hr-online Informationen aus Hessen
ARD.de Hilfe Feedback Chats und Foren
 

Partnervermittlung

Allein und abkassiert

Frau allein am Strand (Bild:  colourbox.com)
Vergrößern
Wie findet man den richtigen Partner?
Das Alleinsein haben viele Singles satt - doch Berufs- und Alltagsstress lassen kaum Zeit zur Partnersuche. Wer ein Vermittlungsinstitut einschaltet, sollte auf der Hut sein: Viele "Institute" sind unseriös.
 

Thema in

Sendungslogo
29.09.2008, 18:50 Uhr
In dem Maße, in dem die Anforderungen an das tägliche Leben wachsen, scheinen die Chancen für Singles geringer zu werden, einen passenden Partner zu treffen. Von den heute 30- bis 39-Jährigen klagen fast 80 Prozent, dass der Job ihnen für ein Privatleben kaum Spielraum lässt. Mehr Ehescheidungen und eine stetig sinkende Zahl intakter Familienverbände sind die Ursache dafür, dass immer mehr Frauen und Männer, mit oder ohne Kinder, ungewollt als Singles leben. Eigentlich dürfte es bei der Masse an Alleinlebenden nicht schwer sein, den geeigneten Lebenspartner zu finden - aber wann und wo trifft man sie oder ihn?
 

Ein Fallbeispiel:

So ging es auch Frau D. aus unserem Beitrag. Ihre Versuche, im Sportverein und in der Wandergruppe einen Mann kennen zu lernen, schlugen fehl. Sie wandte sich an ein Partnervermittlungsinstitut und unterschrieb einen Vertrag. Mit der Vermittlungsgebühr in Höhe von 1904 Euro musste Frau D. in Vorleistung treten, und bei erfolgreicher Vermittlung sollten weitere 416 Euro fällig werden. Während die Partnervorschläge auf sich warten ließen, flatterten Werbeprospekte für Farbberatungen ins Haus. Kostenpunkt: weitere 200 Euro. Nur insgesamt acht Namen potentieller Partner wurden Frau D. unterbreitet - eine bittere Enttäuschung. Denn nicht nur die Vermittlungsgebühr war futsch, auch das von der Agentur versprochene Glück hatte sich nicht einmal ansatzweise eingestellt.

Partnervermittlungsagenturen haben den Markt mit der Hoffnung auf die große Liebe für sich entdeckt und sprießen wie Pilze aus der Erde. Und das Geschäft ist sehr einträglich: Rund 1500 Institute setzen jährlich mehr als eine halbe Milliarde Euro um. Eine große Zahl schwarzer Schafe nutzt den Boom. Deshalb ist bei der Auswahl eines solchen Vermittlungsinstituts Vorsicht geboten. Folgende Tipps können helfen, einen seriösen Anbieter zu finden.
 

Worauf ist bei der Wahl des Vermittlers zu achten?

