hr-online Informationen aus Hessen
ARD.de Hilfe Feedback Die RSS-Angebote des hr Folgen Sie uns auf twitter hr-online bei Facebook
 
Seite: 4/6
Gelenkknochen (Bild:  picture-alliance/dpa)
 
Welche Behandlungen gibt es?

Die Therapie richtet sich nach den Beschwerden des Patienten. Im akuten und chronischen Stadium kommen schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamenten (vorrangig Nicht steroidale Anti-Rheumatika, kurz NSAR) zum Einsatz, möglich sind auch Spritzen in das betroffene Gelenk. Weitere, wesentliche Säulen in der Behandlung sind Krankengymnastik, Physikalische Therapie (Wärme tut bei chronischen Schmerzen gut, Kälte vor allem bei akuten Entzündungen, hier sind auch als altes Hausrezept Quarkwickel wirksam). Bewegen statt Schonen sollte das Motto für Arthrosepatienten sein, regelmäßiger Sport nach den individuellen Möglichkeiten des Patienten ist deshalb sehr wichtig. Da sich durch die Entzündungen oft Flüssigkeit im Gelenk sammelt, kommen Gelenkpunktionen zur Entlastung in Frage.

Künstliche Gelenke
Sind die konservativen Maßnahmen ausgeschöpft, kommen operative Therapien zum Einsatz. Bei jüngeren Patienten oder verletzungsbedingter Arthrose können Korrekturen von Fehlstellungen oder Knorpeltransplantationen erwogen werden. Sonst muss das Gelenk teilweise oder vollständig durch ein Kunstgelenk ersetzt werden.

Welche Prothese im Einzelfall die richtige ist, entscheiden Arzt und Patient gemeinsam. Künstliche Gelenke bestehen in der Regel aus Titan oder einem anderen gut verträglichen Material. Abstoßungen sind deshalb extrem selten. Allerdings besteht immer die Gefahr einer Infektion während oder kurz nach dem Eingriff, weshalb für solche Operationen besonders strenge Hygieneregeln eingehalten werden müssen.

Nach dem Eingriff soll der Patient schnell wieder auf die Beine kommen: In vielen Fällen wird das Gelenk schon am Tag nach der Operation passiv (durch Physiotherapeut) bewegt und die Betroffenen dürfen das Gelenk schon ganz oder teilweise belasten.

Wesentlich für den Operationserfolg ist eine konsequente Nachbehandlung, die Physio- und Ergotherapie einschließt, und bei der der Patient wichtiges für die ersten Wochen und das Leben mit einem Kunstgelenk lernt. Deshalb sollten alle Patienten die Möglichkeit einer stationären Rehabilitation in einer Klinik nutzen.

Bei einem unkomplizierten Eingriff kommt der Patient etwa 6-12 Tage nach der OP in die Rehaklinik, die Kosten übernimmt entweder die Krankenkasse oder der Rentenversicherungsträger. Statistisch gesehen hält ein künstliches Gelenk etwa 15 Jahre, die Betroffenen müssen keine besonderen Regeln einhalten und auch keine Medikamente mehr einnehmen. Sport ist nicht nur möglich, sondern empfehlenswert, lediglich auf Kampfsportarten sollten Patienten mit einem künstlichen Gelenk verzichten.
 
Arthrose vorbeugen, aber wie?
Grundsätzlich sollte man von Kindesbeinen an Fehl- und Überbelastungen vermeiden. Treten zu irgendeinem Zeitpunkt über einen längeren Zeitraum Gelenkschmerzen auf, sollte immer auch nach Fehlstellungen gesucht werden. Beispielsweise kann ein Beckenschiefstand zu einer vorzeitigen Hüftgelenkarthrose führen, Fußfehlstellungen können eine Kniegelenksarthrose begünstigen. Werden Fehlstellungen entdeckt, sollen diese beispielsweise durch korrigierende Einlagen ausgeglichen werden.

Schwimmen oder Radfahren sind gelenkschonende Sportarten, denn wer bereits unter einer beginnenden Arthrose leidet, sollte unbedingt ein Muskelaufbautraining beginnen. Wer überflüssige Pfunde mit sich rumschleppt, tut seinen Gelenken nichts Gutes. Oft können leichte Gelenkbeschwerden schon nach einer moderaten Gewichtsabnahme verschwinden. Und ganz grundsätzlich: Sie sollten sich immer regelmäßig bewegen!

