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Reportage über Amazon

"Hauptsache, die Leiharbeiter sind billig"

Arbeiter vor vielen Kisten im Amazon-Logistizentrum Bad Hersfeld. (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Arbeiter im Amazon-Logistizentrum Bad Hersfeld.
Sie leben eingepfercht in ihren Unterkünften, werden rund um die Uhr überwacht und mies bezahlt - die Leiharbeiter bei dem Online-Versandhaus Amazon in Bad Hersfeld leben nahezu rechtlos, wie die beiden hr-Reporter Diana Löbl und Peter Onneken in ihrer Reportage zeigen.
 

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13.02.2013, 19:30 Uhr
Video: Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon 6:43 Min
(© hr | hessenschau, 13.02.2013)
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In den umsatzstarken Wochen vor Weihnachten beschäftigt das weltweit größte Online-Versandhaus Amazon Tausende von Leiharbeitern in seinen deutschen Logistikzentren wie dem im osthessischen Bad Hersfeld. Sie kommen aus Osteuropa und Krisenländern wie Spanien. Ihre Arbeits- und Wohnsituation in dieser Zeit ist mehr als dürftig, wie die hr-Reporter Diana Löbl und Peter Onneken in ihrer Dokumentation "Ausgeliefert!" aufdeckten. (Wdh. am 24.3. um 18:30 Uhr im hr-fernsehen)

Nach ihren Recherchen leiden die Menschen vor allem unter den Mitarbeitern des privaten Sicherheitsdiensts H.E.S.S. Security, die sie auf Schritt und Tritt kontrollieren. Brisant: Für die Security arbeiten bullige Männer mit kurz geschorenen Haaren und in "Thor Steinar"-Jacken - eine Marke, die bevorzugt von Rechtsextremen getragen wird und bei Amazon aus diesem Grund nicht mehr verkauft wird. Und in der Tat scheint es Verbindungen von H.E.S.S. Security in die Neonazi-Szene zu geben.

Amazon erteilte trotz wiederholter Anfrage über Monate hinweg keine Drehgenehmigung und auch sonst keine Auskunft. Mitarbeiter des dubiosen Sicherheitsdiensts versuchten sogar, Löbls und Onnekens Filmmaterial zu beschlagnahmen.


In Ihrer Dokumentation "Ausgeliefert!" fragen Sie, wer am Ende die Rechnung für die günstigen Preise bei Deutschlands größtem Online-Händler Amazon zahlt. Wer zahlt?

Diana Löbl: Das sind die Beschäftigten in den Logistikzentren wie dem im osthessischen Bad Hersfeld, sowohl Angestellte wie Leiharbeiter.
Peter Onneken: Die wenigen Aushilfen verdienen schon unter zehn Euro brutto in der Stunde, bei den Leiharbeitern liegt der Lohn sogar noch einmal zum Teil deutlich darunter.
 
Sie erfuhren, dass im Weihnachtsgeschäft nicht einmal jeder Vierte im Bad Hersfelder Logistikzentrum unbefristet beschäftigt ist. Woher kommen die Tausenden von Leiharbeitern?

Diana Löbl: 2011 kamen sie wohl noch überwiegend aus Polen, 2012 dann vermehrt aus Spanien. Es waren typische Opfer der Rezession dort, Lehrer, Akademiker.
Peter Onneken: Das unterscheidet sich von Standort zu Standorten. Die Devise ist aber: Hauptsache, die Leiharbeiter sind billig.
Diana Löbl: Im vorigen Jahr wurde erstmals zur Bedingung gemacht, dass die angeworbenen Leiharbeiter wenigstens ansatzweise Deutsch oder Englisch verstehen.
 
 (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Vor Weihnachten beschäftigt Amazon viele Leiharbeiter.
Die Leiharbeiter werden in vollen Bussen zu ihrem Schichtdienst gefahren, in überfüllten Ferienanlagen in Osthessen untergebracht und dort von einem Sicherheitsdienst ständig überwacht. Warum tun die Menschen sich das an?

Diana Löbl: Das alles wird ihnen bei ihrer Anwerbung in ihren Heimatländern nicht gesagt. Und weil ihre Situation zu Hause so mies ist, verdienen sie hier trotz allem vergleichsweise gutes Geld, mit dem sie ihre Familien finanzieren. Aber von allen, mit denen wir sprachen, hörten wir, dass ihnen das mit der Security zu weit ging.
Peter Onneken: Es ist eine klassische Globalisierungsgeschichte, die aber diesmal mitten in Deutschland spielt: Hier müssen nun mal die Pakete für die deutschen Kunden gepackt werden. Die Frage ist, ob die Amazon-Kunden nicht erwarten, dass die, die ihre Weihnachtsgeschenke auf den Weg bringen, ordentlich behandelt werden.
 
Wieso kommen Amazon und die von dem Unternehmen beauftragten Leiharbeitsfirmen damit durch?

Diana Löbl: Weil sich keiner beschwert. Ein Gewerkschaftssekretär sagte zu uns, die Leiharbeiter seien faktisch rechtlos. Sie leben nur für einige Wochen in Deutschland, die Arbeitsbedingungen sind ihnen auch ziemlich egal. Es ist schlicht niemand für sie zuständig, auch keine Gewerkschaft.
Peter Onneken: Die Leiharbeiter tauchen auch in unserem Alltag nicht auf, etwa in einer Fußgängerzone. Sie leben in Feriendörfern, die im Winter sonst völlig verwaist wären. Es ist, als wären sie gar nicht da.
 
Dann stießen Sie auf Hinweise, dass die Sicherheitsfirma, die im osthessischen Feriendorf Kirchheim die Leiharbeiter überwacht, Verbindungen in die Neonazi-Szene hat.

Peter Onneken:Irgendwann wurden wir auf das auffällig bullige Äußere der Männer aufmerksam, manche von ihnen trugen Jacken von "Thor Steinar", einer in der Szene beliebten Marke. Dann dieser Name: H.E.S.S. Security - wie der Name von Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß. Der Geschäftsführer der Firma zeigt sich auf Fotos im Internet mit verurteilten Rechtsextremen.
 
Redaktion: stlo / paab
Bilder: © picture-alliance/dpa (2)
Letzte Aktualisierung: 20.02.2013, 14:57 Uhr
 
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