Nach der aufsehenerregenden Razzia vor einer Woche ist die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt erneut durchsucht worden. Diesmal waren die Ermittler allerdings diskreter.
Über die zweite Durchsuchung der Bank innerhalb von sieben Tagen berichtete am Donnerstag der Bayerische Rundfunk (BR). Die Münchner Staatsanwaltschaft bestätigte, dass Mitarbeiter von ihr und Wirtschaftsermittler der Polizei bereits am Mittwoch in der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt waren.
Die Suche galt nach Angaben des BR Vorstandsprotokollen aus dem Jahr 2002 im Zusammenhang mit dem Rechtsstreit zwischen dem Geldhaus und den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere amtierende und ehemalige Manager der Bank wegen Prozessbetrugs. Sie stehen im Verdacht, vor Gericht falsche Angaben gemacht zu haben.
Bei der Durchsuchungsaktion seien Materialien beschlagnahmt worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Bank bestätigte den Besuch der Ermittler.
Deutsche-Bank-Mitarbeiter aus U-Haft entlassen
Anders als bei der Durchsuchung in der Woche zuvor gingen die Ermittler dieses Mal diskreter vor. Noch am 12. Dezember waren Mannschaftswagen der Polizei vor der Bank vorgefahren. Damals galt die Aktion möglichen Straftaten im Zusammenhang mit dem zwielichtigen Handel mit CO2-Zertifikaten. Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen beschwerte sich später telefonisch bei Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) über das Auftreten der Polizei, entschuldigte sich aber anschließend dafür.
Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft erklärte am Donnerstag, alle bei der Razzia am 12. Dezember verhafteten und noch im Gefängnis sitzenden Mitarbeiter kämen frei. "Die drei noch inhaftierten Beschuldigten werden heute noch entlassen», sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Günter Wittig. Der Haftgrund der Verdunklungsgefahr sei entfallen.
Bericht: Bank ignorierte Warnungen der Ermittler
Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete am Donnerstag, das Institut habe die spektakuläre Hausdurchsuchung vergangene Woche selbst verschuldet. Die Bank habe Warnungen der Staatsanwaltschaft ignoriert und den Ermittlern wichtige Unterlagen verweigert. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft habe den Firmenanwalt des Instituts bereits im Juni davor gewarnt, angeforderte Unterlagen länger zurückzuhalten.