Die Studenten protestieren unter anderem gegen überfüllte Hörsäle.
Bildungsstreik in Gießen: Zum Auftakt einer Protestwoche haben Studenten am Montag ein Seminargebäude besetzt. Eine Studie kommt derweil zu dem Schluss, dass Hessen bei der Studienreform hinterherhinkt.
Mehr als 50 Studenten ließen am Montagmorgen niemanden mehr in das Haus des Fachbereichs Politik und Sozialwissenschaften. Vorlesungen und Seminare konnten dort nicht stattfinden.
Die Studierenden wollen mit der Aktion auf die aus ihrer Sicht schlechten Studienbedingungen hinweisen. Sie halten die Zustände mit vollen Hörsälen, zu wenigen Lehrkräften und steigendem Leistungsdruck für nicht länger hinnehmbar. Ähnliche Protestaktionen hatte in der vergangenen Woche bereits in Darmstadt und Marburg gegeben.
Außerdem protestieren die Studierenden gegen die Erhebung von Studiengebühren in anderen Bundesländern. Sie zeigten sich auch mit den Studierenden aus Österreich solidarisch, die bereits seit Wochen Hochschulen besetzt halten, um ebenfalls gegen die anhaltenden Missstände wie überlaufene Hörsäle vorzugehen.
Die österreichische Protestbewegung hat mittlerweile immer mehr Hochschulen in Deutschland erreicht. Am Dienstag wollen in zahlreichen Städten Menschen für bessere Studienbedingungen demonstrieren. Bei der zentralen hessischen Kundgebung in Wiesbaden werden neben Studenten auch Schüler und Lehrer erwartet, um auf die Situation an den Schulen aufmerksam zu machen.
Die Gießener Studenten wollen bei einer Vollversammlung am Mittwoch über das weitere Vorgehen diskutieren. Sie fordern ein selbstbestimmteres Lernen, freien Bildungszugang und die Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren. Zudem soll die Mit- und Selbstverwaltung in allen Bildungseinrichtungen gestärkt werden.
Stifterverband: Hessen in Schlussgruppe
Rückenwind erhielten die protestierenden hessischen Studenten am Montag vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Der hatte in einer Vergleichsstudie analysiert, welche Bundesländer wie erfolgreich in der Bologna-Umsetzung sind. Das am Montag präsentierte Ergebnis des "Länderchecks Wissenschaft" fiel für Hessen schlecht aus:
Die Umstellung auf Bachelor beziehungsweise Master verlaufe in Berlin, Brandenburg und Bremen gut, so der Verband, in dem Wissenschaft und Wirtschaft vertreten sind. Hessen landete dagegen in der Schlussgruppe. Auch bei studentischer Mobilität und bei akademischen Angeboten für lebenslanges Lernen liege Hessen gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen und Thüringen hinten.