Elenas Nachmittage sind mit Hausaufgaben überfüllt, Maja hat Schwierigkeiten abzuschalten. In hr-online erzählen die beiden Schülerinnen, die seit einigen Jahren mit G8 zurechtkommen müssen, von ihrem täglichen Schulstress.
2004 wurde das "Turbo-Abi" in Hessen eingeführt ab dem kommenden Schuljahr wird es korrigiert: Gymnasien können fortan zwischen G8 und G9 wählen. Der politische Streit um den Weg zum Abitur dürfte aber dennoch weitergehen. Geführt wird er vor allem zwischen Politikern, Eltern und Experten. Die Schüler selbst werden kaum gehört. hr-online-Praktikantin Alexandra Breunig (15) hat sich mit zwei Schülerinnen unterhalten.
Elena besucht die 6. Klasse in Frankfurt.
Der Tagesablauf von Elena ist "voll mit Hausaufgaben", nur manchmal habe sie Zeit, sich mit ihren Freunden zu treffen, erklärt die Elfjährige im Gespräch mit hr-online. Zweimal pro Woche hat die Sechstklässlerin Nachmittagsunterricht, dann sitzt sie noch bis etwa 20 Uhr über den Hausaufgaben, bevor sie schlafen gehen kann. Elena, die in Frankfurt in die Schule geht, wünscht sich mehr Freizeit, um sich mit Freunden treffen zu können und um einfach mal zu entspannen. Könnte sie heute frei wählen, würde sie daher zu G9 tendieren.
Doch ganz sicher ist sie nicht: Denn auf der anderen Seite hätte sie dann mit 18 schon das Abitur und wäre schon erwachsen genug, um in die Berufswelt einzusteigen "und man hat auch mehr Freizeit, weil man keine Schule mehr hat". Trotz des Zeitdrucks durch G8 habe ihr Lehrer genug Zeit für sie, erklärt Elena: "Wenn ich etwas nicht verstehe, gehe ich einfach nach vorne und dann erklärt er mir das auch gut und gründlich."
"Die meisten haben das nicht geschafft"
Neuntklässlerin Maja aus Bad Vilbel.
Auch in Majas Klasse nähmen sich die Lehrer genug Zeit für den Einzelnen. "Aber was ich von meinen Mitschülern aus Parallelklassen höre, die teilweise 30 Leute in der Klasse sind, glaube ich nicht, dass der Lehrer da noch durchblickt." Ihre Klasse sei deutlich kleiner geworden im Laufe der Zeit. "Die meisten haben das nicht geschafft, was eventuell auch an G8 liegt." In der fünften Klasse waren sie noch 30 Schülerinnen und Schüler, jetzt nur noch 16.
Maja (14) aus Bad Vilbel ist in der Regel um halb vier zu Hause. Dann macht sie Hausaufgaben und lernt für Klassenarbeiten, bis ungefähr 18 Uhr. Abschalten fällt ihr danach sehr schwer: "Ich habe immer noch die Gedanken von der Schule im Kopf, weil man eigentlich nie fertig wird". Wenn Maja mehr Freizeit hätte, würde sie "mehr Sport machen oder etwas Künstlerisches, ein Musikinstrument anfangen etwa." Außerdem würde auch sie sich mit ihren Freunden treffen und sich mit ihrer Familie beschäftigen. "Ich fände es eine ganz gute Sache, wenn man länger Schule hätte, und die Hausaufgaben und das Lernen schon dort erledigen würde. Und dann nach Hause kommt und einfach gar nichts mehr hat." Das entspräche einer Ganztagsschule.
Mit Angst in die Schule
Auch Maja würde sich heute wahrscheinlich für G9 entscheiden, wenn sie die Wahl hätte. "Obwohl, bei G8 finde ich positiv, dass wir ein Jahr früher fertig sind. Aber da denke ich mir dann doch, was bringt mir das eine Jahr, wenn ich dafür acht Jahre vorher nur Stress hatte. Da mache ich lieber das eine Jahr mehr." Je nach dem, was an dem Tag für Unterricht stattfindet, habe sie sogar manchmal ein wenig Angst vor der Schule "weil man irgendwie immer so einen großen Druck hat". Und auch müde sei man immer, berichtet Maja.
Trotz allem findet die Neuntklässlerin "G8 gar keine so schlechte Idee, nur dann müssten sie das auch besser umsetzen, indem sie den Lehrplan anschauen und nur das Wichtigste mit uns durchnehmen". Es könne eventuell ein Vorteil sein, dass man sich in dem einen Jahr schon in der Uni eintragen kann. Es dauere ja, bis man dort einen Platz bekomme. "Aber auf der anderen Seite würde ich trotzdem gerne das eine Jahr mehr machen, weil ich dann mehr von meiner Jugend hätte".