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Männerhand hält Schraubenschlüssel (Bild:  colourbox.de)
Kannst Du bitte mal schnell ...?

Ausnutzberufe

Warum man Profis nicht um private Gefallen bitten sollte

Wer einen Beruf hat, der Freunden nützen kann, ist beliebt. Denn gut ausgebildete Fachleute sind nicht nur im Berufsleben gefragt - auch im Privaten kann der Kontakt zu einem Juristen, Arzt, Psychologen oder Elektriker scheinbar ungemein nützlich sein.
 

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19.11.2012, 10:00 Uhr
Wenn die Waschmaschine streikt, der Vermieter ärger macht oder eine zweite Mediziner-Meinung gefragt ist, greifen viele zur Handynummer des mehr oder weniger besten Kumpels. Und schon hat man jede Menge Geld und Zeit gespart. Doch nicht immer stößt eine Anfrage "unter Freunden" auf Gegenliebe.

Warum es so wichtig ist, auch mal abzulehnen, und warum man auch als Freund oder Bekannter nicht voraussetzen sollte, professionelle Leistungen umsonst zu erhalten, haben wir Karriereberaterin Brigitte Marx-Lang gefragt.
 
Karriereberaterin Brigitte Marx-Lang hat selbst schon so manchen Gefallen abgelehnt, um den man sie privat gebeten hat. Zum Beispiel, als sie vor wenigen Wochen diese SMS bekam: "Kannst Du bitte mal heute Abend schnell über mein Arbeitszeugnis schauen? Ich komm dann so nach 22 Uhr zu Dir, ich geh' vorher noch essen." Marx-Lang lehnte ab: "Ich kann nicht eben mal so ein Arbeitszeugnis lesen - schon gar nicht im privaten Kreis, was sich sowieso aus ethischen Gründen für einen Coach verbietet. Ich brauche ein professionelles Setting." Der Freund reagierte verärgert, aber Marx-Lang war es das trotzdem wert. Denn tatsächlich gibt es einige gute Gründe, warum man von Freunden privat keine beruflichen Gefallen voraussetzen sollte:
 

Trennen zwischen Beruf und Privatleben

Die Trennung zwischen Beruf und Privatleben muss erhalten bleiben. Wenn Freunde und Bekannte Ihre Grenzen nicht respektieren und jederzeit einen Aufruf zum Arbeitseinsatz starten können, stehen Sie ständig unter Hochspannnung.
 

Professionelles Setting

Die Freunde oder Bekannten wollen "nur mal schnell eine zweite Meinung" - aber oft fehlt dafür das passende Umfeld, um eine seriöse Einschätzung abgeben zu können. Zum Beispiel im Falle einer Zahnärztin, deren Bekannter sich bei einem Kneipenbesuch von ihr in den Mund schauen lassen wollte, um zu erfahren, ob sein Zahn entzündet ist. Jedoch: Wie soll eine Zahnärztin in einer dunklen Kneipe und dem Fehlen jeglicher Hilfsmittel eine seröse Einschätzung über Zahngesundheit abgeben?
 

Zeit mitbringen

Im Vorbeigehen eine Diagnose oder ein fachlich fundiertes Urteil zu fällen, davor wird sich jeder Profi hüten. Wer also Wert auf einen fachlich guten Rat legt, sollte sich einen Termin von der betreffenden Person geben lassen.
 

Angemessene Vergütung

Berufliche Kompetenzen sollten im Privaten nicht über die Maßen strapaziert werden: Auch wenn man dem "Helfer" als Dank eine Flasche Rotwein in die Hand drückt, ist das keine angemessene Vergütung, sondern eher ein Zeichen für schlechtes Gewissen. Der Helfende ist am besten beraten, von Anfang an klarzustellen, dass es sich um einen professionellen Einsatz mit Terminabsprache und auch mit darauf folgender Rechnung handeln wird.

Ein schönes Beispiel dafür, wie man sich mit einer Rechnung gegen Ausnutzversuche zur Wehr setzen kann: Ein Rechtsanwalt wird während eines Zahnarztbesuchs von dem Zahnarzt überraschend zu einem komplexen juristischen Problem um Rat gefragt. Der Rechtsanwalt gibt entsprechende Ratschläge. Kurz darauf bekommt er vom Zahnarzt die Rechnung geschickt. Daraufhin schickt der Rechtsanwalt an den Zahnarzt ebenfalls eine Rechnung für die juristische Beratung.
 

Gegenseitigkeit

Wenn das von beiden Seiten so akzeptiert wird, gibt es auch die Möglichkeit, Leistungen auszutauschen. Ein Beispiel: Ein Elektriker kümmert sich um den Lampenanschluss seines Nachbarn, dafür hilft der Nachbar dem Elektriker bei einem Problem mit dem Auto. Da jedoch aufpassen, dass der Einsatz steuerlich gesehen noch im legalen Rahmen bleibt.
 
Redaktion: anfi
Letzte Aktualisierung: 29.11.2013, 13:40 Uhr
 

Hintergrund

Zu Gast im Studio:

Brigitte Marx-Lang, Karriereberaterin
 
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