  • Unseriöse Anbieter locken in Anzeigen mit Partnersuchenden, die einem Idealbild entsprechen. In Wirklichkeit existieren diese perfekten, mit optimalen Charaktermerkmalen ausgestatteten Menschen gar nicht. Es wäre ein Irrtum zu glauben, eine solche Person treffen zu können. Ein Partnervermittlungsinstitut, das so auf Kundenfang geht, ist unseriös, weil es seine Kunden irreführt.
  • Besondere Vorsicht ist geboten bei Hausbesuchen der Vermittler. Die Agenturen führen diese zum Zweck der Einschätzung der Finanzkraft des Kunden durch. Anhand der Wohnung und der Möbel erkennt der Vermittler sofort, was der Kunde zahlen kann. In der Regel möchte der Vermittler dann auch gleich Bargeld mitnehmen. Bei Hausbesuchen und bei Bargeldforderung sollte man hellhörig werden. Denn zu Hause ist man grundsätzlich ungeschützter, eine Aufforderung zur Bargeldzahlung ist immer ein Zeichen für Unseriosität! [li]Bei den Verträgen ist folgendes zu beachten: Im Gespräch wird sehr viel mehr versprochen als tatsächlich im Vertrag steht. Dies ist ein weit verbreiteter Trick. Es empfiehlt sich genau hinzuschauen, was im Vertrag steht. Sind Laufzeit, Anzahl der Kontakte, Suchkriterien nach Region und Profil des Suchenden genannt, dann handelt es sich um ein seriöses Angebot. Denn es nutzt wenig, wenn ausschließlich Männer aus Norddeutschland vermittelt werden, die Kundin aber in Darmstadt wohnt. Meistens sind die Verträge vage, und es ist nur von Kontakten zur Freizeitgestaltung die Rede. Dafür sollte man wirklich keine großen Summen ausgeben müssen. Wichtig ist vor allem, dass nur das Schriftliche zählt. Bestehen Sie immer darauf, dass das, was mündlich versprochen wird, auch schriftlich niedergelegt ist. Und bleiben Sie hartnäckig! Wenn Versprechungen nicht in den Vertrag aufgenommen werden, ist es ratsam zurücktreten.
  • Vermittlungsverträge kosten zwischen 1000 bis 7000 Euro, einige sind noch teurer. Akzeptabel wären Verträge mit einer Vermittlungsgebühr von bis zu 3000 Euro pro Jahr. Extra Kosten für erfolgreiche Vermittlung sind sehr fragwürdig, da der Kunde voraussetzt, dass die Gesamtgebühr eine erfolgreiche Vermittlung einschließt. Ziel der ursprünglichen Vereinbarung ist die erfolgreiche Vermittlung, so dass es widersinnig erscheint, diese extra zu berechnen.
  • Das versprochene Glück kann nicht einklagt werden, ebenso wenig wie eine entrichtete Vermittlungsgebühr. Nach Paragraph 656 des BGB besteht auch durch das Versprechen keine Verbindlichkeit für das Zustandekommen einer Ehe oder Beziehung. Bei solchen Geschäften hat andererseits auch das Vermittlungsinstitut keine Möglichkeit die Gebühr einzuklagen, wenn sie nicht vollständig bezahlt wurde. Wenn das Institut sich nicht an die Versprechungen hält, können die Zahlungen eingestellt werden, ohne dass daraus Konsequenzen entstehen. Das bedeutet für den Kunden, er sollte niemals die gesamte Gebühr im Voraus bezahlen. Besser sind Ratenzahlungen. Und auf keinen Fall in bar!
  • Zusatzangebote, wie eine Farb- oder Stilberatung können ein nett gemeinter Tipp sein, aber wenn das Institut entsprechende Leistungen gegen hohes Honorar anbietet, ist dies nicht seriös.



Zusammenfassend gilt, dass Hausbesuche, Vorkasse, Bargeld, keine konkreten Verpflichtungen im Vertrag und ein Erfolgshonorar eher auf einen dubiosen Anbieter schließen lassen. Wer dennoch eine Partnervermittlung sucht, für den sind Internetplattformen zu empfehlen. Die Kosten sind überschaubarer, der Kunde hat eine größere Auswahl und kann selbst aussuchen und somit entscheidend auf die Suchkriterien einwirken. Der Nachteil der Internetpartnervermittlungen ist, dass der Kunde einen bestimmten Grad an Öffentlichkeit akzeptieren muss. Am günstigsten ist es, selbst eine Anzeige auf zu setzen. In der Regel gibt es viele Zuschriften, und auch hier trifft man die Auswahl persönlich.


Autorin: Barbara Berner
 
Redaktion: maka / than
Bild: © colourbox.com
 

Information

Literaturtipp

"Gesucht: Neue Liebe. Partnervermittlung auf dem Prüfstand" 9,90 EUR
Verlag: Stiftung Warentest (September 2008)
ISBN: 978-3938174890
 
 
hr-online enthält Links zu anderen Internetangeboten. Wir übernehmen keine Verantwortung für Inhalte fremder Webseiten.