ICT stellt Kunststoffsysteme für die Innenräume von Autos her.
Die Auftragsbücher sind laut Betriebsrat voll, die Produktion läuft weiter - und doch hat der Automobilzulieferer ICT Insolvenz beantragt. Schuld sein soll eine Finanzierungslücke. 290 Mitarbeiter in Wächtersbach bangen.
Die mittelständische Firma stellt Kunststoffsysteme für die Innenräume von Autos her, zum Beispiel Mittelkonsolen und Säulenverkleidungen. Hauptkunde des Unternehmens ist Volkswagen. Von der Insolvenz betroffen ist auch das Hauptwerk in Lennestadt bei Siegen.
Finanzierungsengpässe
Aus einer "sehr guten Auftragslage und der Notwendigkeit, die entsprechenden Vorfinanzierungen darstellen zu müssen", sei das Unternehmen in Finanzierungsengpässe geraten, lässt ICT in einer Pressemitteilung wissen. Zudem verstärkten die im Sommer traditionell geringere Auslastung sowie ungeplante Auftragsrückgänge von Opel die Probleme.
Das Amtsgericht Siegen hatte laut ICT am Dienstag die sogenannte Eigenverwaltung im Insolvenzantrag genehmigt und den Mindener Rechtsanwalt Stephan Höltershinken zum vorläufigen Sachverwalter bestimmt. Unter dessen Aufsicht könne die Geschäftsleitung somit "den Geschäftsbetrieb in vollem Umfang" aufrechterhalten. Ein weiterer Insolvenzexperte werde die Geschäftsführung ergänzen.
Mitarbeiter erhalten Insolvenzausfallgeld
Bei der Betriebsversammlung wurden die 290 Mitarbeiter informiert.
Das Werk in Wächtersbach (Main-Kinzig) hat derzeit 290 Stamm-Mitarbeiter. Auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung wurden die Beschäftigten am Mittwochnachmittag über die Lage informiert. Dabei ging es auch um das Insolvenzausfallgeld, welches sie in den kommenden drei Monaten von der Arbeitsagentur erhalten sollen. Was danach kommt, wissen die Mitarbeiter nicht.
Neue Auftraggeber
Trotz der aktuellen Probleme sieht Carsten Paris ICT auf einem guten Weg. Man setze die Restrukturierung der Firma "beschleunigt" um. Es sei gelungen, in den letzten vier Monaten "eine Reihe von namhaften neuen Zukunftsaufträgen insbesondere auch von Neukunden inner- und außerhalb der Automobilindustrie zu gewinnen", so Geschäftsführer Jörg Gregel.
Erst Erfolgsprognose - jetzt Krise
Bei ITC werden vor allem Kunststoffteile für Autos produziert.
ICT entstand aus einer Firmenauskoppelung aus der amerikanischen Key Plastics Germany Gruppe. 2011 war das Unternehmen umorganisiert worden. Das Werk in Wächtersbach hatte zuletzt im Februar 2012 den Besitzer gewechselt. Key Plastics verkaufte an die neu gegründete Firma ICT.
"Das Management-Team von ICT sieht ein großes Potenzial für dieses Geschäft", hatte Paris im Februar erklärt. Das Unternehmen verfüge über ausgezeichnete Mitarbeiter, Anlagen, Technologie und Kunden, die alle zu unserem künftigen Erfolg beitragen werden. Nur fünf Monate später steckt ICT in der Krise.
Das Unternehmen hat insgesamt rund 1.300 Mitarbeiter. Neben Deutschland gibt es Werke in Spanien und Tschechien, die von der Insolvenz aber nicht betroffen sind, da sie eigenständig finanziert sind, so das Unternehmen.