Das Versuchsfeld in Gießen vor dem Angriff der Aktivisten.
Vor dem Amtsgericht Gießen wird seit Dienstag gegen zwei Gentechnik-Gegner verhandelt. Den Angeklagten wird vorgeworfen, ein Versuchsfeld der Universität Gießen verwüstet zu haben.
Die Anklage lautet auf Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Mehrere Tage lang hatten die beiden 27 und 44 Jahre alten Mitglieder der so genannten Projektwerkstatt Saasen im Juni 2006 das Feld belagert, auf dem die Gießener Universität Versuche mit gentechnisch veränderter Gerste durchführte. Es war das erste Mal, dass außerhalb eines Labors genmanipulierte Gerste ausgesät worden war. Vor laufenden Fernsehkameras zerschnitten die Beschuldigten dann laut Anklage den Drahtzaun, betraten das Feld und zerstörten etwa ein Fünftel der Pflanzen.
Die Polizei verhinderte seinerzeit, dass noch weitere Teile des Feldes verwüstet wurden. Die Forscher beklagten, dass die Tat ihre Arbeit zum Teil zunichte gemacht habe. Einige Forschungsziele seien aber noch erreichbar. Bei den Versuchen ging es darum, die Gerste gentechnisch so zu verändern, dass sie gegen bestimmte Pilzerkrankungen resistent wird und sich besser als Hühnerfutter verwenden lässt.
Gegen zwei Mitangeklagte wurden die Verfahren gegen Zahlung einer Geldstrafe inzwischen eingestellt. Neben der Zerstörung des Gerstenfeldes wird den beiden Angeklagten auch die Beleidigung von Innenminister Volker Bouffier (CDU) vorgeworfen. Vor der Anwaltskanzlei des Ministers sollen sie die Worte "Kanzlei von Innenminister deckt Mörder" auf den Boden geschrieben haben. Für den Prozess sind mehrere Verhandlungstage angesetzt.