Autorin: Eva Maria Siefert
 

Wundermittel Hyaluronsäure?

Jeder Fünfte hierzulande leidet im Laufe seines Lebens unter Arthrose, dem schmerzenden Knorpelverschleiß. Die genaue Ursache ist noch unklar, daher gibt es auch noch keine heilende Therapie gegen Arthrose. Große Hoffnung und viel Geld investieren Patienten in die mittlerweile überall angepriesene Behandlung mit Hyaluronsäure. Das dickflüssige Hyaluron ist eigentlich ein natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit. Sie ernährt den Knorpel und wirkt als Schmiermittel bei allen Bewegungen. Bei einer Arthrose geht der Knorpel kaputt und die Gelenkflüssigkeit nimmt ab.

Welche Gelenke werden mit Hyaluronsäure behandelt?
Die künstlich hergestellte, hochkonzentrierte Hyaluronsäure wird direkt ins Gelenk gespritzt. Sie soll das Gelenk wieder schmieren, die Gleitfähigkeit des Knorpels verbessern und Entzündungen hemmen. Zumindest zeitweilig kann das die Schmerzen lindern. Experten streiten, ob die Hyaluronsäure auch den Knorpel zum Wiederaufbau anregen kann. Die Therapie wird bei Knie- und Hüftgelenksarthrose, sowie bei Beschwerden im Schulter-, Daumensattel- und Sprunggelenk angeboten. Die Behandlung bei Kniearthrose funktioniert besonders gut, weil der Gelenkspalt sehr groß ist und rund drei Milliliter Hyaluronsäure aufnehmen kann. Im Einzelfall kann diese Behandlung einen künstlichen Gelenkersatz hinauszögern oder gar vermeiden.
 
Seite:   <<    1    2    3    [4]    5    6    >>   
Redaktion: anfi
Letzte Aktualisierung: 6.07.2012, 9:07 Uhr
 

Kontakt

Adressen:

Deutsche Arthrose-Hilfe e.V.
Postfach 11 05 51
60040 Frankfurt am Main
Service-Telefon:
Mo bis Fr 8-12Uhr / 12:30 - 16Uhr
Tel.: 06831/ 94 66 77
Mail: service@arthrose.de
Internet: www.arthrose.de

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. (DGOOC)
Langenbeck-Virchow-Haus
Luisenstr. 58/59
10117 Berlin
Tel.: 030/ 84 71 21 31
Mail: info@dgooc.de
Internet: www.dgooc.de

Arthrose Liga e.V.
Orthopädische Klinik
für die Universität Regensburg
Kaiser Karl V.-Allee 3
93077 Bad Abbach
Info-Tel.: 09405/ 18-2478
Internet: www.arthroseliga.de

Deutscher Orthopäden-Verband e.V. (DOV)
Bundesgeschäftsstelle
Heinrich-Barth-Str. 28
66115 Saarbrücken
Tel.: 0681/ 96 76 75 55
Mail: info@dov-online.de
Internet: www.dov-online.de

Information

Literatur zum Thema:

Wolfgang Ditzen u.a. "Die Hüft-Sprechstunde: Alle Therapien von Naturheilkunde - Hightechmedizin"
175 Seiten, 19,95 Euro
ISBN: 978-3776626056
Verlag Herbig
Februar 2009

Joachim Merk u.a. "Knie aktiv: 100 Übungen bei Arthrose und nach Gelenkersatz, Verletzungen, Operationen"
176 Seiten, 24,80 Euro
ISBN: 978-3777615813
Hirzel Verlag
Juli 2008

Michaela Döll "Arthrose: Endlich schmerzfrei durch Bio-Stoffe. Sanfte Hilfe für Ihre Gelenke"
200 Seiten, 7,95 Euro
ISBN: 978-3442169023
Goldmann Verlag 2008

Christian Lüring "Künstliche Kniegelenke: Wege aus dem Schmerz"
131 Seiten, 24,95 Euro
ISBN: 978-3798518308
Steinkopff Verlag
Mai 2008
 
hr-online enthält Links zu anderen Internetangeboten. Wir übernehmen keine Verantwortung für Inhalte fremder Webseiten.