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Geysir vorm Fenster: Auf dem Ministeriumsparkplatz brodelt es. (Bild:  picture-alliance/dpa) Sprudelnde Quellen vorm Finanzministerium (Bild: picture-alliance/dpa)
Geysir vorm Fenster: Auf dem Ministeriumsparkplatz brodelt es.
6.11.2009

Quelle angebohrt

Geysire am Finanzministerium

Nach einer fehlgeschlagenen Erdwärmebohrung neben dem Finanzministerium sprudelt in der Wiesbadener Innenstadt an mehreren Stellen Wasser aus dem Boden. Nach Meinung einiger Experten hätte dort niemals gebohrt werden dürfen.
 

Geysire, Schlamm und Sandsäcke 2:52 Min
(© Andrea Bonhagen, hr, 06.11.2009)
Löcher stopfen - damit hat man im Finanzministerium Erfahrung. Doch was sich seit einer missglückten Probebohrung nach Erdwärme vor dem Ministerium in der Wiesbadener Innenstadt abspielt, ist kein Fall für Finanzexperten. Der Wasserfluss vor dem Gebäude ließ sich bislang kaum stoppen. Zwar schossen am Freitagabend keine Fontänen mehr aus der Erde, an mehreren Stellen blubberte es aber immer noch. Der Hausherr des Finanzministeriums, Karlheinz Weimar (CDU), sprach von einer "extremen Situation".

Die Einsatzkräfte hatten am Freitagmorgen Beton in das Hauptbohrloch gefüllt. Das etwa 15 Grad warme Wasser suchte sich aber neue Wege und an kam anderen Stellen hoch. Fachleute wollten deshalb am Freitagabend einen in einem zweiten Anlauf versuchen, das Loch noch einmal aufzubohren und in größerer Tiefe wieder zu verstopfen. So könnten auch Nebenkanäle des Wasserlaufs verschlossen werden. Außerdem werde versucht, das Wasser vorzureinigen, damit es nicht wieder in der Kanalisation landet, berichtete Weimar. Teilweise sei nämlich der Beton wieder herausgespült worden. Die Abwendung von Umweltschäden habe jetzt Priorität.
 

"Land unter" in Wiesbaden 

 
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Wasserfontäne vor Finanzministerium 2:26 Min
(© hr | hessenschau, 06.11.2009)
Am Donnerstagabend hatten Bauarbeiter versehentlich in etwa 130 Metern Tiefe ein unter Druck stehendes Wasservorkommen angebohrt. Durch den Bohrunfall war ein stundenlanger Großeinsatz der Feuerwehr nötig. Die rund 60 Einsatzkräfte versuchten zunächst, der Wassermassen mit Pumpen Herr zu werden. Zeitweilig schossen die Fontänen mehrere Meter in die Höhe. Pro Minute traten 6.000 Liter Wasser aus, berichtete der städtische Pressesprecher Siggi Schneider. Hochgespülter Schlamm ergoss sich über den Ministeriums-Parkplatz und die angrenzenden Straßen. Bagger trugen dicke Schlammschichten ab. Ein Abschnitt der Friedrich-Ebert-Allee wurde gesperrt. Zur Höhe des Sachschadens gibt es noch keine Erkenntnisse. Gefahr für Nachbarhäuser wie das Ministerium oder ein Hotel habe nicht bestanden, betonte Simon.

Galgenhumor: "Sind liquide"

Die sogenannten Geothermie-Tiefenbohrungen wurden etwa 30 Meter vom Ministerium entfernt vorgenommen. Das Ministerium will auf einem benachbarten Parkplatz einen Anbau errichten. "Das Gebäude soll Modellcharakter haben. Es wird im Passivhaus-Standard errichtet", sagte Michael Hohmann, Büroleiter von Finanzminister Weimar.

Mit den Bohrungen sollte geklärt werden, ob der Anbau mit Erdwärme versorgt werden kann. Hohmann übte sich angesichts der Flutwelle in Galgenhumor: "Das Vorurteil, dass wir nicht liquide sind, können wir widerlegen."
 

Einsatzleiter: "Nicht vorhersehbar" 19 Sek
(© hr, 06.11.2009)
Der Geschäftsführer der Bohrfirma sagte dem hr, dass es sich bei dem Wasser um Grundwasser handele. Dass durch Druckverhältnisse das Wasser bei einer Bohrung nach oben getrieben wird, komme vor und sei nicht ungewöhnlich. Allerdings habe er eine solche Wassermenge mit so starkem Druck noch nie erlebt. "Es war nicht absehbar, dass man auf so eine Quelle trifft", sagte Einsatzleiter Simon in einer ersten Einschätzung dem hr.
 

Experten nicht überrascht

Einige Experten sehen das allerdings anders. "Es ist nicht extrem unwahrscheinlich, dass einem so etwas passiert", sagte Reinhardt Hassinger, Leiter der Prüfstelle für Umwelttechnik und Wasserbau an der Universität Kassel. Dies gelte vor allem, wenn man keine hinreichenden Informationen über Lage und Spannungszustand unterirdischer Wasseradern habe.

Auch für Harald Früchtenicht, Projektentwickler und Fachingenieur für Geotechnik, sind Bohrungen in der Wiesbadener Innenstadt wegen der dort befindlichen Thermalquellen tabu. Ihretwegen gehöre Wiesbaden zu den wenigen Flecken auf der hessischen Landkarte, wo sich die Erdwärmetechnik verbiete, bemerkte der Fachmann bereits im Frühjahr im Radioprogramm des hr.

Risiko eigentlich bekannt

Ein Blick auf die Karte des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) zur "Standortbeurteilung für die Errichtung
von Erdwärmesonden" verdeutlicht die Bedenken. Dort ist der Bereich um das Ministerium ausdrücklich als "sowohl wasserwirtschaftlich ungünstig als auch hydrogeologisch ungünstig" ausgewiesen. Mit anderen Worten: Bohrungen an der entsprechenden Stelle bergen ein erhöhtes Risiko, auf eine Wasserader zu treffen. Dennoch sagte Georg Mittelbach vom HLUG am Freitag im hr-fernsehen, die geologischen Voraussetzungen seien so, dass man eine Probebohrung erlauben könne. Das Ereignis sei in seiner Tragweite so nicht abzusehen gewesen.
 
Redaktion: woje / anbu
 
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