Salafisten stehen verstärkt im Visier der Sicherheitsbehörden.
Einer der führenden Köpfe der deutschen Salafistenszene ist am Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Er soll Islamisten für den Dschihad, den sogenannten "Heiligen Krieg", angeworben haben.
Türkische Behörden hätten den Mann, der drei Jahre lang untergetaucht war, festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert, erklärte die Staatsanwaltschaft Stuttgart am Samstag und bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus". Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann die Bildung einer kriminellen Vereinigung vor.
Peter B. soll Islamisten für den Dschihad in Afghanistan angeworben haben. Darunter soll sich auch der inzwischen verurteilte Daniel Schneider befunden haben, ein Mitglied der sogenannten Sauerland-Gruppe. Dabei handelt es sich um eine vierköpfige Terrorgruppe, deren Mitglieder 2010 unter anderem wegen der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlages und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu Haftstrafen verurteilt worden waren. Auch Eric Breiniger und der Deutsch-Afghane Djavad Sediqi, die beide später bei Kämpfen in Afghanistan und Pakistan getötet wurden, soll der Festgenommene angeworben haben.
Salafisten im Visier der Ermittler
Im Juni hatten Polizisten in einer groß angelegten Razzia insgesamt 70 Objekte in sieben Bundesländern durchsucht. Hessen gilt als ein Zentrum des Salafismus in Deutschland und stand dabei besonders im Fokus. Hier hatten Ermittler des Landeskriminalamtes 26 Wohnungen, Moscheen und Vereinsheime durchsucht - in Frankfurt, Kassel, Rüsselsheim, Bad Homburg, Steinbach, Erbach und Michelstadt. Es habe hinreichend Beweise gegeben, dass die Vereine eine aggressiv-kämpferische Haltung gegen die freiheitliche Grundordnung hätten, hatte das Bundesinnenministerium die Razzien begründet.
Salafisten verstehen sich als Vertreter des wahren Islams und orientieren sich radikal am Koran. Sie stehen seit dem vergangenen Jahr verstärkt im Visier der Sicherheitsbehörden. Im März 2011 erschoss ein islamistischer Einzeltäter am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten - es war der erste erfolgreiche islamistisch motivierte Anschlag auf deutschem Boden. Der Attentäter hatte sich über salafistische Propaganda im Internet selbst radikalisiert.