Im Frankfurter Club U60311 soll Mitte August wieder Techno aus den Boxen wummern. Diesen Wunsch des Insolvenzverwalters will die Stadt verhindern. Sie fühlt sich übergangen.
Das U60311 galt besonders Ende der 90er als der Techno-Club im Rhein-Main-Gebiet schlechthin. Immer wieder geriet es in die Schlagzeilen. Vor zehn Jahren sorgte eine Drogenrazzia für Aufsehen, im April 2011 starb ein Gast nach Schlägen und Tritten von Türstehern.
DJs in der Geschäftsleitung
Im Juni 2012 kam dann die Pleite und die Schließung. In einer großen "Closing"-Party wurde das Ende des Clubs gefeiert. Wenn es nach dem Insolvenzverwalter Eike Happe geht, wird im "U60", wie ihn seine Anhänger nennen, ab dem 15. August weitergetanzt. Für die musikalische Gestaltung hat er die Frankfurter DJs Pascal F.E.O.S. und Kerstin Eden gewonnen.
Die erfahrenen DJs verfügten über wesentlich größere Branchenkenntnis als er, erklärte Happe. Daher seien sie bereit sich im Rahmen einer Auffanglösung einzubringen. Als Investoren sollten sie dabei nicht auftreten, wohl aber als Mitverantwortliche für die Leitung der Geschäfte.
Stadt fühlt sich übergangen
Das Amtsgericht Frankfurt hat der für den 15. August geplanten Wiedereröffnung zugestimmt. Zunächst soll der kleine Club "311" öffnen, einen Monat später soll dann auch der große Club folgen. Die Stadt Frankfurt als Vermieter ist nicht begeistert von den Plänen des Insolvenzverwalters. Hier fühlt man sich übergangen, gerade auch, was die Suche nach möglichen Investoren angeht.
"Der Insolvenzverwalter hat zunächst mal auch das Interesse der Gläubiger im Blick", sagt Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU). Daher werde Happe alles tun, um die wirtschaftlichen Möglichkeiten zu verbessern. Als Vermieter sei die Stadt aber "alles andere erfreut, wenn man im Grunde vor vermeintlich vollendete Tatsachen gestellt wird."
Disco ja, aber mit anderem Betreiber
Die Stadt Frankfurt will eine Wiedereröffnung des Clubs wie geplant nicht hinnehmen. Kämmerer Becker betont, man sei gegen einen Weiterbetrieb in dieser Form und prüfe nun die rechtlichen Möglichkeiten. Grundsätzlich sieht er aber für den Weiterbetrieb des Clubs gute Chancen.
"Wir werden als Stadt alles daran setzen, dass es dort auch in Zukunft einen Discobetrieb gibt", so Becker. Man brauche aber nach den Erfahrungen mit dem bisherigen Betreiber jemanden, der etwas vom Metier verstehe, "damit eben dort wieder ein Stück weit Glanz und Blüte entsteht, von dem Frankfurt und die Menschen profitieren."
Eines hat der Club aber auf jeden Fall schon jetzt geschafft: Er ist wieder im Gespräch.