Ein massives Polizeiaufgebot am Samstag in Friedberg.
Rund hundert Rechtsextreme, fast tausend Gegner und mehrere Hundertschaften der Polizei fanden sich am Samstag in Friedberg ein. Die NPD hatte einen Aufmarsch ohne Auflagen per Gericht durchgesetzt.
Wegen der Gegendemonstranten hätten die Rechtsextremen bis zum Nachmittag an ihrem Treffpunkt, dem Burgtor am Rande der Innenstadt, ausharren müssen, sagte ein Polizeisprecher. Ihren geplanten Zug durch die Innenstadt sagte die Polizei ab, weil der Weg versperrt war. Mehrere Hundertschaften waren im Einsatz. Abgesehen von kleinen Rangeleien blieb es friedlich.
Die Polizei setzte auf Gespräche mit beiden Gruppen und wollte den Konflikt durch Deeskalation unter Kontrolle halten. Von einigen Gegendemonstranten wurden die Personalien aufgenommen. Zu der Gegendemonstration hatte das Bündnis "Wetterau gegen Nazis" aufgerufen, an dem sich rund 80 Gruppen, Organisationen und Kirchen beteiligen.
Bereits um 9 Uhr hatten sich mehrere hundert Menschen in der evangelischen Stadtkirche versammelt. Beim "Geh-Denken" zu einem jüdischen Friedhof und ehemaligen jüdischen Geschäftshäusern erinnterten sie an die Opfer des Nationalsozialismus. Bei den Pogromen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 stand auch in Friedberg die Synagoge in Brand.
Die Linkspartei kritisierte den Polizeieinsatz in Friedberg. "Mit einem doppelten Rechtsbruch hat die Polizei heute den Aufmarsch von Neo-Nazis durchgesetzt", erklärte der hessische Landeschef Ulrich Wilken. Die Gegendemonstranten seien eingekesselt und erst nach Feststellung ihrer Personalien wieder freigelassen worden. Beides verstoße "eindeutig gegen geltendes Recht".
Gericht kippte Auflagen
Die knapp vier Kilometer lange abgesperrte Strecke der NPD-Demonstration war kurz zuvor vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) und dem Gießener Verwaltungsgericht genehmigt worden. Die Stadt Friedberg hatte den Aufmarsch unter Auflagen gestellt. Doch das Verwaltungsgericht gab einem Eilantrag der NPD statt. Durch die Auflagen werde das Recht der Versammlungsfreiheit verletzt, so das Gericht. Der VGH in Kassel wies am Freitag eine Beschwerde der Stadt gegen die Entscheidung zurück.
Die NPD hatte bereits am 1. August versucht, in Friedberg zu demonstrieren. Damals stoppten rund 1.200 Gegendemonstranten den NPD-Aufmarsch schon am Bahnhof.