Hohe Berge, Steigungen, Gegenwind: Für manche eine Herausforderung, für andere Radfahrer nicht zu schaffen. Anders mit Elektrofahrrädern der leichte Tritt hat allerdings seinen Preis.
Von Marco Schleicher, hr-online
"Das ist, als ob man ständig mit Rückenwind fährt", sagt Anneli Hufer aus Groß-Gerau. Die 71-Jährige ist seit vielen Jahren leidenschaftliche Radfahrerin. Rückenprobleme, Arthrose und ein neues Kniegelenk haben ihr in den vergangenen Jahren aber immer öfter die Tour vermasselt. "Jedesmal wenn ich vom Rad gestiegen bin, konnte ich kaum noch stehen."
Neuer Spaß am Radfahren: Anneli Hufer.
Im Fernsehen hat sie von den neuen Elektro-Fahrrädern erfahren, sich im Internet kundig gemacht und im Laden einen passenden Drahtesel gekauft. "Jetzt überhole ich die anderen Radfahrer", freut sich Anneli Hufer. Die erkennen sie aber als E-Bikerin und rufen manchmal 'unfair' oder 'pfui' hinterher. "Aber das ist natürlich nur Spaß", schmunzelt Hufer.
Kraftspritze aus dem "E-Heck"
Der eingebaute Elektromotor erleichtert den Tritt in die Pedale. Bis zu 250 Watt Leistung kann ein Elektrofahrrad auf die Straße bringen. Das ist ungefähr so viel wie ein Fahrer bei der Tour de France erreicht. Die nötige Energie kommt aus dem Tank auf dem Gepäckträger: Ein Akku, der spätestens nach 70 Kilometern an die normale Steckdose geklemmt werden muss. Wer vergisst aufzuladen, muss sich doppelt abstrampeln. Man kann zwar trotzdem weiterfahren, das geht wegen des hohen Gewichts aber viel schwerer als mit einem normalen Rad.
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Elektrofahrrad, E-Bike oder E-Rad verschiedene Bezeichnungen meinen das gleiche. Je nach Ausstattung und Leistung gelten aber andere gesetzliche Bestimmungen. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) unterscheidet deshalb vier Typen.
Das "Elektrofahrrad" ist mit dem normalen Fahrrad gleichgesetzt. Der Motor unterstützt den Fahrer beim Tritt in die Pedale, aber nur bis maximal 25 km/h. Radwege müssen mitbenutzt werden. Das "Elektrofahrrad mit Anfahr- und Anschiebhilfe" dagegen gilt schon als Kraftfahrzeug. Wer nach dem 1.4.1965 geboren ist, der braucht mindestens den Mofa-Führerschein. Auf Radwegen darf es aber gefahren werden.
Von einem "schnellen E-Bike" spricht der ZIV, wenn Geschwindigkeiten über 25 Kilometer pro Stunde und maximal bis 45 Kilometer pro Stunde erreicht werden. Radwege sind für dieses Bike nur außerorts erlaubt, innerorts nur dann, wenn das Zusatzschild Mofa vorhanden ist. Außerdem muss das "schnelle E-Bike" versichert werden und braucht ein entsprechendes Kennzeichen. Das "Elektro-Leichtmofa" fährt bis zu 20 Kilometer pro Stunde ohne, dass man in die Pedale treten muss. Helmpflicht besteht weder bei diesem noch bei den anderen drei Typen.
Der ZIV schätzt, fast alle der 600.000 Pedelecs ("Pedal Electric Cycle") in Deutschland sind einfache Elektrofahrräder. Das sind fünf Prozent aller Verkehrsteilnehmer. "Wir wollen in ein paar Jahren 10 bis 15 Prozent erreichen", sagt ZIV-Sprecher Stephan Schreyer. Die Verkaufszahlen der vergangenen Jahre zeigen deutlich einen Trend: Noch nie wurden so viele Elektrobikes verkauft wie im Jahr 2010. Alleine für dieses Jahr rechnet Schreyer mit 300.000 verkauften Elektro-Drahteseln. Zum Vergleich: 2005 waren es noch rund 70.000.
Um ein günstiges Vergnügen handelt es sich allerdings nicht: Die Preise reichen von 700 bis zu etwa 4.000 Euro im hochpreisigen Segment. Dass die teuren Zweiräder auch Sicherheitsmängel haben können, geht aus einer aktuellen Untersuchung von Stiftung Warentest und ADAC hervor. Vier von zwölf getesteten Räder offenbarten Probleme mit den Bremsen.
Dennoch: Anneli Hufer liegt mit ihrem neuen E-Bike voll im Trend. Wenn sie durchs hessische Ried radelt bekommt sie von der elektrischen Kraftspritze nicht viel mit. "Es rauscht ein bisschen. Normale Mountain-Bikes mit großem Reifenprofil sind da wesentlich lauter", sagt Hufer.
Für ihr Pedelec musste auch sie tief in die Tasche greifen. 1.400 Euro kostete das E-Bike. Der Preis hat die 71-Jährige erst abgeschreckt, sie hat sich dann aber doch dafür entschieden: "Ich fahre so gerne Rad und mit dem Elektrofahrrad macht das noch mehr Spaß. Ich kann das jedem nur empfehlen."