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 (Bild:  picture-alliance/dpa)
Nudel-Leidenschaften - buon appetito!
 

Für welche Weine ist die Toskana berühmt?

Vor etlichen Jahrzehnten, als Spaghetti und Pizza bei uns ihren Siegeszug antraten, zierten bauchige, bastumwickelte Flaschen als Kerzenhalter so manchen Kneipentisch. Die Flasche heißt fiasco und der Inhalt, der sich Chianti nannte, war es oft auch. In der Mitte des 19. Jahrhunderts "erfand" Baron Ricasoli die lange Zeit vorgeschriebene Mischung für den Chianti Classico aus roten Rebsorten, vornehmlich Sangiovese und Canaiolo, sowie einen Anteil an weißen Sorten, Trebbiano und Malvasia. Der gallo nero, der schwarze Hahn, ist heute noch Kennzeichen des Chianti Classico, seit 1984 in den Stand eines DOCG-Weines (Denominazione di Origine Controllata e Garantita), also der höchsten Prädikatsstufe der italienischen Weine erhoben. Allerdings ließen die früheren Regeln des Consorzio del Gallo Nero, die einen Anteil an weißen Rebsorten und den traditionellen Ausbau in großen Bottichen vorschrieben, den "schwarzen Hahn" in den 60er Jahren kränkeln. Preis und Qualität sank, die Gerbstoffe waren hart und die Fruchtigkeit ging schneller verloren als die herbe Note. Bis engagierte Weingüter, wie Antinori und Felsina, dem Chianti Classico wieder auf die Beine halfen. Angeregt durch die Bordeaux-Weine ergänzten sie die rote Rebsorte Sangiovese durch französische Rebsorten, wie den Cabernet Sauvignon oder Merlot, bauten den Wein in kleinen Holzfässern, französischen Barriques, aus, und schufen so einen Super Chianti, der wieder auf sich aufmerksam machte.
 
Trotzdem musste er als Tafelwein abgefüllt werden, weil er nicht den Vorschriften für die Erzeugung des Chianti Classico entsprach. Inzwischen hat sich die Regelung des Chianti-Konsortiums der Entwicklung angepasst: Es dürfen nur noch rote Rebsorten verwendet werden, 80 % müssen Sangiovese-Trauben sein, die restlichen 20 % können andere lokale rote Rebsorten oder auch internationale Sorten sein. Mittlerweile sind fast 1000 Nachfolger der Pioniere mit modernen Chianti-Weinen auf dem Weg zum Erfolg. Statt dünn, säurereich und ausgezehrt, schmecken sie weich, fast cremig und beerenfruchtig mit leichtem Zimtaroma. Und die Toskana hat noch mehr zu bieten. Aus einem Sangiovese-Klon, der Sangiovese Grosso oder Sangioveto, entsteht der berühmte Brunello di Montalcino, aus der Prugnolo Gentile (auch einem Sangiovese-Klon) der Vino Nobile di Montepulciano oder der jüngere Rosso di Montalcino. Brunello und Vino Nobile sind meist weicher als Chianti. Edel und fein: Carmignano aus Sangiovese und einem Anteil Cabernet, der im günstigsten Fall wunderbar goldgelb im Glas schimmert und einen Duft nach Äpfeln und Mandeln entfaltet.
 

Woran erkenne ich einen guten Wein im Supermarkt?

Während in Italien die Weinqualität weitgehend mit der Herkunft begründet wird und regionale Organisationen darüber befinden, ob der Wein die verbindlichen Vorschriften erfüllt, gibt es in Deutschland die amtlich geprüfte Qualität (Qualität im Glas). Eines der wichtigsten Qualitätskriterien für deutsche Weine ist die Qualitätsstufe. Unser Ernährungswissenschaftler Dr. Stephan Lück hat die verschiedenen Qualitätsstufen für Sie in Reihenfolge gebracht:

Platz 4: Tafelwein: Tafelweine sind die Weine mit dem geringsten Qualitätsanspruch. Er muss ausschließlich aus Trauben zugelassener Rebsorten und Rebflächen stammen. Der Wein darf verschnitten werden. Der Most darf vor der Gärung mit Zucker oder konzentriertem Most angereichert werden.

Platz 3: Landwein: Deutscher Landwein ist eine gehobene Stufe des Tafel-weins, bei dem die Bestimmungen schon schärfer sind. Landwein ist stets trocken oder halbtrocken und darf nicht verschnitten werden. Landweine dürfen zwar mit Zucker, aber nicht mit konzentriertem Most angereichert werden.
 
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Redaktion: anfi
Letzte Aktualisierung: 1.02.2013, 9:23 Uhr
 

Information

Zu Gast im Studio:

Michael Beck, Restaurant La Fayence

Dr. Stephan Lück, Ernährungswissenschaftler

Information

Literatur zum Thema:

Reinhardt Hess u.a. "Die neue italienische Küche"
320 Seiten, 25,00 Euro
ISBN: 978-3-8338-0240-9
Verlag Gräfe & Unzer
September 2006

Franco Benussi u.a."Die echte italienische Küche"
320 Seiten, 25 Euro
ISBN:103-8338-0705-9
Gräfe & Unzer
Oktober 2007

Sandro Mattioli "Fettnäpfchenführer Italien - Wie man so tut, als sei man Italiener"
254 Seiten, 9,95 Euro
ISBN: 103-934918-47-6
Conbook Medien GmbH
März 2010
 
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