Der Bergsträßer Landrat Matthias Wilkes (CDU) hat die geplante Mauer um das Atommüll-Zwischenlager in Biblis scharf kritisiert. Sie biete keinen Schutz gegen Terrorangriffe, sei aber ein weiterer Schritt, das Lager zum Endlager auszubauen.
Dass die Behörden nun Sicherheitsrisiken in Biblis sehen, überrasche ihn, sagte Wilkes. Das Bundesumweltministerium habe ihm noch vor wenigen Wochen auf eine Anfrage hin bestätigt, dass das Zwischenlager im gegenwärtigen Zustand sicher vor Terrorangriffen sei, so der Landrat am Donnerstag.
Wie ein Sprecher des Betreibers RWE am Mittwoch hr-iNFO sagte, soll um das Zwischenlager eine zehn Meter hohe Mauer aus Stahlbeton gezogen werden. Einen entsprechenden Bauantrag habe RWE bereits im Oktober bei der Baubehörde des Kreises Bergstraße gestellt.
Nach Wilkes Ansicht bietet die Mauer keinen ausreichenden Schutz vor Terrorangriffen oder Flugzeugabstürzen, da das Gebäude 18 Meter hoch sei. Zudem bestehe aufgrund der Nähe zum Frankfurter Flughafen weiterhin das Risiko eines Flugzeugabsturzes. Aus diesem Grund "muss das Zwischenlager weg", so Wilkes. Er befürchte, dass die Errichtung der Mauer ein weiterer Schritt sei, dass aus dem Zwischenlager ein Endlager werde. "Wir kommen immer mehr in die Situation, von einem faktischen Endlager zu sprechen", so Wilkes.
Er wolle die Genehmigung sehr kritisch auf den Prüfstand stellen, sagte Wilkes. Deshalb könne über den Bauantrag frühestens im Juni entschieden werden - in welche Richtung sei aus seiner Sicht völlig offen.
Obwohl das Atomkraftwerk abgeschaltet ist, darf Biblis bis zum Jahr 2046 als Zwischenlager genutzt werden. Das hatte das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt entschieden. Der Kreis Bergstraße wollte diese Entscheidung allerdings anfechten. Derzeit sind in Biblis laut Betreiber RWE insgesamt 51 Atommüll-Fässer gelagert.
Grünen sehen Beweis für Gefahr durch Atomkraft
Die Grünen im Landtag begrüßten zwar die geplanten Sicherheitsmaßnahmen. Die Notwendigkeit einer Schutzmauer zeige aber auch, wie gefährlich die Atomkraft sei und wie wichtig es war, die Atomkraftwerke auszuschalten, sagte Fraktionschef Tarek Al-Wazir.
Auch die anderen Zwischenlager für hochradioaktiven Müll in Deutschland sollen besser geschützt werden. Auf die Sicherheitsmaßnahmen haben sich nach Angaben des Bundesumweltministeriums die Kraftwerksbetreiber bereits im vergangenen Jahr mit den Atomaufsichtsbehörden der Länder geeinigt.