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Insolvenz

Die meisten "FR"-Jobs vor dem Aus

Insolvenzverwalter Schmitt stellt sich den Medienvertretern. (Bild: Alexandra Breunig / hr-online)
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Insolvenzverwalter Schmitt stellt sich den Medienvertretern.
Selbst bei einer Last-Minute-Rettung droht hunderten Mitarbeitern der insolventen "Frankfurter Rundschau" der Jobverlust. Die letzten Hoffnungen ruhen jetzt noch bei zwei Interessenten, wie auf einer Betriebsversammlung am Mittwoch bekannt wurde.
 

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30.01.2013, 19:30 Uhr
Video: Wie geht es weiter bei der FR? 3:28 Min
(© hr | hessenschau, 30.01.2013)
Die zahlungsunfähige "Frankfurter Rundschau" (FR) wird auch nach Frist-Ablauf am Donnerstag vorerst von ihrem vorläufigen Insolvenzverwalter Frank Schmitt weiterbetrieben. Damit werde dem Unternehmen Zeit verschafft, um die Verkaufsgespräche mit zwei potenziellen Investoren weiterzuführen, teilte Schmitt auf einer Betriebsversammlung am Mittwoch den FR-Mitarbeitern mit.

Bei beiden Übernahmeangeboten handele es sich jedoch nicht um unterschriftsreife Verträge, sondern um Absichtserklärungen. Schmitt sagte: "Ich habe den Mitarbeitern ehrlich gesagt, dass es in beiden Fällen zu einem erheblichen Arbeitsplatzabbau kommt." Man versuche, aus der sehr schlechten Situation das Beste zu machen. Das müsse man "leider so sagen".

Einer der Interessenten komme aus Deutschland, allerdings könne dessen Name nicht genannt werden. Dieser Investor würde bei Zustandekommen eines Vertrags die FR zum 1. März übernehmen und weiterführen. Dann würden etwa 400 Arbeitsplätze wegfallen, sagte Schmitt. Insgesamt arbeiten 450 Menschen für den Verlag.
 
Medienvertreter stehen vor dem Verlagsgebäude der Frankfurter Rundschau. (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Das Medieninteresse an der Informationsveranstaltung der "FR" war groß.
Audio: Hängepartie der "Rundschau" geht weiter 3:10 Min
(© hr-iNFO, 30.01.2013)

Hintergrund

Die "FR" wurde am 1. August 1945 auf Veranlassung der amerikanischen Besatzungsmacht gegründet.
FAZ im Gespräch

Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem deutschen Interessenten um die Fazit-Stiftung, die die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) und die "Frankfurter Neue Presse" (FNP) herausgibt. Sie wolle die FR in abgespeckter Form als Regionalzeitung fortführen, hieß es. FR-Betriebsratsvorsitzender Marcel Bathis hatte in einem Interview mit der Tageszeitung "taz" gesagt, er rechne in diesem Fall mit einer Kooperation mit der FNP. Die Fazit-Stiftung hatte dies allerdings nicht kommentiert.

Der zweite Bewerber ist das türkische Medienunternehmen "Estetik Yayincilik". Der Verlag will die FR nach eigenen Angaben "als eigenständige Tageszeitung auf ihrem Gebiet wieder wettbewerbsfähig" machen und auch die Druckerei übernehmen. Geplant sei auch, die türkische Tageszeitung "Sözcü" in Deutschland herauszubringen.

Zweifel an Geschäftskonzept

Doch auch in diesem Fall müsste ein ganz wesentlicher Teil der Arbeitnehmer entlassen werden, ließ Insolvenzverwalter Schmitt in einer Presseerklärung wissen. Der Investor habe sein Interesse bisher allerdings nur in formloser, unverbindlicher Form erklärt. Zudem ist das Kaufpreisangebot laut Schmitt "wesentlich zu niedrig" und die Zahlungsmodalitäten "nicht akzeptabel". Auch äußerte er Zweifel am vorgelegten Geschäftskonzept.

Schmitt sagte: "Wir können uns keinen Investor schnitzen", betonte jedoch, dass er auch jetzt noch mit jedem gerne in Verhandlungen treten werde, der ein belastbares, ernsthaftes Angebot vorlege.

