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31.01.2013

Hintergrund

Wahlfreiheit auf dem Weg zum Abi

Die Qual der Schulwahl: G8 oder G9? (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Die Qual der Schulwahl: G8 oder G9?
G8 oder zurück zu G9? Das dürfen Hessens Gymnasien ab dem kommenden Schuljahr selbst entscheiden. hr-online erklärt, was die Schulreform für Eltern und Schüler bedeutet.
 
Viel Lernstoff, Hausaufgaben ohne Ende, keine Zeit für Hobbys – die verkürzte Gymnasialzeit G8 hat in den letzten Jahren bei Schülern, Eltern und Lehrern für Frust gesorgt. Nach acht Jahren Streit ums "Turbo-Abi" soll im Sommer nun alles besser werden: Gymnasien haben nun eine "Wahlfreiheit" – sie dürfen vom kommenden Schuljahr an selbst entscheiden, ob sie das Abitur nach acht (G8) oder neun Jahren (G9) anbieten. Voraussetzung: Die Schulkonferenz beschließt dies im Einvernehmen mit dem Schulträger.

Die Wiedereinführung von G9 haben in Frankfurt zum Beispiel bereits die Helene-Lange-Schule und Schillerschule sowie die Ziehenschule und Bettinaschule angekündigt.
 

Eltern müssen bis Anfang März entscheiden

Mit der Schulreform, die die Regierungsfraktionen CDU und FDP sowie die oppositionellen Grünen im vergangenen Dezember beschlossen hatten, haben die Eltern nun die Qual der Wahl: Falls ihr Kind auf eine weiterführende Schule gehen soll, müssen sie bis Anfang März entscheiden, ob sie es an einem G8- oder G9-Gymnasium anmelden wollen.

Vielen Eltern geht die Kehrtwende der Landesregierung nicht weit genug: Denn auf Schüler, die derzeit die fünfte oder sechste Klasse besuchen, trifft die neue Regelung nicht zu. Sie gilt nur für Viertklässler. Die älteren Kinder müssen bei G8 bleiben, auch wenn ihr Gymnasium im neuen Schuljahr zum neunjährigen Weg zurückkehrt.
 

Elterninitiative für Fünft- und Sechstklässler

Eltern aus ganz Hessen haben deshalb eine Initiative gegründet und eine Petition gestartet. Damit soll erreicht werden, dass die Schüler, die aktuell in der 5. oder 6. Klasse sind, noch zu G9 wechseln können. Es kamen insgesamt fast 22.500 Unterschriften zusammen, die am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden überreicht wurden.

Einige Gymnasien und Kooperative Gesamtschulen bieten ab kommendem Schuljahr im Rahmen eines Modellversuchs beide Abi-Arten parallel an. Die Schüler lernen in der fünften und sechsten Klasse unter G8-Bedingungen; danach können sie, wenn sie wollen, in eine G9-Klasse wechseln.
 

SPD will G8 ganz abschaffen

An allen anderen Gymnasien gibt es das Angebot nicht, da heißt es entweder G8 oder G9. Im Klartext bedeutet dies: Kehrt keine Schule in der Nähe zu G9 zurück, haben diejenigen Eltern Pech gehabt, die sich für ihre Kinder ab der fünften Klasse den neunjährigen Weg zum Abitur wünschen.

Mit der aktuellen Reform wird der Streit um die bestmögliche Schulpolitik in Hessen deshalb sicher nicht enden. Schließlich ist bald wieder Wahlkampf-Zeit: Hessens SPD kündigte zum Beispiel bereits an, G8 im Falle eines Sieges von Rot-Grün bei der kommenden Landtagswahl vollständig abzuschaffen.

Lockerung für Gesamtschulen schon 2008

Die CDU-Alleinregierung unter dem früheren Ministerpräsidenten Roland Koch hatte 2004 die verkürzte Gymnasialzeit von acht Jahren (G8) eingeführt, im Rahmen einer bundesweiten G8-Reform. Danach wird das Abitur nicht mehr nach insgesamt 13, sondern bereits nach 12 Jahren Schule abgelegt. Das sogenannte Turbo-Abi sorgt aber bis heute wegen der Verdichtung des Lernstoffs für Unmut bei Eltern, Lehrern und Schülern.

Eine Lockerung von G8 gab es bereits rund vier Jahre später: Die Kooperativen Gesamtschulen bekamen im Schuljahr 2008/2009 die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 wieder. Seitdem ist rund die Hälfte der 116 Kooperativen Gesamtschulen zu G9 zurück gekehrt. Auch in anderen westdeutschen Bundesländern geht der Trend wieder zum Abitur nach neun Jahren zurück.
 
Redaktion: suma
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 31.01.2013, 17:08 Uhr
 
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