"Wir sind Papst" für die Frankfurter Jesuiten stimmt der Satz immer noch: Franziskus verbrachte einige Wochen als Studierender an der Hochschule Sankt Georgen. Viele erinnern sich hier noch an ihn und freuen sich riesig über seine Wahl.
"Den kenne ich." Bei Michael Sievernich, Professor für Pastoraltheologie an der von Jesuiten geführten Frankfurter Hochschule Sankt Georgen, war die Freude groß, als er am Mittwochabend die Nachricht vom neuen Papst hörte. Jorge Mario Bergoglio hielt sich Mitte der 80er Jahre für mehrere Wochen in Frankfurt auf.
Bergoglio habe sich dort mit einzelnen Professoren über ein mögliches Dissertationsthema beraten, erklärte die Hochschule am Donnerstag. "Er hat sich damals mit dem Theologen Romano Guardini beschäftigt, zu dem es hier viel Material gibt", berichtete Sievernich hr-online. Er habe damals oft mit dem heutigen Pontifex gesprochen.
"Besonderer Zugang zu den Kranken und Armen"
Michael Sievernich, Professor für Pastoraltheologie
Sievernich, der Bergoglio auch bei Aufenthalten als Gastprofessor in Lateinamerika mehrfach traf, lernte ihn als "sehr interessierten, zupackenden Menschen" kennen. "Er hat einen besonderen Zugang zu den Kranken und Armen und ist in der Seelsorge verwurzelt", meint der 68-jährige Professor. Er erhofft sich daher, dass Franziskus in seiner neuen Funktion das Thema Armut in den Mittelpunkt rücken wird. "Das war die richtige Wahl im richtigen Augenblick", kommentierte Sievernich die Entscheidung für Bergoglio.
Dessen erster Auftritt als Franziskus sei typisch für ihn gewesen, findet Sievernich: "einfach und schnörkellos". Mit dem schlichten "Buona sera" habe er direkt eine Beziehung zum Volk aufgebaut.
Die 1926 gegründete Philosophisch-Theologische Hochschule dient der Forschung und Lehre der theologischen Wissenschaft und steht in der Bildungstradition und Verantwortung des Jesuitenordens (Societas Jesu). Sie wird von der Deutschen Provinz der Jesuiten mit Sitz in München getragen und unter anderem von der Diözese Limburg unterstützt.
Zu der umstrittenen Rolle Bergoglios zu Zeiten der argentinischen Militärdiktatur äußerte sich Sievernich nicht. Wie jener damals als Provinzial der argentinischen Jesuitenprovinz agiert habe, wisse er nicht, so Sievernich.
Dass jetzt erstmals ein Jesuit Papst ist, sei etwas Besonderes. Dass Franziskus auch Frankfurt und Sankt Georgen kennt, natürlich auch, sagte Sievernich. Das werde man wohl noch "gebührend feiern". Zumal sich einige der Älteren noch gut an Bergoglio erinnerten.
"Die Verblüffung war groß", sagte Rektor Wendelin Köster zur Papstwahl. "Wir sind alle ziemlich sprachlos gewesen, weil wir Jesuiten selber eigentlich nie daran gedacht haben, dass ein Jesuit einmal Papst werden könnte. Da sind wir sozusagen aus allen Wolken gefallen." In einer von der Hochschule am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung hieß es: "Wir wünschen dem neuen Papst eine glückliche und segensreiche Regierungszeit und sind ihm im Gebet verbunden."
hr-online arbeitet seit einiger Zeit mit dem Fotografen Torsten Hemke zusammen. Am Mittwochabend war er auf dem Petersplatz und fotografierte ein interaktives Panorambild von der Vorstellung des neuen Papstes.