Sollte der deutsche Investor den Zuschlag bekommen, würde der Betriebsübergang zum 1. März erfolgen. Die Mitarbeiter der Redaktion, die nicht übernommen würden, könnten voraussichtlich spätestens zu diesem Zeitpunkt in die Transfergesellschaft wechseln, so Schmitt in einer Pressemitteilung.

In der Druckerei in Neu-Isenburg würde noch bis Ende März der Druck des "Handelsblatts" erfolgen, der Druck der "Frankfurter Rundschau" bis Ende April. Solange würde der dortige Betrieb noch aufrechterhalten. Anschließend könnten auch die dortigen Mitarbeiter nach und nach die Transfergesellschaft in Anspruch nehmen.

Transfergesellschaft für sechs Monate

"Der Einsatz der Mitarbeiter ist phänomenal. Das habe ich so noch nicht erlebt", äußerte sich Schmitt. Die Gesellschaft als Auffangbecken für zu entlassende Mitarbeiter werde bis zum 18. Februar, spätestens bis zum 1. März, errichtet. Die Mitarbeiter, die nicht übernommen werden, könnten darin für sechs Monate Kurzarbeitergeld der Arbeitsagentur erhalten, sich weiterqualifizieren und auf Arbeitssuche gehen. Das reguläre Monatsgehalt für den Februar werde den Mitarbeitern am 1. März ausbezahlt.
 

Eigentümer wollen Transfergesellschaft unterstützen

 (Bild: Alexandra Breunig / hr-online)
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Die FR wird vorerst von Insolvenzverwalter Frank Schmitt weiterbetrieben.
Am Mittwochmittag waren die "FR"-Mitarbeiter in Frankfurt zu einer weiteren Betriebsversammlung zusammengekommen. Insgesamt stehen rund 450 Arbeitsplätze auf dem Spiel, davon etwa die Hälfte im Druckzentrum Neu-Isenburg. Das Traditionsblatt hatte im vergangenen November Insolvenz angemeldet. Das vorläufige Insolvenzverfahren bei der "FR" endet am Donnerstag.

Unmittelbar vor der Betriebsversammlung hatten die bisherigen Eigentümer finanzielle Unterstützung für eine Transfergesellschaft angeboten. Die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg MDS und die SPD-Medienholding ddvg hätten konstruktive Gespräche mit dem "FR"-Betriebsrat und der Gewerkschaft Verdi geführt, teilte MDS am Dienstag mit.

Zu diesem Finanzierungsangebot der bisherigen Eigentümer hieß es: "Im Mittelpunkt stand die Sicherstellung des Betriebs über den Zeitraum des vorläufigen Insolvenzverfahrens hinaus, um weiteren Investorengesprächen eine Chance zu geben." Eine Transfergesellschaft könne möglichst vielen Arbeitnehmern eine neue Perspektive eröffnen und soziale Härten abfedern.

Was ist eine Transfergesellschaft?

Eine Transfergesellschaft ist ein Auffangbecken für zu entlassende Mitarbeiter einer zahlungsunfähigen Firma. Dabei handelt es sich um ein extra zu diesem Zweck gegründetes Unternehmen auf Zeit, das den Beschäftigten helfen soll, den Weg in eine neue Anstellung zu finden. Die Mitarbeiter werden in der Zweckgesellschaft für höchstens ein Jahr aufgefangen.

Bei der Frankfurter Rundschau hatten der Verlag DuMont Schauberg und die SPD-Medienholding ddvg als Gesellschafter angekündigt, sich finanziell an einer Transfergesellschaft zu beteiligen.

Der Wechsel in eine solche Gesellschaft erfolgt freiwillig. Grundlage ist ein dreiseitiger Vertrag: Der Mitarbeiter schließt mit dem bisherigen Unternehmen einen Aufhebungsvertrag und gleichzeitig mit der Transfergesellschaft einen befristeten Arbeitsvertrag. Das Transfer-Kurzarbeitergeld zahlt die Bundesagentur für Arbeit.
 
Redaktion: frbe / aba
Bilder: © Alexandra Breunig / hr-online (2), © picture-alliance/dpa (1)
Letzte Aktualisierung: 31.01.2013, 1:24 Uhr
 
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