Wolfgang Weisbrod-Weber vor der Kulisse des UN-Hauptquartiers in New York.
Die Krisenherde der Welt sind der Arbeitsplatz von Wolfgang Weisbrod-Weber. Ob Bosnien, Naher Osten oder Afghanistan, seit 28 Jahren steht der Hanauer im Dienst der Vereinten Nationen - jetzt wird er Sondergesandter in der Westsahara.
Wolfgang Weisbrod-Weber sagt über sich selbst er sei "true blue", durch und durch UN-blau. Der 57-jährige Hesse ist jetzt zu einem der höchsten Repräsentanten der Vereinten Nationen aufgestiegen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ernannte ihn zum Sondergesandten für die Westsahara. Dort wartet auf den dreifachen Vater eine schwere Aufgabe, das Land wird von einem versteinerten Konflikt beherrscht.
Fachmann für "multidimensionale Konflikte"
Marokko beansprucht die spanische Ex-Kolonie für sich, doch die sozialistische "Frente Polisario" kämpfte dagegen. Im Jahr 1991 wurde zwar ein Referendum vereinbart. Auf das wartet die Bevölkerung aber noch heute. Bisher konnte zwischen Marokko und den Vertretern des sahrauischen Volkes keine Einigung erzielt werden. Westsahara ist in etwa so groß wie die alte Bundesrepublik, hat aber nicht einmal so viele Einwohner wie Bremen.
Auch Weisbrod-Weber rechnet nicht damit, dass er das Referendum rasch durchdrücken kann. Die Fronten seien völlig verhärtet. "Für die Polisario muss eine der Optionen des Referendums die Unabhängigkeit für die Westsahara sein, für Marokko dagegen geht es höchstens um Autonomie innerhalb Marokkos." So bleibe es Hauptaufgabe der UN, den brüchigen Frieden zu wahren und allen Volksgruppen, Stämmen und Religionen gerecht zu werden. Gut, dass der Deutsche als Fachmann für "multidimensionale Konflikte" gilt.
Derzeit mit Syrien beschäftigt
Weisbrod-Weber ist seit fast 30 Jahren bei den UN, seit er 29 ist. Der Hanauer brachte statt militärischer Erfahrung einen Doktor der Philosophie mit - die Konfliktherde dieser Welt oder das Hauptquartier in New York wurden sein Arbeitsplatz.
In den vergangenen Wochen, "zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche", war das Syrien. Über Details der Mission darf er nicht sprechen, aber eines sei klar: "Diese 300 Militärbeobachter können den Konflikt nicht lösen. Aber ihre Aufgabe als Augen und Ohren der Welt ist unersetzlich."
"Noch einmal ein Abenteuer eingehen"
"Heute sind die UN weltweit präsent, helfen beim Aufbau von Nationen, verhindern oder beenden Kriege und unterstützen Millionen Menschen mit Nahrung, Medizin und Bildung", schwärmt Weisbrod-Weber geradezu von seinem Arbeitgeber. Ein Beispiel: "Vor 30 Jahren gab es in Mittelamerika nur Militärdiktaturen mit unzähligen Morden. Heute sind das ganz normale Länder. Manchmal nicht die effizientesten, aber gesunde Demokratien."
Deshalb könne er jungen Menschen nur zu einem Dienst bei den UN raten. Auch wenn seine beiden Söhne und die Tochter andere Laufbahnen gewählt haben. Aber er wisse sich mit seiner Frau einig, sagt der 57-Jährige. "Als ich ihr sagte, dass ich zum Sondergesandten für Westsahara berufen wurde, sagte sie nur: Dann gehen wir zwei eben noch einmal ein Abenteuer ein."