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22.07.2008

Überfall auf Jugendcamp

Neonazi gesteht brutalen Angriff

Nach dem brutalen Überfall auf ein Jungendcamp im Schwalm-Eder-Kreis hat der Haupttäter gestanden. Das schwer verletzte Mädchen ist außer Lebensgefahr. Politiker verlangen Konsequenzen.
 

Politiker schockiert über Angriff auf Zeltlager 3:55 Min
(© hessenschau, 22.07.2008)
Ein Zeltlager der Jugendorganisation "Solid" der Partei "Die Linke" am Neuenhainer See im Schwalm-Eder-Kreis war am Sonntagmorgen von vermutlich vier Personen angegriffen worden. Dabei hatte ein 13 Jahre altes Mädchen schwere Kopfverletzungen erlitten, als einer der Täter in das Zelt eindrang, in dem sie und ihr zehn Jahre älterer Stiefbruder schliefen, und mit verschiedenen Gegenständen auf sie einschlug.

Der 23-Jährige wurde dabei nur leicht verletzt und vor Ort behandelt. Beide Opfer sind Mitglieder von Solid. Die mutmaßlichen Täter kommen zum Teil aus der rechten Szene. Das Mädchen war zunächst in das Krankenhaus Schwalmstadt eingeliefert und danach in die Uniklinik Marburg verlegt worden. Mittlerweile besteht keine Lebensgefahr mehr.
 

Haupttäter in Haft, Kumpanen in Freiheit

Rechtsextremisten überfallen Jugendcamp 1:36 Min
(© hessen aktuell, 22.07.2008)
Die Polizei konnte noch am Sonntag vier mutmaßliche Täter festnehmen, weil sich Teilnehmer des Camps die Nummer eines flüchtenden Wagens gemerkt hatten. Ein 19-Jähriger hat nun zugegeben, mit einem Gegenstand auf das Mädchen eingeschlagen zu haben, so die Staatsanwaltschaft Kassel am Dienstag. Der Mann bekannte sich außerdem zu einer rechtsradikalen Gesinnung. Er sitzt in Untersuchungshaft, ihm wird versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Seine drei mutmaßlichen Mittäter befinden sich wieder in Freiheit.
 

Bei der Festnahme und Wohnungsdurchsuchung eines 23-Jährigen aus Schwalmstadt wurde ein Transparent gefunden, das zuvor auf dem Campingplatz entwendet worden war. Laut Polizei waren zwei junge Männer am Sonntagmorgen über den zweieinhalb Meter hohen Zaun des Campingplatzes gestiegen. Der 19-Jährige drang dann in das Zelt ein, während zwei weitere Männer die Heckscheiben dreier Autos einschlugen. Alle vier flüchteten dann zusammen in einem Wagen. Wie die Polizei mitteilte, wurde der Hauptverdächtige bereits kurzzeitig am Rande einer "Solid"-Demonstration gegen Rechts am Samstag in Schwalmstadt-Treysa festgenommen. Insgesamt waren drei der vier Angreifer bei dieser Gelegenheit aufgefallen.

Der Verfassungsschutz berichtete dem hr, einige der Täter vom Sonntag wären bereits als gewaltbereite Neonazis bekannt. Sie stammten aus dem Umfeld der so genannten "Freien Kräfte Schwalm-Eder", einer lose organisierten Neonazigruppe, die in den vergangenen Monaten verstärkt in den Blickpunkt geraten ist.
 

Politiker verlangen Konsequenzen

Tarek Al-Wazir, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, sagte dem hr: "Das ist der unrühmliche Höhepunkt einer ganzen Serie von Vorkommnissen, die wir vor allem in Nordhessen hatten in der letzten Zeit." Die Grünen forderten eine intensive Schulung der Polizisten und eine zentrale Stelle zur Bekämpfung des Rechtsextremismus in der Staatskanzlei. Hermann Schaus, innenpolitischer Sprecher der Linken, sagte, man müsse "sehr vorsichtig und wachsam sein" gegenüber rechtsradikalen Tendenzen und fordert mehr Engagement der Landesregierung. Auch Günter Rudolph, der innenpolitische Sprecher SPD, sagte dem hr: "Wir müssen im präventiven Bereich mehr tun als bisher."

Die CDU warf der Linkspartei eine Instrumentalisierung des Angriffs vor. Dies sei "unwürdig und verwerflich". Für die FDP zeigt der rasche Fahndungserfolg, dass die hessische Polizei auf dem rechten Auge alles andere als blind sei.
 
Redaktion: mabr
Bild: © hr
 
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