In den umsatzstarken Wochen vor Weihnachten beschäftigt das weltweit größte Online-Versandhaus Amazon Tausende von Leiharbeitern in seinen deutschen Logistikzentren wie dem im osthessischen Bad Hersfeld. Sie kommen aus Osteuropa und Krisenländern wie Spanien. Ihre Arbeits- und Wohnsituation in dieser Zeit ist mehr als dürftig, wie die hr-Reporter Diana Löbl und Peter Onneken in ihrer Dokumentation "Ausgeliefert!" aufdeckten. (Wdh. am 24.3. um 18:30 Uhr im hr-fernsehen)
Nach ihren Recherchen leiden die Menschen vor allem unter den Mitarbeitern des privaten Sicherheitsdiensts H.E.S.S. Security, die sie auf Schritt und Tritt kontrollieren. Brisant: Für die Security arbeiten bullige Männer mit kurz geschorenen Haaren und in "Thor Steinar"-Jacken - eine Marke, die bevorzugt von Rechtsextremen getragen wird und bei Amazon aus diesem Grund nicht mehr verkauft wird. Und in der Tat scheint es Verbindungen von H.E.S.S. Security in die Neonazi-Szene zu geben.
Amazon erteilte trotz wiederholter Anfrage über Monate hinweg keine Drehgenehmigung und auch sonst keine Auskunft. Mitarbeiter des dubiosen Sicherheitsdiensts versuchten sogar, Löbls und Onnekens Filmmaterial zu beschlagnahmen.
In Ihrer Dokumentation "Ausgeliefert!" fragen Sie, wer am Ende die Rechnung für die günstigen Preise bei Deutschlands größtem Online-Händler Amazon zahlt. Wer zahlt?
Diana Löbl: Das sind die Beschäftigten in den Logistikzentren wie dem im osthessischen Bad Hersfeld, sowohl Angestellte wie Leiharbeiter.
Peter Onneken: Die wenigen Aushilfen verdienen schon unter zehn Euro brutto in der Stunde, bei den Leiharbeitern liegt der Lohn sogar noch einmal zum Teil deutlich darunter.