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Blutdruckmessgerät (Bild:  colourbox.de)

Bluthochdruck

Neue Methode zum Senken des Blutdrucks

Bei zu hohem Blutdruck wird zunächst versucht, die Werte mit einer Lebens- und Ernährungsumstellung oder Medikamenten in den Griff zu bekommen. Gelingt dies nicht, kann ein neues Verfahren eingesetzt werden: Ein Kathetereingriff kann helfen, den Blutdruck dauerhaft zu senken.
 

Der Fall Renate N.

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6.12.2012, 18:50 Uhr
"Rentner haben nie Zeit", bei Renate N. stimmt das sogar. Denn die 76-jährige Frankfurterin ist viel unterwegs, verreist gerne mit ihrer Tochter. Am liebsten in Gegenden mit herrlich weiten Landschaften, die Gelegenheit für ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen bieten. Doch ein lang geplanter Urlaub am Tegernsee ist alles andere als Erholung, denn die Rentnerin leidet dort unter unerklärlicher Luftnot schon bei kleinsten Belastungen, dazu spürt sie ein bisher nie gekanntes Herzrasen. Renate N. ruft den Notarzt, und der nimmt die 76-Jährige mit in die Klinik, wo sie den Rest ihres Urlaubs verbringt. Denn der vom Notarzt gemessene Blutdruck ist viel zu hoch, liegt bei über 200/115 mmHg. Renate N. wird in der Klinik gründlich untersucht, aber außer dem viel zu hohen Blutdruck finden die Ärzte nichts.

Blutdruck trotz Tabletten außer Kontrolle
Ein erhöhter Blutdruck verfolgt die heute 76-Jährige bereits seit 20 Jahren, doch bisher hatte sie den mit Hilfe von Medikamenten gut im Griff. Seit einem Jahr aber schwanken ihre Werte enorm, immer wieder misst sie auch selbst trotz regelmäßiger Tabletteneinnahme viel zu hohe Blutdruckwerte von mehr als 200/100 mmHg. Bisher griff sie in einem solchen Notfall dann immer zum Nitrospray, das verbessert die Durchblutung und erweitert die Blutgefäße.

Um gegen die Panik bei der drohenden Luftnot anzukämpfen, helfen ihr ganz banale Dinge: in Ruhe ein Glas Wasser trinken, am Fenster oder auf dem Balkon ruhig tief durchatmen - bisher hat das immer geholfen. Wieder zurück in Frankfurt sucht sie als erstes ihren Kardiologen auf. Und Professor Thomas Wendt macht sich erst einmal ein genaues Bild über den Gesundheitszustand seiner Patientin. Misst mehrmals den Blutdruck, macht einen Ultraschall vom Herzen und lässt die Rentnerin beim Belastungs-EKG kräftig in die Pedale treten. Sein Fazit: "Trotz des langjährig hohen Blutdrucks ist das Herz kräftig, pumpt kräftig, die Adern sind frei und im Belastungs-EKG gibt es keine Auffälligkeiten, das einzige Problem sind diese Blutdruckspitzen." Und das, obwohl Renate N. ganz brav täglich drei verschiedene blutdrucksenkende Medikamente einnimmt.
 
Nerven-Überaktivität an den Nierenarterien als Ursache
Noch mehr Medikamente können da nicht helfen, weiß Professor Wendt. Er sieht in diesem Fall nur einen Kathetereingriff als Ausweg: "Mit diesem neuen Verfahren des Kathetereingriffs möchte man die Nerven, die um die Nierenarterien herum liegen und für diese Blutdruckspitzen verantwortlich sind, veröden, also dauerhaft ausschalten."

Dafür wird ein Katheter über die Leiste bis zur Niere eingeführt. Dort umschließen Nervenenden die Nierenarterie, die nun durch elektrischen Strom aus dem Katheter verödet werden. Diese Durchtrennung von Nervenfasern der Nierenarterien führt zur Blutdrucksenkung.

Allerdings ist dieses Verfahren nicht für jeden Bluthochdruck-Patienten ratsam, erklärt der Herzspezialist: "Dieser Eingriff kommt dann in Frage, wenn die Patienten trotz Mehrfachmedikation schlecht eingestellten Bluthochdruck oder diese gefährlichen Bluthochdruckspitzen haben, die symptomatisch sind." Allerdings müssen selbst nach einer erfolgreichen Verödung der Nerven an den Nierenarterien später meist noch blutdrucksenkende Medikamente eingenommen werden.

Doch für die 76-jährige Frankfurterin ist der Kathetereingriff die einzige Chance, wieder ein normales Leben zu führen - ohne Panik, ohne Luftnot und lange Krankenhausaufenthalte wie am Tegernsee. Sie willigt schließlich in den Eingriff ein, zu groß sind zudem die Risiken für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Durchführen wird den Eingriff Professor Rainer Schräder im Rot-Kreuz-Krankenhaus in Frankfurt.
 
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Redaktion: anfi
Letzte Aktualisierung: 7.12.2012, 8:46 Uhr
 

Hintergrund

Zu Gast in der Sendung:

Prof. Dr. Thomas Wendt, Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin

Kontakt

Adressen:

Deutsche Herzstiftung e.V.
Vogtstraße 50
60322 Frankfurt am Main
Tel.: 069/ 955 128-0
Mail: info@herzstiftung.de
Internet: www.herzstiftung.de

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.
Godesberger Allee 18
53175 Bonn
Tel.: 0228/ 3776-600
Mail: webmaster@dge.de
Internet: www.dge.de/

Berufsverband Deutscher Internisten e.V.
(BDI e.V.)/ Geschäftsstelle
Schöne Aussicht 5
65193 Wiesbaden
Tel.: 0611/ 181 33-0
Mail: info@bdi.de
Internet: www.internisten-im-netz.de

Deutsche Gesellschaft zur Prävention und Rehabilitation von Herz- Kreislauferkrankungen e.V.(DGPR)
Friedrich-Ebert-Ring 38
56068 Koblenz
Tel.: 0261/ 30 92 31
Internet: www.dgpr.de

Information

Literatur zum Thema:

Prof. Dr. med. Hans-Dieter Faulhaber "Kursbuch Bluthochdruck: Wie Sie Bluthochdruck erkennen und dauerhaft senken"
Südwest Verlag 2011
ISBN-10: 3517087254
ISBN-13: 978-3517087252
Preis: 17,99 €

Roland E. Schmieder u.a. "Bluthochdruck - Mein Lernbuch: Was Sie zum Bluthochdruck und seinen Folgen wissen sollten und was Sie selbst zur Blutdrucksenkung tun können"
Cms Communications Verlag; 4. Aufl. 2011
ISBN-10: 3922075150
ISBN-13: 978-3922075158
Preis: 18,90 €

Anke Nolte "Bluthochdruck: Vorbeugen, erkennen, behandeln"
Verlag Stiftung Warentest 2010
ISBN-10: 3868511172
ISBN-13: 978-3868511178
Preis: 16,90 €

Dr. med. Ramon Martinez "Bluthochdruck selbst senken in 10 Wochen. Selbsthilfeprogramm für Betroffene"
Schluetersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei 2. Aufl. 2010
ISBN-10: 3899935969
ISBN-13: 978-3899935967
Preis: 14,90 €
 
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