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Betreiberin Christine Diesy vor der Imbissbude (Bild: Susanne Mayer/ hr-online)
Konnte eine Schließung verhindern: Betreiberin Christine Diesy.
7.10.2009

"Hamburger am Turm"

Burger-Protest rettet Imbissbude

Die Welle der Empörung scheint die Stadtverordneten beeindruckt zu haben: Sie stimmten am Donnerstag für den Erhalt eines Frankfurter Kult-Imbisses. Gegen den geplanten Abriss hatten hunderte Bürger protestiert.
 

Kampf um Kult-Burger-Bude 3:09 Min
(© hr | hessenschau, 08.10.2009)
Wen nachts der Hunger packt, ist am Eschenheimer Tor in der Frankfurter Innenstadt gut aufgehoben: Bunt blinkend lockt der Imbiss "Hamburger am Turm" bis 4 Uhr morgens mit nächtlichen Snacks. Dass die Frankfurter Institution geschlossen werden sollte, hatte bei vielen Bürgern für Empörung gesorgt. Die "Frankfurter Rundschau" unterstützte die Buden-Betreiberin Christine Diesy ebenso wie das Satiremagazin "Titanic", deren Redakteure sich sogar schon einmal symbolisch an den Imbiss ketteten.

Facebook-Mitglieder gründen Protestgruppe

Diesy, die den Imbiss seit rund 18 Jahren betreibt, wollte das Aus nicht hinnehmen und beschloss an die Öffentlichkeit zu gehen. "Ich kämpfe bis zum Schluss", hatte sie noch am Mittwoch in hr-online erklärt. Die Stadt könne nicht über den Kopf der Bürger hinweg über den Laden entscheiden. "Die Resonanz ist sehr groß", sagte Diesy. Die Bürger seien über das Vorhaben der Stadt entrüstet.

Auch im Internet formierte sich der Protest gegen den drohenden Burger-Entzug. Innerhalb von zwei Tagen waren mehr als 730 Facebook-Nutzer der Gruppe "Hamburger am Turm" beigetreten. Auf der Online-Plattform machten sie ihrem Ärger über die Stadt Frankfurt Luft. Ein Nutzer startete den Aufruf: "Frankfurter, steht auf für eure Burgerrechte", ein anderer lud zur "Party-Demo am Turm".
 

Protestschreiben an die Stadt

Schandfleck oder Kult? Der Imbiss "Hamburger am Turm" (Bild: Susanne Mayer/ hr-online)
Vergrößern
Schandfleck oder Kult? Der Imbiss "Hamburger am Turm"
Im Römer türmten sich zahlreiche Protestschreiben gegen die Abrisspläne des Imbisses. Mit so viel Aufruhr wegen einer Hamburger-Bude hatte die Stadt Frankfurt wohl nicht gerechnet. Der Bürgerprotest beeindruckte die Stadtpolitiker so stark, dass sie einlenkten. Schon am Mittwochabend forderten CDU und Grüne, der Imbiss müsse erhalten bleiben. Die Hamburger-Braterei sorge für Belebung und "gute Verköstigung", teilten die Fraktionsvorsitzenden Horst Kraushaar und Olaf Cunitz in einer Pressemitteilung mit. "Es geht jetzt im wahrsten Sinne des Wortes um die Wurst." Auch die FDP stellte einen Antrag, mit dem sie eine Rücknahme der Kündigung des Pachtvertrags erreichen wollte. Am Donnerstag fiel dann die einmütige Entscheidung in der Stadtverordnetenversammlung: Die Bude bleibt. Die Freude bei Betreiberin Diesy ist groß - genauso wie ihre Dankbarkeit für die zahlreichen Unterstützer: "Ich bin ganz stolz auf die Stadt, dass sie so bereit war, dafür zu kämpfen."

Eigentlich hatte die Stadt ganz andere Pläne: Das Stadtplanungsamt und das Grünflächenamt wollten die Wallanlage am Eschenheimer Tor "von Fremdeinflüssen bereinigen" und dort stattdessen Kunstwerke aufstellen. Das Stadtbild sollte dadurch verschönert werden. Nach Angaben der Stadtplaner fehle die "Blickachse zum Eschenheimer Turm". Die Betreiberin Diesy sollte ihren Laden deshalb bis Ende November räumen.
 

"Imbiss ist ein Sicherheitsfaktor"

Nach Meinung der Betreiberin ist ihr Laden ein Sicherheitsfaktor im Viertel. "Früher sind die Leute nachts nicht über die Anlage gegangen", sagte sie. Dies habe sich geändert, der Imbiss halte die Ecke lebendig.

Auch wenn der Abriss in diesem Jahr noch verhindert wurde - langfristig wird der Imbiss wohl keine Chance haben. Der Sprecher des Planungsdezernats, Mark Gellert, sagte hr-online am Mittwoch: "Auf lange Sicht werden wir die Grünfläche dort aufwerten". Dann müsse nach einem Ersatzstandort in der Nähe gesucht werden.

Ein Beitrag von Susanne Mayer, hr-online
 
Redaktion: suma / anbu
 
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