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11.08.2012

Vom Balkon gesprungen

Verbrecher fliehen aus Psychiatrie

Der Sicherheitszaun vor dem Maßregelvollzug in Hadamar (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
Der Sicherheitszaun vor dem Maßregelvollzug in Hadamar
Drei drogensüchtigen Straftätern ist in der Nacht zum Samstag die Flucht aus dem Maßregelvollzug der Psychiatrie in Hadamar gelungen. Sie überwanden alle Sicherheitsvorkehrungen und sprangen von einem Balkon ins Freie.
 
Video: Drei Verbrecher fliehen aus Psychiatrie 3:12 Min
(© hr | hessenschau, 11.08.2012)
Gegen 3.45 Uhr hatte beim Sicherheitspersonal im Maßregelvollzug für drogensüchtige Straftäter der Vitos Klinik in Hadamar (Limburg-Weilburg) der Alarm geschrillt. Doch da war es schon zu spät. Drei wegen Raubüberfällen und Drogendelikten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilte Männer im Alter von 23, 28 und 30 Jahren waren entkommen.

Das Trio konnte nach Angaben der Polizei alle Sicherheitseinrichtungen in dem gefängnisartigen Gebäude der psychiatrischen Einrichtung überwinden und schließlich über einen Notbalkon im 1. Stock ins Freie gelangen.

Mehrere Funkstreifen suchten sofort die nähere Umgebung rund um Hadamar ab. Doch in der Dunkelheit war von den Geflohenen nichts mehr zu sehen. Die Fahndung, an der auch die Bundespolizei beteiligt war, habe keinen Hinweis auf den weiteren Fluchtweg der drei Männer ergeben, sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die drei Männer inzwischen getrennt haben und jeder die Flucht auf eigene Faust fortsetzt.
 

Raubüberfälle und Drogendelikte

Sie türmten aus Hadamar (v.l.): Rimas P., Anton A. und Dietrich D. (Bild: Presse Limburg)
Sie türmten aus Hadamar (v.l.): Rimas P., Anton A. und Dietrich D.
Die Verbrecher saßen in der Klinik in Hadamar und nicht in einer Justizvollzugsanstalt ein, weil sie drogensüchtig sind und sich einer Therapie unterzogen. Der jüngste von ihnen ist ein 23-Jähriger. Der zuletzt in Kirchhain bei Marburg wohnende Mann war 2011 wegen schweren Raubes zu vier Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden.
 
Mit ihm floh ein wegen Drogendelikten zu fünf Jahren und elf Monaten verurteilter 30-Jähriger. Zuletzt lebte er in Hanau. Der dritte Flüchtling ist ein 28-Jähriger ohne festen Wohnsitz. Er befand sich seit einem Jahr im Hadamarer Maßregelvollzug, nachdem ihn das Landgericht Gießen wegen räuberischer Erpressung zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt hatte.
 

Mehr Sicherheit durch Neubau

Die Klinik hatte ihre Sicherheitsvorkehrungen in den vergangenen Jahren verschärft, nachdem immer wieder Insassen geflohen waren. Nach Angaben von Vitos konnte die Einrichtung so "Entweichungen unter Überwindung der Sicherheitseinrichtungen auf wenige Fälle reduzieren" - auf 1.000 Fälle komme statistisch eine Flucht. Zuletzt war im Januar dieses Jahres ein als gefährlich geltender Verbrecher getürmt, später aber wieder gefasst worden.

Ursprünglich war das Krankenhaus nicht für die Unterbringungen von drogensüchtigen Straftätern gedacht, deren Zahl zudem gestiegen ist. Bis 2015 soll deshalb mit Geld des für den Maßregelvollzug verantwortlichen Landes Hessen ein rund 40 Millionen Euro teurer Neubau entstehen – nicht nur aus Sicherheitsgründen.

Die mit zeitweise fast 240 Menschen belegte Klinik war immer wieder an die Grenzen ihrer Kapazität gestoßen. Außerdem soll der Neubau bessere Möglichkeiten zur Therapie der Straftäter bieten.
 
Maßregelvollzug
Im Maßregelvollzug in Hadamar werden Straftäter behandelt, deren Taten im Zusammenhang mit ihrer Sucht stehen – zum Beispiel, weil sie im Rausch begangen wurden. Die zeitlich nicht festgelegte Behandlung wird neben der Freiheitsstrafe von Gerichten angeordnet, wenn Aussicht auf einen Erfolg der Therapie besteht. Die Klinik in Hadamar ist eine von nur zwei Einrichtungen in Deutschland mit einer reinen Frauenstation für suchtkranke Straftäterinnen.
 
Redaktion: wotu / mape
Bilder: © Presse Limburg (1), © picture-alliance/dpa - Archiv (1)
Letzte Aktualisierung: 11.08.2012, 21:53 Uhr
 
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