Der Kasseler Panzerbauer Rheinmetall Landsysteme liefert auch Schützenpanzer des Typs Puma an die Bundeswehr.
Beim Kasseler Panzerbauer Rheinmetall Landsysteme (RLS) deuten sich Pläne zur Umstrukturierung an trotz positiver Geschäftszahlen. Die Beschäftigten sind beunruhigt, auch die IG Metall fürchtet Stellenstreichungen.
Laut einem Bericht der Zeitung HNA (Dienstag) könnten viele der 450 Mitarbeiter der Rüstungssparte durch die Umbaupläne ihren Arbeitsplatz verlieren. Auf einer Betriebsversammlung wurden am Montag Szenarien für eine Neuordnung des Geschäfts an den vier deutschen Standorten von RLS vorgestellt.
Bei allen vier Varianten wäre auch das Werk in Kassel betroffen. Die Rheinmetall-Geschäftsführung spricht offiziell von einer "langfristigen Absicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit auf der Produkt- und Kostenseite". Peter Rücker, Leiter der Unternehmenskommunikation, wollte eine damit einhergehende Reduzierung der 450 Mitarbeiter weder dementieren noch bestätigen.
Gewerkschaft rechnet mit Kündigungen
Der Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall befürchten eine drastische Verkleinerung des Mitarbeiterstamms in Kassel. Rheinmetall beschäftigt in Kassel fast 1.000 Menschen davon etwa 450 in der Panzersparte RLS. Parallel hat das Unternehmen mitgeteilt, dass in Kassel mehrere Führungskräfte ersatzlos ausgeschieden sind. Der örtliche Betriebsrat wertet dies als Indiz, dass die Zeichen in Nordhessen auf Personal- und Beschäftigungsabbau stehen.
"Man hätte am Montag zumindest aufgreifen können, was die geplanten Umstrukturierungen für den Standort Kassel bedeuten", sagt Reinhard Müller, RLS-Betriebsrat in Kassel, dem hr. Das sei jedoch nicht geschehen. "Nach der Mitarbeiterversammlung schwant den Mitarbeitern jetzt nichts Gutes". Müller und seine Kollegen wollen mit der Geschäftsführung über die Zukunft des Unternehmens verhandeln. Bis wann diese Beratungen abgeschlossen sein sollen, ist nicht bekannt.
Der Kasseler Bevollmächtigte der IG Metall, Oliver Dietzel, kritisierte das Vorgehen des Unternehmens. Die Wehrtechniksparte habe in der Vergangenheit oft genug den Konzern gestützt. Auch angesichts der aktuellen Geschäftslage sei ein Krisenszenario unangebracht, ein Sparen nach der Rasenmähermethode absolut nicht notwendig. "Die stehen schließlich nicht kurz vor der Pleite, sondern ihnen ist schlicht die Marge nicht hoch genug." Kürzlich hatte der Bund seinen Auftrag für den wichtigen Puma-Schützenpanzer reduziert. Dietzel kündigte entschlossenen Widerstand gegen die Sparpläne an.
Sparen trotz Gewinnerwartung
Der Rüstungskonzern und Autozulieferer Rheinmetall hat nach Ansicht von Analysten ein solides Vierteljahr hinter sich. Nachdem in der jüngsten Vergangenheit vor allem das Autozuliefergeschäft rund lief, könnten im zweiten Jahresviertel nun auch Impulse aus der Rüstung kommen.
Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Experten rechnen für das gesamte Jahr mit Umsatzbeiträgen der Rüstungssparte von 400 Millionen Euro zusätzlich, für das zweite Quartal reichen die Schätzungen von 70 bis 100 Millionen Euro. Rheinmetall selbst hatte auf einer Analystenveranstaltung einen starken Auftragseingang zwischen 700 und 800 Millionen Euro in den drei Monaten von April bis Juni angedeutet.