entspreche in keiner Weise humanitären Vorstellungen, einer traumatisierten 17-Jährigen mit ihrem Neugeborenen den Aufenthalt in der Flüchtlingsunterkunft am Flughafen zuzumuten. Caritas und Diakonie sehen durch das Vorgehen der Behörde die Menschenwürde verletzt.
17-Jährige durfte einreisen
Die Landtagsfraktion der Grünen warf der Landesregierung vor, sich nicht ausreichend um die Situation minderjähriger Flüchtlinge am Flughafen gekümmert zu haben. Die Linkspartei sprach von einer Verletzung der Menschenwürde. Die Leiterin des Frankfurter Jugendamtes, Christiane von den Borg, bezeichnete das Vorgehen der Behörden als "nicht üblich". Die Einreise hätte schneller gestattet werden müssen, sagte sie.
Der 17-jährigen Asylbewerberin aus Kamerun war schließlich die Einreise gestattet worden. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht. Das Jugendamt bestellte für sie eine vormundschaftliche Vertretung. Diese bemühe sich jetzt um eine passende Unterbringung der Frau für die Zeit nach der Geburt des Kindes, berichtete die Jugendamtsleiterin.