Mit einer Petition fordert eine Elterninitiative, die Abkehr von G8 auch auf Fünft- und Sechstklässler auszuweiten. Kultusministerin Nicola Beer (FDP) warnte am Donnerstag im Landtag, eine Elterngruppe dürfe nicht alle anderen dominieren.
Knapp 22.500 Eltern haben dafür unterschrieben: Auch die Schüler in den derzeitigen Jahrgangsstufen fünf und sechs der G8-Gymnasien sollen zum kommenden Schuljahr die Chance erhalten, in den um ein Jahr längeren Gymnasialgang (G9) zu wechseln. Das fordert die Elterninitiative "G9-Wahl.de" in ihrer Petition, die vor gut einem Monat gestartet worden war. "Es zeigt, dass diese Elterninitiative ein Thema anspricht, das die Menschen in Hessen berührt", sagte der Sprecher der Initiative, Andreas Bartels.
Im Landtag löste dies am Donnerstag unterschiedliche Reaktionen aus. Die Opposition unterstützte in einer Debatte die Elterninitiative. Kultusministern Beer ignoriere mit nie da gewesener "Kaltschnäuzigkeit" den Elternwillen, sagte der Schulexperte der Grünen, Mathias Wagner. Die SPD-Landtagsabgeordnete Heike Habermann erklärte, die Petition sei ein Beleg für die Unzufriedenheit "mit dem G8-Murks von Schwarz-Gelb". Barbara Cárdenas von den Linken teilte mit, die Landesregierung müsse einsehen, dass "das Gros der Eltern Nein zum G8-Stress sagt".
Beer entgegnete, sie müsse das Wohl aller Schüler im Auge haben. Es dürfe nicht der Wille einer Elterngruppe alle anderen dominieren. Viele hätten sich bewusst für G8 entschieden, sagte Beer. Der CDU-Abgeordnete Günter Schork warnte vor Mobbing gegen jene Schüler, die beim Turbo-Abi G8 bleiben wollen.
Auslöser der Petition ist eine Änderung des hessischen Schulgesetzes vom vergangenen Dezember. Danach können Gymnasien ab dem nächsten Schuljahr wieder G9-Schulgänge anbieten. Dies soll allerdings nur für Schüler gelten, die neu an die Schule kommen. Die Elterninitiative fordert hingegen, dass auch die derzeitigen Fünft- und Sechstklässler die Wahlfreiheit erhalten sollen. "Es müsste möglich sein, die Landesregierung zu bewegen, das zu ändern", gab sich Bartels zuversichtlich.
Landtagspräsident nimmt Unterschriften nicht an
Die mehr als 22.000 Unterschriften wurden am Donnerstag im Wiesbadener Landtag überreicht. Die Übergabe löste einigen Wirbel aus: Die Initiative musste die Unterschriften vor dem Parlament an Vertreter aller Fraktionen - auch CDU und FDP - übergeben.
Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) hatte eine persönliche Annahme abgelehnt. Der CDU-Politiker hatte vor wenigen Tagen erklärt, künftig keine öffentlichen Petitionen mehr persönlich entgegenzunehmen. Er begründete dies damit, dass alle rund 1.000 Eingaben, die der Landtag jährlich erhalte, gleich behandelt werden sollten. Er müsse neutral bleiben.
"Ich finde es sehr schade", sagte dazu der Sprecher der Initiative Bartels. Die Opposition wertete die Nicht-Annahme als weiteres Indiz für die Ignoranz der Landesregierung gegenüber dem Elternwillen.